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Die Bergpredigt ist mehr als eine bekannte Rede – sie ist ein lebendiger Bauplan für ein Leben nach Gottes Ebenbild. Sie zeigt nicht nur das Ziel, sondern auch den Weg dorthin: „Darum sollt ihr vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist“ (Mt 5,48).
Als wir vor einigen Jahren unser Haus bauten, entschieden wir uns bewusst für einen erfahrenen Architekten. Viele Glaubensgeschwister aus unserer Region hatten ihn bereits gewählt. Er überzeugte durch seinen stilvollen Geschmack, ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und durch die Kenntnis unserer spezifischen Bedürfnisse angesichts unserer immer größer werdenden Familien. Besonders hilfreich war seine Erfahrung mit Fördermitteln und die klare, leicht verständliche Darstellung seiner Pläne. Ähnlich ist es mit Gott, unserem Schöpfer: Er weiß, wie wir geschaffen sind, und kennt unsere Bedürfnisse und Herausforderungen. In der Bergpredigt stellt Gott uns durch Jesus Christus einen klar verständlichen Bauplan für unser geistliches Haus vor.
Bevor ein Haus gebaut werden darf, muss der Bauplan beim Bauamt eingereicht werden. Erst nach erfolgreicher Prüfung wird die Baugenehmigung erteilt.
Ähnlich verhält es sich beim geistlichen Hausbau: Durch Reue, Buße und Vergebung in Jesus Christus erhalten wir die „Genehmigung“ für den geistlichen Hausbau, den Zutritt zu der Gnade, in der wir stehen (vgl. Röm 5,1–2).
Beim aufmerksamen Lesen der Bergpredigt in den Kapiteln 5–7 des Matthäusevangeliums fällt auf, dass sich diese in sechs Hauptabschnitte einteilen lässt.
Die Seligpreisungen
Die Seligpreisungen sind ein zentraler Bestandteil der Bergpredigt. Sie machen deutlich, wie unser geistlicher Hausbau aussehen wird, wenn wir ihn nach den Worten Jesu errichten. Der Abschnitt der Seligpreisungen zeigt auch, welche Verheißungen Gott uns schenkt, wenn wir nach Jesu Geboten leben. Ein Bauplan zeigt beispielsweise auf den ersten Seiten der Zeichnungsunterlagen ein Haus aus den vier Himmelsrichtungen – Norden, Osten, Süden und Westen. Ebenso zeigen uns die Seligpreisungen aus verschiedenen Perspektiven das Bild eines vollkommenen Menschen, wie es in Epheser 4,13–14 beschrieben wird, der in den Stürmen des Lebens standhaft bleibt.
Was wir in Jesus Christus sind
Im Abschnitt Matthäus 5,13–16 bezeichnet Jesus uns als „Salz der Erde“ und „Licht der Welt“. Das macht deutlich, dass wir als Bauherren nicht nur bestimmte Rechte, sondern auch Verantwortung für den Bau tragen, den wir nach dem vorgegebenen Plan errichten.
Nachdem wir durch unsere Bekehrung zu Jesus Christus Zutritt zu dieser Gnade erhalten haben, stehen wir zugleich in der Verantwortung gegenüber dieser Welt, ein Geschmack und ein Licht zu sein.
In 2.Korinther 2,14–16 und 3,2–3 lesen wir, dass wir durch ein Leben nach Gottes Willen einen besonderen „Geschmack“ – oder auch „Geruch“ – erhalten und beginnen zu leuchten. Menschen um uns herum sollten diesen Lebensstil wahrnehmen, sich an diesem Licht orientieren und nach der Quelle unseres Handelns fragen. Zur Vertiefung dieses Themas empfehle ich das Buch „Leben über dem Durchschnitt“ von William McDonald.
Gott, der Schöpfer, gibt uns durch Jesus Christus einen vollkommenen Grund und Plan für unser geistliches Haus.
