Verwurzelt sein in Christus

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Verwurzelt sein in Christus

2026-06-12T12:42:24+02:0012. Juni 2026|

Das Gleichnis unseres Herrn Jesus vom Sämann vermittelt uns ein eindrückliches Bild dafür, wie wichtig es ist, in enger Verbundenheit mit Ihm zu leben. Heute dürfen wir von Jesus lernen und uns selbstkritisch mit der Frage beschäftigen: „Wie kann ich mich tief in Ihm verwurzeln, und welche Dinge hindern mich daran?“

Im gut bekannten Gleichnis vom Sämann spricht der Herr Jesus darüber, wie der ausgestreute Samen auf unterschiedliche Böden fällt. Diese stehen sinnbildlich für die Herzenshaltung der Zuhörer. Einer der vier Böden ist besonders aussagekräftig für die Wichtigkeit eines gefestigten Glaubens. „Auf den felsigen Boden gestreut aber ist es bei dem, der das Wort hört und sogleich mit Freuden aufnimmt; er hat aber keine Wurzel in sich, sondern ist wetterwendisch. Wenn nun Bedrängnis oder Verfolgung entsteht um des Wortes willen, so nimmt er sogleich Anstoß“ (Mt 13,20-21). Der gute Same, das Wort Gottes, erreicht das Herz, das zunächst freudig und bereitwillig die Botschaft aufnimmt.

 

Die Pflanze, die auf diesem Boden sprießt, hat jedoch eine Besonderheit, die nicht sofort sichtbar ist. Sie hat keine Wurzel. Schon bald gerät sie in Schwierigkeiten, denn die Witterung, der sie schutzlos ausgeliefert ist, bringt sie in Bedrängnis. Sie kann den äußeren Einflüssen nichts entgegensetzen. Sei es Sonnenglut oder Kälte – in Stresssituationen ist sogar ihre Existenz gefährdet. Unser geistliches „Verwurzeltsein“ ist deshalb so wichtig, weil jeder Christ in der Nachfolge seines Herrn Trübsal oder Verfolgung erleben wird: „Und alle, die gottesfürchtig leben wollen in Christus Jesus, werden Verfolgung erleiden“ (2.Tim 3,12). Unser geistliches Leben entspringt der Quelle Jesu. An dieser verwurzelt zu sein, entscheidet darüber, ob und wie wir dem Feuer der Herausforderungen standhalten können.

 

Gott hat nach der Sintflut festgelegt, dass es auf der Erde Zeiten für Saat, Wachstum, Frucht und Ernte geben wird. In 1. Mose Kapitel 8 Vers 22 heißt es: „Von nun an soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht, solange die Erde besteht!“ Jeder dieser zeitlichen Abschnitte hat seine Eigenheiten, seine Schönheit aber auch seine Herausforderungen.

Auch in unserem Alltag erleben wir immer wieder verschiedene „Wetterverhältnisse“. Sonne, Regen, Kälte und Wärme sind Teil eines natürlichen Ablaufs und wechseln sich ab. Wir müssen uns den Wetterverhältnissen anpassen und uns entsprechend darauf einstellen. Ein bekanntes Sprichwort sagt: „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung.“

 

Damit ist gemeint, dass nicht die äußeren Umstände entscheidend sind, sondern wie wir auf sie reagieren. Wie sind wir also „gekleidet“ oder „ausgestattet“ für unterschiedliche Lebensbedingungen? Um beim konkreten Beispiel Jesu zu bleiben: Sind unsere Glaubenswurzeln tief und fest in Ihm verankert? Unabhängig davon, welche geistlichen Wetterbedingungen gerade vorherrschen, müssen unsere Glaubenswurzeln in Christus gegründet sein.

In den folgenden Abschnitten möchte ich anhand von fünf Schritten aufzeigen, wie wir gesunde und gefestigte Glaubenswurzeln in Christus entwickeln können.

 

Unsere Glaubenswurzeln können gedeihen, wenn wir ein gesundes Gebetsleben entwickeln.

