Tief verwurzelt – fest im Glauben

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Tief verwurzelt – fest im Glauben

2026-06-12T12:29:03+02:0012. Juni 2026|

Es gibt Zeiten, da fühlt sich der Glaube stark an, lebendig, voller Freude.  Und dann gibt es Tage, an denen man sich leer, schwach oder müde fühlt. Darüber schreibt Paulus im Kolosserbrief. Er erinnert uns daran, dass echter Glaube nicht von unseren Gefühlen lebt, sondern von der Beziehung zu Jesus. So wie ein Baum seine Kraft nicht aus den Blättern zieht, sondern aus dem, was unter der Erde verborgen ist: seinen Wurzeln.

 

1. Wurzeln statt Oberflächlichkeit

Wenn Paulus im Kolosserbrief davon spricht, dass wir „verwurzelt“ sein sollen, benutzt er ein Bild, das jeder versteht: einen Baum.

Ein Baum lebt nicht von seiner schönen Krone, nicht von den Blättern, die im Wind rascheln, sondern von dem, was man nicht sieht: den Wurzeln. Sie sind verborgen und unsichtbar, aber sie entscheiden, ob der Baum stehen bleibt oder beim ersten Sturm umfällt.

Genauso ist es mit unserem Glauben. Was man von außen sieht – Gottesdienstbesuche, Mitarbeit in der Jugend, Hören christlicher Musik – das ist alles wichtig. Aber das Entscheidende geschieht unsichtbar: in einer persönlichen Beziehung zu Jesus, im Gebet, im stillen Bibellesen.

Ein Baum ohne Wurzeln kann für eine gewisse Zeit noch gut aussehen, aber er wird vertrocknen – das ist eine Frage der Zeit. Genauso ist es mit dem Glauben, der nicht in Christus verwurzelt ist. Jeremia beschreibt das sehr eindrücklich: „Gesegnet ist der Mann, der sich auf den HERRN verlässt und dessen Zuversicht der HERR ist. Der ist wie ein Baum, am Wasser gepflanzt, der seine Wurzeln zum Bach hin streckt. Denn obgleich die Hitze kommt, fürchtet er sich doch nicht, sondern seine Blätter bleiben grün; und er sorgt sich nicht, wenn ein dürres Jahr kommt, sondern bringt ohne Aufhören Früchte“ (Jer 17,7–8/ LUT). Ein solcher Baum verdorrt nicht, auch wenn Dürrezeiten kommen.

 

Was bedeutet das für uns Jugendliche? Prüfungen, Versuchungen von innen, Druck von Freunden, Konflikte mit Eltern oder Zukunftsängste – das sind alles Stürme. Ob wir stehen bleiben, hängt davon ab, wo wir verwurzelt sind.

Die Frage ist also: Wohin wachsen unsere Wurzeln? Jeder Mensch verwurzelt sich irgendwo. Manche graben ihre Wurzeln in Likes und Anerkennung in Social Media, andere in ihren schulischen Leistungen oder im Sport und Hobby. Doch das alles trägt nicht durch, wenn das Leben wirklich hart wird. Nur Jesus Christus ist ein Boden, der wirklich hält. Das müssen wir tief in unseren Herzen verstehen. Darum fordert Paulus auf: Lasst euch tief verwurzeln in Christus! (vgl. Kol 2,7). Das kostet natürlich Zeit, Disziplin und manchmal auch Verzicht. Ich weiß, dass wir diese Dinge heute sehr ungerne hören, wo wir doch in der modernen Zeit so eine Vielfalt an allem Möglichen zu jeder Zeit haben und uns nichts entsagen wollen. Aber es lohnt sich, weil nur so ein Glaube entsteht, der nicht beim ersten Windstoß umfällt, sondern standhaft bleibt.

 

2. Zwischen Begeisterung und Alltag

Sonntag: Der Gottesdienst war stark, das Wort hat uns getroffen, vielleicht sogar begeistert. In solchen Momenten fühlt sich der Glaube lebendig an, kraftvoll und wir sind voller Freude. Doch kaum beginnt der Montag, ist vieles davon wie weggeblasen. Der Alltag nimmt uns ein, der Kopf ist voll, die Gedanken wandern und plötzlich scheint alles weit weg, was gestern noch so real war. Warum ist das so?

Genau hier beginnt der Kampf, den viele kennen – dieser Wechsel zwischen Begeisterung und Ernüchterung. Wir spüren, wie sehr unsere Gefühle unser geistliches Leben beeinflussen. Einmal sind wir obenauf, dann wieder entmutigt, leer und müde. Paulus beschreibt in Römer 7 diesen inneren Zwiespalt: „Denn ich habe Lust an dem Gesetz Gottes nach dem inneren Menschen; ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern“ (Verse 22–23).