Die Erfüllung des Gesetzes
Betrachten wir nun den nächsten Abschnitt in Matthäus 5,17–48. In Kapitel 5, Vers 17 macht Jesus deutlich: „Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen, aufzulösen, sondern zu erfüllen.“ Ab Vers 21 zeigt Jesus, auf welche Weise die Gebote in der Bergpredigt vertieft werden. Er beschreibt zunächst die herkömmliche Auslegung der Gebote: „Ihr habt gehört…“, und erklärt dann, wie sie wirklich zu verstehen sind: „Ich aber sage euch…“
In diesem Abschnitt verfeinert Jesus das Gesetz und zeigt, dass bereits innere und unsichtbare Konflikte eines Menschen den Weg zu so schweren Taten wie Mord bereiten können. Es ist also schon auf der Ebene der Gedanken notwendig, wachsam zu sein und aktiv dagegen anzukämpfen.
Der Abschnitt nach den Worten „Ich aber sage euch…“ beschreibt das Leben im Geist. Paulus schreibt an die Römer: „Denn was dem Gesetz unmöglich war, weil es durch das Fleisch geschwächt war, das tat Gott: Er sandte seinen Sohn in der Gestalt des sündigen Fleisches und um der Sünde willen und verdammte die Sünde im Fleisch, damit die Gerechtigkeit, die das Gesetz fordert, in uns erfüllt würde, die wir nicht nach dem Fleisch leben, sondern nach dem Geist“ (Röm 8,3–4).
In Galater 5,16–18 ruft Paulus dazu auf, im Geist zu leben, und verdeutlicht zugleich den inneren Kampf zwischen unserer selbstsüchtigen Natur und dem Geist.
Ein Beispiel dafür zeigt Gott Kain in 1.Mose 4,6–7: Er macht seinen inneren Konflikt deutlich und warnt ihn, wachsam zu sein.
Wir nehmen nun kurz das Ende der Bergpredigt vorweg (Mt 7,24–27). Jesus vergleicht dort zwei Häuser, die auf unterschiedlichen Fundamenten gebaut sind, und bewertet ihre jeweilige Standfestigkeit. Menschen, die nur nach Geboten und Satzungen leben, halten den Stürmen des Lebens nicht stand. Kain ignoriert Gottes Warnung und kann schließlich nicht anders, als seinen Bruder zu töten. Menschen hingegen, die im Geist leben und den Anweisungen der Bergpredigt folgen, können in den Stürmen des Lebens bestehen. Josef sagt in der Stunde seiner großen Versuchung zu Potifars Frau: „Wie sollte ich denn nun ein so großes Übel tun und gegen Gott sündigen?“ (1.Mo 39,9).
Anweisung für den geistlichen Hausbau
In Matthäus 6,1–7 und 12 zeigt Jesus, wie geistliches Baumaterial wie Gebet, Almosen und Fasten richtig angewendet wird: nicht zur Schau vor den Menschen, sondern aufrichtig aus dem Herzen, verbunden mit der Bereitschaft, anderen zu vergeben. Apostel Paulus schreibt im ersten Brief an die Korinther: „So aber jemand auf diesen Grund baut Gold, Silber, edle Steine, Holz, Heu, Stoppeln, so wird eines jeglichen Werk offenbar werden; der Tag wird’s klar machen. Denn es wird durchs Feuer offenbar werden; und welcherlei eines jeglichen Werk sei, wird das Feuer beweisen“ (1.Kor 3,12–13).
Warnung vor billigen Materialien und Baufehlern
Wenn ein Haus bewohnt ist und manche Stürme überstehen muss, kommen vorhandene Baufehler im Laufe der Zeit zum Vorschein. Vor einigen Jahren erlebten wir ein außergewöhnlich regenreiches Jahr. Eines Tages hatte ich beruflich in einem Haus zu tun, dessen Keller unter Wasser stand. Die Ursache war eine nicht ordnungsgemäß verschlossene Kernbohrung für eine Entsorgungsleitung im Kellerbereich. Dieser Mangel blieb lange unentdeckt, bis der stark gestiegene Grundwasserspiegel durch diese Schwachstelle Wasser ins Gebäude drückte. Der Schaden war erheblich und erforderte eine gründliche Behebung des Problems.