 

Wurzeln schlagen – durch Gebet

Unsere Glaubenswurzeln können gedeihen, wenn wir ein gesundes Gebetsleben entwickeln. Die Bedeutung des Gebets kann gar nicht genug betont werden. Auch der Herr Jesus selbst hielt es für wichtig, auf die Notwendigkeit des Gebets hinzuweisen: „Er sagte ihnen aber auch ein Gleichnis, um ihnen zu zeigen, dass es nötig ist, allezeit zu beten und nicht nachlässig zu werden“ (Lk 18,1). Der Apostel Paulus bestätigt dies mit der Aufforderung: „Betet ohne Unterlass!“ (1.Thess 5,17).

Ohne Unterlass oder jederzeit zu beten bedeutet, Gott vertrauensvoll alles mitzuteilen. In dem Wunsch, unser gesamtes Leben mit Ihm zu teilen, zeigt sich unsere Verbundenheit mit Jesus Christus. Ja, vielmehr ist Jesus unser Leben geworden. Jeder Gedanke, jeder Herzschlag ist untrennbar mit Ihm verbunden. Eigentlich kennt Gott unser Inneres bereits durch und durch: „Ja, es ist kein Wort auf meiner Zunge, das du, HERR, nicht völlig wüsstest“ (Ps 139,4).

 

Aber warum beten, wenn Gott schon alles weiß? Ich bin fest davon überzeugt, dass es nicht darum geht, Gott „zu informieren“. Vielmehr geht es darum, nicht „alleine“ oder „eigenständig“ durchs Leben zu gehen, ohne Gott. Das Gebet ist Ausdruck der Gemeinschaft mit unserem himmlischen Vater. Mit Ihm die eigenen Sorgen zu teilen, Ihm zu danken und Ihn anzubeten, stärkt unsere Verbundenheit mit Ihm. Auch der Herr Jesus hat zu Lebzeiten auf dieser Erde zu Seinem Vater gebetet. Damit zeigt Er uns, dass das Beten ein fester Bestandteil der Verbindung zum Himmel ist (vgl. Lk 5,16).

Als das Telefon im 19. Jahrhundert erfunden wurde, waren Telefonverbindungen nur über direkte Drähte und manuelle Vermittlung möglich. Die kabellose Verbindung, die heute einfach über die Luft übertragen wird, ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Früher wäre dies undenkbar gewesen. Doch unabhängig vom technischen Fortschritt ist die Verbindung zum himmlischen Vater durch den Glauben seit jeher unmittelbar und zu jeder Tageszeit möglich. Leider nehmen wir das Gebet vergleichsweise selten in Anspruch und verpassen dadurch manche Segnung.

 

Bei der Ausarbeitung dieses Themas wurde ich auf das Buch „Der kniende Christ“ aufmerksam. Dabei fiel mir auf, wie viel allein dem Gebet zuzuschreiben ist, besonders auf dem Missionsfeld. Das Gebet öffnet Türen, die verschlossen sind. Es zerbricht Ketten und verändert Herzen, die steinhart waren. Unmögliches wird durch die Kraft des Gebets möglich. Deshalb stellt sich gar nicht die Frage, ob wir überhaupt beten sollen. Vielmehr lautet die Frage: Welchen Wert schreiben wir dem Gebet zu? Die biblische Wahrheit ist, dass das Gebet eine der Hauptadern im Fluss der geistlichen Quelle ist. Unser Gebet muss also erhalten, gepflegt und bei Bedarf verbessert werden.

Gott sehnt sich danach, dass wir unser Gebet zu Ihm fließen lassen, ohne dass Hindernisse dem entgegenstehen. Ob im Kämmerlein oder im gemeinsamen Gebet mit Glaubensgeschwistern – jedes Mal sollte es unser innigster Wunsch sein, Gott im Gebet zu suchen.

 

Unabhängig davon, welche geistlichen Wetterbedingungen gerade vorherrschen, müssen unsere Glaubenswurzeln in Christus gegründet sein.