Er kennt das Hin und Her – das Wollen und Nicht-Vollbringen. Doch das Entscheidende ist, dass Paulus nicht dort stehen bleibt. Er ruft aus: „Ich danke Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn!“ (Vers 25). Sein Halt liegt nicht in seiner Gefühlslage, sondern in der Tatsache, dass er in Christus ist. Genau das greift auch der Kolosserbrief auf: „Wie ihr nun Christus Jesus, den Herrn, angenommen habt, so wandelt auch in ihm“ (Kol 2,6). Der Glaube gründet nicht auf dem, was wir fühlen, sondern auf dem, was Gott getan hat. Unser Stand in Christus hängt nicht davon ab, ob wir gerade begeistert oder niedergeschlagen sind. Christus bleibt derselbe – beständig, treu und fest.

 

Gefühle sind wie die Jahreszeiten: Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Der Baum verändert sein Aussehen – mal blüht er, mal trägt er Früchte, mal verliert er alles Laub und im Winter wirkt er kahl und leblos. Doch die Wurzel bleibt unverändert. Sie ist unsichtbar, aber sie hält das Leben fest. Genauso ist es im Glauben: Die äußere Krone unseres Lebens verändert sich, aber die Wurzel, unsere Beziehung zu Christus, bleibt.

 

Oft vertauschen wir die Reihenfolge: Gefühle → Wahrheit → Glaube.

Doch eigentlich verhält es sich umgekehrt: Glaube → Wahrheit → Gefühle.

 

Ich will das kurz an einem Beispiel erklären. Kennst du das Gefühl: Gott liebt mich nicht? Das kommt dir bestimmt bekannt vor. Oder das Gefühl, Gott hört mich nicht oder Er vergibt mir nicht oder… Ich könnte diese Liste so weiterführen. Solche Gedanken schleichen sich oft leise ein, manchmal nach einer Enttäuschung, manchmal in Momenten, in denen wir uns leer fühlen. Das Problem ist, wir fangen an, diesen Gefühlen zu glauben: Gefühle → Wahrheit → Glaube. Wir fühlen etwas und das wird für uns zur Wahrheit und an diese „Wahrheit“ fangen wir an zu glauben: Gott liebt mich nicht, sagt mir mein Gefühl und ich nehme das Gefühl so an. Es wird zu meiner Wahrheit.

Das Problem hierbei ist, dass ich anfange, mich so zu verhalten, als wäre es Wirklichkeit. Ich ziehe mich zurück, bete weniger, verliere Freude und mit der Zeit wird aus meinem Gefühl eine feste Überzeugung: Ich bin allein, Gott ist weit weg. Aber genau hier müssen wir umdenken. Wenn wir glauben, was Gott gesagt hat, richten wir uns auf die Wahrheit aus. Die Wahrheit, dass wir in Christus angenommen sind, steht fest, ohne, dass wir etwas dabei fühlen. Daraufhin verändern sich dann aber auch unsere Gefühle. Glaube → Wahrheit → Gefühle.

 

Es ist wie mit einem Kompass: Egal, wie ich ihn drehe, der Pfeil zeigt immer nach Norden. Der Norden steht für Christus. ER verändert sich nicht. Aber wenn ich den Kompass verdrehe, kann es so aussehen, als würde der Pfeil in eine andere Richtung zeigen. Wenn ich mich dann nach meinem Gefühl richte, laufe ich vielleicht nach Süden, obwohl die Wahrheit ganz klar nach Norden weißt.

Genauso ist es im Glauben: Gottes Wahrheit bleibt unverändert, egal, wie sehr sich meine Gefühle drehen oder wie unruhig mein Herz ist. Wenn ich mich an dem ausrichte, was Gott gesagt hat, an Seinem „Norden“, dann bleibe ich auf Kurs, auch wenn sich alles um mich herum zu drehen scheint. Darum: lass dich nicht hin- und herwerfen von dem, was du gerade empfindest. Deine Gefühle dürfen echt sein, aber sie sind kein Maßstab. Der Maßstab ist Christus. Auf Ihn zu bauen heißt, fest im Glauben zu bleiben. Auch wenn die Jahreszeiten deiner Gefühle wechseln, Christus bleibt derselbe.

 

Deine Gefühle dürfen echt sein, aber sie sind kein Maßstab. Der Maßstab ist Christus.