Jesus warnt in Matthäus 7,13–23 vor geistlichen Baufehlern, der Verwendung von „billigen“ Materialien und deren Konsequenzen. Er vergleicht den schmalen und den breiten Weg, warnt vor falschen Propheten und betont, dass nicht jeder, der äußerlich fromm erscheint oder „Herr, Herr“ ruft, in das Himmelreich gelangt, sondern nur diejenigen, die den Willen Gottes wirklich tun. Dieses Bild verdeutlicht, dass ein Haus, das nur äußerlich stabil wirkt, aber aus minderwertigem Material besteht, den Stürmen des Lebens nicht standhalten kann. „Ich habe euch noch nie erkannt; weichet alle von mir, ihr Übeltäter“ (Mt 7,23)!
Das Wort Gottes warnt uns davor, dass in den letzten Zeiten verschiedene Verführer kommen werden. Gerade heute merken wir vermehrt, dass Prediger oder Lehrer aus dem Internet immer mehr Gehör finden. Eine der Gefahren besteht darin, dass zunehmend ein einfaches Christentum gepredigt wird, eine sogenannte „billige Gnade“, wie es Dietrich Bonhoeffer in seinem Buch „Nachfolge“ nennt. Dieses billige Baumaterial gelangt oft unbemerkt in den geistlichen Bau und kann von Schäden in den Herzen bis hin zu Spaltungen in Gemeinden führen.
Die Wahl des Fundaments
Am Ende Seiner Rede vergleicht Jesus zwei Männer, die ihr Haus auf unterschiedlichen Fundamenten errichten und zeigt die daraus resultierende oder fehlende Standfestigkeit bei extremen Wetterbedingungen (vgl. Mt 7,24–27).
Gott, der Schöpfer, gibt uns durch Jesus Christus einen vollkommenen Grund und Plan für unser geistliches Haus. Er überlässt uns jedoch die Entscheidung, worauf und womit wir bauen möchten. Ende letzten Jahres legte uns unser Gemeindeleiter im Gottesdienst zum Jahreswechsel einen Gedanken ans Herz: „Wir dürfen entscheiden, was wir säen wollen. Aber nach dem Säen können wir nicht mehr darüber bestimmen, was wir ernten werden. Die Ernte fällt immer entsprechend dem aus, was wir gesät haben, nur vielfach.“
So verhält es sich auch mit unserem geistlichen Hausbau. In den Seligpreisungen zeigt uns Jesus die wunderbaren Verheißungen, die denen zustehen, die ihr Haus auf diesem festen Grund errichten. Entscheiden wir uns jedoch gegen diese Bauweise, wird ein Scheitern in schweren Prüfungszeiten unvermeidlich.
Am Ende der Bergpredigt wird berichtet, dass die Menschen, die Jesus zuhörten, über Seine Rede entsetzt waren. „Denn er lehrte sie wie einer, der Vollmacht hat“ (Mt 7,29). Beim Lesen der Bergpredigt bemerken wir die Vollmacht vielleicht nicht sofort, doch spätestens beim Umsetzen ihrer Worte in die Tat erfahren wir, wie mächtig und kraftvoll diese Worte tatsächlich sind. Plötzlich merken wir, wie wir für andere zu einem „salzigen Geschmack“ werden, wie wir zu leuchten beginnen, wie Menschen um uns herum von Feinden zu Freunden werden und wie wir zu einem brauchbaren Gefäß für Gott in dieser Welt werden (vgl. Jak 1,25).
Viktor Maier
Gemeinde Emstek
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