 

Wurzeln vertiefen – durch Gottes Wort

Unser Gebet richtet sich an Gott. Der Herr hat uns jedoch auch etwas mitzuteilen: „Nachdem Gott in vergangenen Zeiten vielfältig und auf vielerlei Weise zu den Vätern geredet hat durch die Propheten, hat er in diesen letzten Tagen zu uns geredet durch den Sohn“ (Hebr 1,1-2). Für mich ist eines der größten Wunder, dass Gottes Wort schriftlich festgehalten wurde. Der Herr hat in weiser Voraussicht ein Medium geschaffen, durch das wir Ihn heute im 21. Jahrhundert kennenlernen und immer besser verstehen können. Gott spricht heute zu uns – durch Sein heiliges Wort, die Bibel. Und Sein Reden geschieht durch Seinen Sohn Jesus.

 

Damit unsere Glaubenswurzeln tiefer werden, brauchen wir Bibellese, Andacht und Predigt. Oft sind wir jedoch zu beschäftigt dafür. Wir meinen, unsere eigene Kraft und Lebenserfahrung reichten aus, um geistlich leben zu können. Das Ergebnis ist, dass wir Sein Wort beiseitelegen und verpassen, wie Er in unser persönliches Leben hineinreden will. Doch das ist ein Irrweg, denn Seine Worte sind Geist und Leben (vgl. Joh 6,63). Unser Gelingen und geistliches Wachstum hängen ganz entscheidend davon ab, wie wir auf Sein Wort achtgeben.

 

Wenn wir Ihm in der Schrift begegnen, wachsen wir in unserer Gotteserkenntnis: „Jesus spricht zu ihm: So lange Zeit bin ich bei euch, und du hast mich noch nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, der hat den Vater gesehen. Wie kannst du da sagen: Zeige uns den Vater?“ (Joh 14,9). Aus diesen Worten lässt sich Folgendes ableiten: Wenn wir die Bibel lesen, begegnen wir Jesus, der das Ebenbild Seines Vaters ist. Folglich begegnen wir auch Gott selbst, dem Schöpfer des Universums. Gottes Wort gibt uns also einen wahren Einblick in das Wesen Gottes. Das Gottesbild, das die Bibel vermittelt, wird vor unserem geistlichen Auge immer klarer und verständlicher, wenn wir dranbleiben und uns darin vertiefen. Die Gemeinde in Beröa hatte eine besonders edle Gesinnung.

Sie forschten täglich in den Schriften und überprüften die Aussagen der Predigt anhand des Gelesenen (vgl. Apg 17,11).

 

Wir können die Heilige Schrift auch als einen Liebesbrief Jesu an Seine Gemeinde verstehen. Wie ein verlobtes Paar in einer liebevollen Beziehung zueinander steht, sind wir mit dem Herrn Jesus verbunden und leben in der Erwartung des persönlichen Austausches miteinander. „Dieses Geheimnis ist groß“, sagt Paulus und deutet dabei die Verbindung einer Ehe auf Christus und Seine Gemeinde (vgl.
Eph 5,25-32). Diese einzigartige Verbundenheit gilt es zu vertiefen und zu erforschen. Die Süße Seines Wortes dürfen wir kennenlernen, wenn der Heilige Geist uns diese Tiefen eröffnet: „Wie süß ist dein Wort meinem Gaumen, mehr als Honig meinem Mund!“ (Ps 119,103). Jesus selbst ist das fleischgewordene Wort. Er wirkte schon von Anbeginn der Schöpfung mit und tut dies auch heute in unserem persönlichen Leben. Es hängt jedoch maßgeblich davon ab, wieviel Raum wir dem Wort Gottes in unserem Alltag schenken und somit Jesus zu uns reden lassen.