 

3. Geistliches Wachstum braucht Zeit

Nicht immer sehen wir sofort Ergebnisse oder große Fortschritte, doch das bedeutet nicht, dass nichts passiert. Oft wirkt Gott im Verborgenen. Prozesse laufen, ohne dass sie gleich sichtbar sind.

In Jesaja 55,10–11 beschreibt Gott selbst, wie Sein Wort auf unser Herz wirkt: „Denn gleichwie der Regen und Schnee vom Himmel fällt und nicht wieder dahin zurückkehrt, sondern feuchtet die Erde und macht sie fruchtbar und lässt wachsen, dass sie gibt Samen zu säen und Brot zu essen, so soll das Wort, das aus meinem Munde geht, auch sein: Es wird nicht wieder leer zu mir zurückkommen, sondern wird tun, was mir gefällt, und ihm wird gelingen, wozu ich es sende“ (LUT).

Das begeistert mich an der Bibel: Gott gebraucht Dinge aus unserem Alltag, um uns tiefe geistliche Wahrheiten zu zeigen. Wir sehen den Regen und den Schnee, wir beobachten, wie alles befeuchtet wird – aber was wir nicht sehen, ist das, was unter der Erde geschieht. Dort beginnt das eigentliche Wunder. Das Wasser dringt tief ein, löst etwas aus, setzt Prozesse in Gang. Die Erde wird fruchtbar, beginnt zu grünen und daraus entsteht Leben.

Und dann geschieht etwas Doppeltes: Aus dieser Frucht entsteht Samen zum Säen und Brot zum Essen. Samen – damit das, was in mir wächst, weitergegeben werden kann. Brot – damit ich selbst gestärkt werde und geistlich wachse.

Deshalb: Lass dich nicht entmutigen, wenn du noch keine Ergebnisse siehst. Gott beginnt Sein Werk, und Er vollendet es auch. Aber Wachstum braucht Zeit. Zeit, in der du dich in Christus verwurzelst, Sein Wort aufnimmst und Ihm Raum gibst, in dir zu wirken.

 

Manchmal sieht man das Wachsen erst, wenn man zurückblickt. Doch Gott arbeitet – leise, tief und treu.

Meine Verantwortung ist es, wie Paulus im Kolosserbrief sagt, mein Leben in Christus zu führen, so wie ich Ihn angenommen habe. Das bedeutet: Ich begebe mich immer wieder unter diesen Regen und Schnee, die in mir das Werk Gottes bewirken. Unter dem Regen Seines Wortes zu stehen und dabei meinen Regenschirm geschlossen zu lassen – das ist meine Aufgabe. Denn bei diesem Regen brauche ich keinen Schirm. Doch leider spanne ich ihn viel zu oft auf – aus Bequemlichkeit, aus Ablenkung oder aus Angst, dass mir das Wort zu nahe kommt. Aber nur wer den Schirm schließt, wird wirklich durchdrungen – und genau dann beginnt Wachstum.

 

4. Was „in-Christus-bleiben“ bedeutet

Was bedeutet das eigentlich heute – „in Christus zu bleiben“?

Lange Zeit hatte ich Schwierigkeiten damit, diese Aufforderung in meinem eigenen Leben umzusetzen. Ich dachte oft, dass es bei mir einfach nicht funktioniert, was die Bibel da sagt. Manches erschien mir realitätsfern, gerade dann, wenn mein Gefühl etwas ganz anderes sagte.

Jesus benutzt auch hier wieder ein Bild aus der Natur: den Weinstock und die Rebe. Und auch hier geht es um Wachstum. Eine Pflanze ist abhängig von ihrer Umgebung: vom Gärtner, vom Standort, vom Regen zur richtigen Zeit. All das braucht sie, um zu wachsen und Frucht zu bringen. „Bleibt in mir, und ich bleibe in euch“, sagt Jesus in Johannes 15,4. Doch wie kann ich das ganz real in mein Leben übertragen? Was bedeutet es konkret, heute „in Christus zu bleiben“? Wie sieht das aus, wenn ich morgens aufstehe, in die Schule oder zur Arbeit gehe, mit Menschen rede oder einfach meinen Alltag lebe? Das klingt einfach, aber gerade heute ist das eine der größten Herausforderungen.

 

„Bleiben“, das heißt beständig verbunden, verwurzelt zu bleiben, nicht nur kurz begeistert zu sein. Heute leben wir in einer Welt, die uns ständig in Bewegung hält. Alles verändert sich: Trends, Meinungen, Stimmungen. Wir sind dauernd erreichbar, informiert, abgelenkt.