 

Wurzeln festigen – durch Gemeinschaft

Für gefestigte Wurzeln in Gott ist die ständige Verbindung zu Ihm unerlässlich. Mit Gott und Jesus Christus verbunden zu sein bedeutet zugleich, mit dem Volk Gottes verbunden zu sein. „Was wir gesehen und gehört haben, das verkündigen wir euch, damit auch ihr Gemeinschaft mit uns habt; und unsere Gemeinschaft ist mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus“ (1.Joh 1,3). Dabei sollten wir uns unbedingt fragen: Wer sind die Menschen, mit denen ich mich verbinde und wo findet diese „Gemeinschaft“ statt?

 

Echte Gemeinschaft entsteht durch persönliche Begegnungen mit realen Menschen. Nichts kann die Gemeinschaft mit der örtlichen Gemeinde ersetzen. Kein Online-Gottesdienst und keine digitale Kirche. Das Wesen von Gemeinschaft besteht ja darin, wirklich und unmittelbar vor Ort anwesend zu sein, echte Gottesdienste zu besuchen und aktiv mitzugestalten. Indem wir die Versammlungen aufsuchen, dienen wir einander und motivieren uns gegenseitig voranzugehen. So steht auch geschrieben: „Und lasst uns aufeinander achtgeben, damit wir uns gegenseitig anspornen zur Liebe und zu guten Werken, indem wir unsere eigene Versammlung nicht verlassen, wie es einige zu tun pflegen, sondern einander ermahnen, und das umso mehr, als ihr den Tag herannahen seht!“ (Hebr 10,24-25).

In dieser natürlichen, persönlichen Gemeinschaft entsteht ein lebendiger Austausch mit Menschen, aber auch eine Verbindlichkeit gegenüber ihnen. Das spornt uns an, aktiv zu sein – sowohl im Geben als auch Nehmen. Die Gemeinde Gottes verkörpert den Leib Jesu, wobei Jesus selbst das Haupt ist. Genauso wenig wie der Körper ohne den Kopf leben kann, können wir als Glieder Seines Leibes ohne Ihn existieren.

 

Wenn du das nächste Mal vor der Entscheidung stehst, ob du am Gottesdienst teilnehmen sollst, mache dir bewusst: Jesus ist dort anwesend, zusammen mit den Menschen, die Er mit Seinem Blut erkauft hat. Erkenne, dass du selbst Teil dieses Organismus bist und dort hingehörst: „Ihr aber seid der Leib des Christus, und jeder ist ein Glied daran nach seinem Teil“ (1.Kor  12,27). Der Feind aber will uns isolieren und von der Herde trennen. Dann hat er leichtes Spiel, unsere geistlichen Wurzeln zu schädigen und uns vollständig von Christus und Seiner Gemeinde zu trennen.

Als Kind Gottes gehörst du ins Haus deines Vaters: „Und er sprach zu ihnen: […] Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meines Vaters ist?“ (Lk 2,49). In deiner Ortsgemeinde findest du Glaubensgeschwister, die denselben Weg gehen und dich verstehen. Hier erhältst du Kraft und neue Impulse für deine täglichen Herausforderungen. Der Gottesdienst ist der Ort der Anbetung, des Wortes und der Gemeinschaft. Viele Verheißungen sind ausdrücklich der Gemeinde Gottes gegeben, zum Beispiel der Segen des Abendmahls. Leben und Gemeinschaft mit Jesus sind ausschließlich Seiner Gemeinde vorbehalten und nicht der Welt.

 

Wurzeln stärken – durch Heiligung

Das Neue Testament fordert die Gläubigen auf, heilig zu sein, weil Gott heilig ist. „Sondern wie der, welcher euch berufen hat, heilig ist, sollt auch ihr heilig sein in eurem ganzen Wandel. Denn es steht geschrieben: »Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig!“ (1.Petr 1,15). Der Ausdruck „Heilig dem Herrn“ wird im Alten Testament in Zusammenhang mit dem Priesterdienst verwendet (vgl. 2.Mo 39,30).
Heilig zu sein bedeutet, dabei nicht nur rein, fromm oder gottesfürchtig zu sein, sondern auch abgesondert zu leben. Es ist eine Gnade Gottes, dass wir für Ihn leben dürfen.

 

Mit unserer Bekehrung zum wahren Glauben haben wir unser ganzes Leben Gott geweiht. Das heißt, dass jeder Lebensbereich nun für Gott abgesondert sein soll. Die Fähigkeiten und Mittel, die wir besitzen, sollen wir für Sein Reich und zur Ehre Gottes einsetzen. Als Christen tragen wir den Wunsch in uns, ein Gott hingegebenes Leben zu führen, weil wir Seine Gesinnung haben und Sein Geist in uns wohnt. Deshalb distanzieren wir uns selbstverständlich von allem, was Gott nicht ehrt oder mit der Lehre Jesu Christi nicht vereinbar ist. Im fortlaufenden Prozess der Heiligung geben wir uns Schritt für Schritt immer mehr Gottes Willen hin. Gleichzeitig schützen wir uns davor, durch Sünde ein verhärtetes Herz zu bekommen.

 

Obwohl wir Christus angezogen haben, will der alte Adam in unserem Leben wieder die Oberhand gewinnen (vgl. Eph 4,22). Die Bibel beschreibt diesen Konflikt als Kampf zwischen Fleisch und Geist: „Denn das Fleisch gelüstet gegen den Geist und der Geist gegen das Fleisch; und diese widerstreben einander, sodass ihr nicht das tut, was ihr wollt“ (Gal 5,17). Jesus selbst ermahnt Seine Jünger: „Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung kommt! Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach“ (Mt 26,41).

Dafür brauchen wir Gottes Kraft und Weisheit, aber auch die Bereitschaft, Veränderung durch Seine Gnade geschehen zu lassen. „Weil wir nun diese Verheißungen haben, Geliebte, so wollen wir uns reinigen von aller Befleckung des Fleisches und des Geistes zur Vollendung der Heiligkeit in Gottesfurcht!“ (2.Kor 7,1). Weil wir für Gott leben, führen wir ein besonderes Leben, dass Gott ehrt und Seinen heiligen Namen nicht beschmutzt. Das erfüllt uns mit Freude, Zuversicht und Stärke. So wird die Nachfolge des Herrn Jesus Christus keine Last oder Bürde, denn Sein Joch ist angenehm und Seine Last ist leicht.

 

Wenn wir jedoch unter der tatsächlichen Last der Sünde leiden, verschwenden wir viel Kraft durch diese eigentlich unnötige, schädliche und letztlich tödliche Belastung. Paulus sagt dazu: „Denn wer auf sein Fleisch sät, der wird vom Fleisch Verderben ernten; wer aber auf den Geist sät, der wird vom Geist ewiges Leben ernten“ (Gal 6,8).

 

Wir müssen darauf achten, dass uns keine unscheinbaren Dinge von der einfachen Hingabe an unseren Herrn ablenken. Wie leicht verstricken wir uns in Sünde oder alten Gewohnheiten und werden dadurch träge im Glauben. Ein geistlicher Mensch kann ohnehin keine wahre Erfüllung in der Welt oder in irdischen Dingen finden. Denn Freundschaft mit der Welt verträgt sich nicht mit einer Verbundenheit zu Gott. Im Wunsch, heilig und für Gott abgesondert zu leben, festigt und verbessert sich unsere geistliche Widerstandskraft gegenüber allem Bösen. Heilig zu leben ist daher keine altmodische Erscheinung, sondern ein Gebot Gottes und eine Folge der völligen Hingabe an Ihn.

 

Ein geistlicher Mensch kann keine wahre Erfüllung in der Welt oder in irdischen Dingen finden.

 

Wurzeln pflegen – durch Liebe zu Gott

Letztendlich kommt es darauf an, dass wir Gott aus Liebe dienen. Denn alles, was nicht aus Liebe geschieht, hat keinen Wert (vgl. 1.Kor 13,1-3). Wenn wir erkennen, wie sehr Er uns durch Jesus Christus geliebt hat, wollen wir Ihm auch Liebe zurückgeben. Jesus sagt dazu: „Liebt ihr mich, so haltet meine Gebote!“ (Joh 14,15).