Und genau in dieser ständigen Bewegung sagt Jesus: Bleib. Bleib bei Mir, auch wenn alles andere dich zieht. In Christus zu bleiben bedeutet, dass ich meine Verbindung zu Ihm bewusst halte. Ich verbringe Zeit mit Ihm im Gebet, in Seinem Wort, in Gemeinschaft mit Ihm. Nicht als Pflicht, sondern als Beziehung. Denn wer mit Christus verbunden bleibt, lebt aus Seiner Kraft, nicht aus der eigenen. Wenn ein Ast vom Weinstock getrennt wird, verdorrt er. Aber solange er verbunden bleibt, fließt Leben, still und unsichtbar, aber kraftvoll. So ist es auch mit uns. Wenn wir an Jesus hängen, fließt Sein Leben in uns hinein. Diese Verbindung ist nicht nur etwas, das man einmal erlebt hat, sie muss täglich gepflegt werden.

 

Bleiben heißt auch, sich nicht mitreißen zu lassen. Es gibt viele Stimmen, die um unsere Aufmerksamkeit kämpfen. Aber nicht jede Stimme führt zum Leben. Manchmal bedeutet „bleiben“, ganz bewusst Nein zu sagen zu Ablenkung, zu Kompromiss, zu Oberflächlichkeit.

In Christus zu bleiben bedeutet, mich immer wieder auf Ihn auszurichten, selbst wenn ich abgelenkt war oder gefallen bin. Ich kehre zurück, weil ich weiß, dass dort mein Platz ist.

Bleiben ist kein Zufall, es ist eine Entscheidung, jeden Tag neu.

Und wenn du dranbleibst, wirst du merken: Bleiben in Christus heißt nicht stehen zu bleiben, sondern beständig zu wachsen, aber in die richtige Richtung. In Seine Nähe. In Seine Liebe. In Seine Wahrheit.

 

In Christus zu bleiben ist kein leeres Wort. Es bringt Ergebnisse, sichtbare und unsichtbare.

Jesus sagt: „Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht“ (Joh 15,5). Das ist keine Anforderung, sondern eine Zusage. Wenn ich mit Jesus verbunden bleibe, fängt etwas in meinem Leben an, sich zu verändern, nicht von außen nach innen, sondern von innen nach außen. Manchmal merken wir es gar nicht sofort, aber Menschen um uns herum spüren es:

da ist Friede, da ist Liebe, Geduld und Freundlichkeit. Das sind die Früchte, die der Heilige Geist wachsen lässt.

 

Frucht entsteht nicht durch Anstrengung, sondern durch Verbindung. Die Rebe muss sich nicht krampfhaft bemühen, Trauben zu produzieren. Sie bleibt einfach am Weinstock und das Leben des Weinstocks fließt in sie hinein. Genauso ist es mit uns. Wenn wir in Jesus bleiben, fließt Sein Leben in uns hinein und Frucht entsteht ganz natürlich.

Vielleicht denkst du, dein Leben trägt gerade wenig Frucht. Aber bleib dran. Bleib in Christus.

Denn da, wo du verbunden bleibst, da wächst etwas, auch wenn du es noch nicht sehen kannst. Und wenn du zurückblickst, wirst du erkennen: Es war nicht meine Kraft, die Frucht brachte, sondern das Leben, das aus Christus in mich hineingeflossen ist.

 

Frucht entsteht nicht durch Anstrengung, sondern durch Verbindung.

 

5. Fest im Glauben

„Wie ihr nun Christus Jesus, den Herrn, angenommen habt, so wandelt auch in ihm,

gewurzelt und auferbaut in ihm und gefestigt im Glauben, so wie ihr gelehrt worden seid, und seid darin überfließend mit Danksagung“ (Kol 2,6-7).

Das ist ein warnendes, aber zugleich ermutigendes Wort an unsere Zeit, an dich und an mich. Es gibt Halt und Beständigkeit in einer unbeständigen Welt, die voller Angst, Sorgen und Dunkelheit ist. Eine Welt, in der viele innerlich zerbrechen und sich fragen, wohin das alles noch führen soll. Doch wir haben ein Ziel, das wir niemals aus den Augen verlieren dürfen: Wie wir Christus einst angenommen haben, so sollen wir unser Leben auch führen — in Ihm verwurzelt, auf Ihn gebaut, fest im Glauben, wie wir gelehrt worden sind und dabei reich werden in der Danksagung.

 

Wenn ich mir das so durchlese, sehe ich hier eigentlich eine geistliche Vollausstattung für jede Situation. Doch das Problem beginnt dort, wo wir von dieser Ausstattung nichts wissen.

Darum ist der Satz „gefestigt im Glauben, so wie ihr gelehrt worden seid“ so entscheidend.