 

Sein Werk an uns ist so unbegreiflich groß, dass wir nur staunend vor Seinem Kreuz stehen können. Auch nach vielen Jahren in der Nachfolge Jesu ist dies für mich persönlich immer wieder die entscheidende Motivation. Auf die Liebe Jesu und Seine Hingabe an uns zu blicken und es Ihm einfach nachzumachen. Ich erinnere mich an das Begräbnis einer alten Glaubensschwester, bei der im Nachruf vor allem ihre Gastfreundschaft und Hingabe für andere Menschen betont wurden.Ihr Glaube zeigte sich in Werken, die aus echter Liebe entstanden waren. Dieses Zeugnis weckte in mir unmittelbar den Wunsch: „Ich möchte auch so sein, wie dieses vorbildliche Gemeindemitglied es war.“

 

Doch Vorsicht: Warum möchte ich das? Was ist meine Motivation? Nur damit am Ende andere gut über mich reden? Oder weil ich überzeugter Christ bin und Jesus liebe?

Die Liebe Gottes ist unser einziges Stärkungsmittel, um aus allen Kämpfen und Prüfungen siegreich hervorzugehen und das Feld am Ende zu behalten: „Deshalb ergreift die ganze Waffenrüstung Gottes, damit ihr am bösen Tag widerstehen und, nachdem ihr alles wohl ausgerichtet habt, euch behaupten könnt“ (Eph 6,13).

Wenn wir an dieser Stelle auf eigene Fähigkeiten, Meinungen und Erfahrungen bauen, berauben wir uns der Möglichkeit, in eine immer tiefere Abhängigkeit von Christus zu gelangen. Wir stehen uns dann selbst und Christus im Weg. Wenn wir jedoch erkennen, dass wir unvollkommen und unfähig sind, um aus eigener Kraft zu überwinden, wachsen wir in der Hingabe an Gott zu Ihm hin. Lasst uns nicht vergessen, dass „die Freude am Herrn unsere Stärke ist!“ (Neh 8,10).

 

Wenn unser Glaubensalltag zu reiner Routine und Formalität verkümmert und die Freude am Gottesdienst schwindet, fühlen wir uns schwach und abgeschlagen. Selbst die einfachsten Aufgaben und Herausforderungen werden uns zu schwer und wir beginnen, im Glauben zu wanken. Frische Liebe hingegen stärkt uns zu hingebungsvollem Gottesdienst und bewahrt vor bloßem Dienst nach Vorschrift. „Aber ich habe gegen dich, dass du deine erste Liebe verlassen hast. Bedenke nun, wovon du gefallen bist, und tue Buße und tue die ersten Werke!“ (Offb 2,4-5). Gott sieht jedes vollbrachte Werk und weiß genau, mit welcher Herzenshaltung wir unsere Pflichten erfüllen. Möge Er uns – wo nötig – Buße schenken und Seine Liebe in uns erneuern, damit wir Werke aus tiefer Liebe vollbringen.

 

Fazit

Für standhaftes Ausharren und die Bewältigung praktischer Herausforderungen in unserem Alltag reicht ein oberflächlicher Glaube nicht aus. Um Jesus Christus unter allen Umständen folgen zu können, brauchen wir eine beständige Gemeinschaft mit Ihm. Wir müssen buchstäblich mit Ihm verwurzelt sein. In der Heiligung und durch die stetige Erneuerung unserer Liebe zu Ihm bezeugen wir unseren Glauben in der Tat, wodurch wir auch dem Bösen widerstehen können. Am Ende aber hoffen wir auf Seine Gnade, die unser Herz fest macht: „Lasst euch nicht von vielfältigen und fremden Lehren umhertreiben; denn es ist gut, dass das Herz fest wird, was durch Gnade geschieht“ (Hebr 13,9). Dieser Gnade wollen wir uns anvertrauen und betend sagen: „Herr, mach uns fest in Dir.“

 

Valentin Paul

Gemeinde Lappenstuhl