Gott sprach einmal: „Mein Volk geht zugrunde aus Mangel an Erkenntnis“ (Hos 4,6).

Der Glaube kommt aus dem Wort und durch das Wort kommt Erkenntnis, Erkenntnis über Gott, über Seinen Willen und über Seine Wege. Und daraus kommt die Kraft, um im Heute zu bestehen. Wir leben aber in einer Welt, die nach geistlichem Fastfood verlangt. In einer Zeit, in der Shorts und KI unsere Aufmerksamkeit fesseln, in der man kaum noch warten oder suchen muss, um Antworten zu bekommen, haben wir verlernt, in der Stille vor Gott zu bleiben. Wir wollen schnelle Resultate und nicht warten. Doch gerade dort, im Stillewerden vor Gott, werden wir fest im Glauben.

 

Ich erinnere mich an eine Offenbarung, die in unserer Gemeinde geteilt wurde. Sie war für mich sehr eindrücklich. Gott zeigte ein Waldstück voller Bäume. Ein Sturm kam auf, stark und heftig. Nachdem der Sturm vorüber war, lagen einige Bäume am Boden, meist junge, aber nicht nur. Und Gott zeigte warum: Ihre Wurzeln waren zu flach. Nach außen sah alles schön aus – grüne Krone, junger, kräftiger Stamm – aber unter der Oberfläche fehlte der Halt. Genau das meint Paulus, wenn er dazu auffordert, „fest im Glauben“ zu sein: verwurzelt zu bleiben, die Wurzeln tiefer in Christus hineinwachsen zu lassen.

 

6. Verwurzelt zu jeder Jahreszeit

Festzuhalten am Glauben – aber an was genau? An das Erlösungswerk Jesu am Kreuz. An meine Vergebung durch Sein Blut. An meine Berufung, ein Kind Gottes zu sein. Was kann es Größeres geben, als daran festzuhalten! Doch wir tun das nicht allein. Gott hat uns die Gemeinde gegeben, die Gemeinschaft der Gläubigen. In Epheser 3,14–19 betet Paulus, dass die Gläubigen durch den Heiligen Geist am inneren Menschen gestärkt werden, damit Christus durch den Glauben in ihren Herzen wohnt und sie in Ihm verwurzelt und gegründet sind. Warum? Damit sie mit allen Heiligen begreifen, was die Breite, die Länge, die Tiefe und die Höhe der Liebe Christi ist.

Hörst du? Er sagt mit ALLEN Heiligen, nicht einer alleine. Und dann sagt Paulus etwas Erstaunliches: Er betet, dass wir das begreifen, was alle Erkenntnis übersteigt und dass wir erfüllt werden mit aller Gottesfülle (vgl. Eph 3,19). Das geschieht in der Gemeinschaft der Gläubigen. Darum steht auch im Hebräerbrief: „[Lasst uns] unsere eigene Versammlung nicht verlassen, wie es einige zu tun pflegen“ (Hebr 10,25).

Denn es gibt Dinge, die Gott uns nur in der Gemeinschaft der Heiligen zeigen wird.

Wenn ich mich dieser Gemeinschaft entziehe, entziehe ich mich auch der Stärkung und der Verheißungen Gottes. Und genau das brauchen wir heute: erfüllt zu sein mit Seiner Fülle, gestärkt zu werden durch Seinen Geist, fest zu werden im Glauben, verwurzelt zu jeder Jahreszeit.

 

Vielleicht fühlst du dich manchmal müde im Glauben, wie jemand, der schon lange kämpft, aber kaum noch Kraft hat. Doch genau dann will Gott dir begegnen. Er ruft dich nicht dazu auf, stärker zu werden aus eigener Kraft, sondern deine Hände zu Ihm zu erheben, damit Er sie füllt.

In Hebräer 12,12 steht: „Darum stärkt die müden Hände und die wankenden Knie“ (LUT). Das ist keine Forderung, sondern eine Einladung. Eine Einladung, wieder aufzuschauen auf Christus, den Anfänger und Vollender des Glaubens.

 

Er ist der, der dich verwurzelt, der dich festigt, der dich trägt.

Er ist derselbe – gestern, heute und in Ewigkeit. Und wer in Ihm bleibt, wird nicht nur stehen, sondern wachsen, auch in der Trockenzeit, auch im Sturm, bis Sein Werk in uns vollendet ist.

Darum: Hebe deine Hände, richte deinen Blick auf Ihn.

Er ist treu und Er wird dich festmachen.

 

Paul Brunnmeier

Gemeinde Ramstein