Berufen zur völligen Hingabe

/, Ausgabe 2 | 2026/Berufen zur völligen Hingabe

Berufen zur völligen Hingabe

2026-08-17T11:26:04+02:0017. August 2026|

David Gessweins Leben war geprägt von einer tiefen Liebe zu Gott und dem aufrichtigen Wunsch, Seinen Willen zu tun. Unabhängig von den äußeren Umständen suchte er nach biblischer Wahrheit und war bereit, persönliche Opfer zu bringen, um Christus treu nachzufolgen. Sein Lebensweg zeigt eindrucksvoll, wie Gott einen Menschen gebrauchen kann, der sich Ihm ganz zur Verfügung stellt.

Bevor David Gesswein Leiter einer Pfingstgemeinde in Kirgisien wurde, begann seine Geschichte um 1925 in Walinsk, einem Ort in der Ukraine. Als drittes von fünf Kindern wuchs er in einer tiefgläubigen baptistischen Familie auf. Sein Glaube wurde durch seinen Vater Julius geformt, der ein bekennender Prediger war und aufgrund seiner Überzeugung ins Gefängnis kam.

 

Kurz nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde die gesamte Familie um 1940 nach Sawinka (Kasachstan) verschleppt. Dort begann David eine Ausbildung zum Servicetechniker für Traktoren.

Neben seiner vorbildlichen Arbeitsweise suchte er aufrichtig und eifrig nach Gott. Selbst hohe Strafen und andere schwere Nachteile konnten ihn nicht davon abhalten, in seinem eigenen Haus regelmäßig Gottesdienste durchzuführen. Wurden diese abends abgehalten, so trafen sich dort vormittags die verheirateten Frauen, um für die Anliegen im Dorf und in der Gemeinde zu beten. In der Tat war sein Haus ein Ort der Anbetung und des Gebets.

 

Es steht so geschrieben

Einige Jahre später kam David mit der aufkommenden Pfingstbewegung in Berührung. Auf der Suche nach der Wahrheit verbrachte er oft Stunden mit dem Lesen im Wort Gottes, um der Sache auf den Grund zu gehen. Konnte es tatsächlich sein, dass es noch etwas gab, das er für sein Christenleben benötigte? Eine Kraft von oben für die Ausrüstung zum Dienst?

Jede Bibelstelle, die über die Kraft des Geistes berichtete, markierte er, bis letztendlich seine ganze Bibel voll von Markierungen war. Neben dem Studium der Schrift führte er viele Gespräche mit anderen Gläubigen über dieses Thema. Am meisten bewegte ihn das Gespräch mit seinem Vater. Als er auf die Stelle in Apostelgeschichte 2 zu sprechen kam, kommentierte dieser die Verse wie folgt: „Es steht so geschrieben. Es ist die Wahrheit.“ Diese Worte bestärkten David in seiner weiteren Suche. Als er sein Anliegen ein weiteres Mal vor den Herrn brachte, berichteten seine Kinder, die dieses Ereignis aus einiger Entfernung beobachteten, wie folgt: „Ihm wurde sein gesamtes Leben von Gott wie ein Film vor Augen geführt. An gewissen Stellen hielt er inne und bekannte seine Schuld vor dem Herrn. Schließlich wurde er nach dieser tiefgründigen Heiligung von Gott mit dem Heiligen Geist getauft.“

Durch dieses Ereignis und die göttliche Bestätigung dieser biblischen Wahrheit entstand in Sawinka eine Pfingstgemeinde, für die er verantwortlich war. Von Anfang an gab es Widerstände – sowohl von anderen Gläubigen als auch von der Regierung. Vielleicht war gerade diese tiefgründige Suche für David notwendig gewesen, um fest genug in der Wahrheit zu bleiben und den verschiedenen Angriffen Gegenwehr zu leisten.

 

David Gessweins Leben war geprägt von hingebungsvollem Dienst.

 

Wenn Gott ruft

Sein Dienst zeichnete sich durch eine beispiellose Hingabe aus. Keinem Menschen, ob im Dorf oder in der Gemeinde, konnte er seine Hilfe verwehren. Wurden seine Fähigkeiten gefragt, war er immer zur Stelle.

Diese Opferbereitschaft trug letztendlich auch seine Familie mit. Vor allem seine Frau Katharina (geb. Janzen) übernahm überwiegend die geistliche Erziehung der Kinder sowie die Bewirtung der ständig kommenden Gäste.

Wie tiefgründig und biblisch fundiert die Erziehung gewesen war, zeigte sich daran, dass die insgesamt sieben Kinder dem gesellschaftlichen Druck, vor allem in der Schule, standhielten. Trotz der vielen Fragen, Diskussionen und Überzeugungsversuche blieben die Kinder fest in der Lehre und verwiesen dabei nie auf ihre Eltern. Es war ihre eigene Entscheidung, den Kommunismus und den damit verbundenen Atheismus abzulehnen. Für die damalige Zeit erregte dieses Verhalten nicht nur im Dorf, sondern auch in der weiteren Umgebung großes Aufsehen.

Einige Zeit später erhielt David einen klaren Auftrag von Gott, nach Tokmak zu ziehen, um dort die Gemeinde aufzubauen. Dem Ruf Gottes folgend, zog er mit seiner Familie von Kasachstan nach Kirgisien um. Dort fand er eine Gemeinde aus überwiegend älteren Menschen vor.

Doch Gott machte ihm Mut und zeigte ihm konkret, dass Er viele junge Menschen in diese Gemeinde hinzurufen würde. Schon bald, um 1973, wurde er als Diakon eingesegnet und trat seinen Dienst an, den er später als Ältester fortführte.

 

Gebraucht von Gott

In der Zeit seines aktiven Dienstes gebrauchte Gott David in besonderer Weise als Gemeindeleiter. Bis zu seiner Ausreise nach Deutschland vergrößerte sich die ursprünglich kleine Gemeinde auf vier Gruppen.

David hatte ein besonderes Augenmerk darauf, die Einheit zu wahren. Gerade unter den leitenden Brüdern war er stets darum bemüht, dass jede Entscheidung eine hundertprozentige Zustimmung erhielt. Um diese Einheit zu bilden und zu wahren, war er sehr um den Frieden bemüht. Dadurch konnte er viele Streitigkeiten schlichten, Spaltungen vermeiden und die Gemeinde näher zu Christus führen. Beispielsweise kam er zu der Erkenntnis, dass in der Gemeinde das „Sündenbekenntnis“ eingeführt werden sollte. Als jedoch keiner der Brüder sich in der Lage sah, diesen Dienst durchzuführen, ließ er die Angelegenheit ruhen, bis er die vollständige Befürwortung des Brüderrats zu einem späteren Zeitpunkt erhielt.

Durch seine offene, herzliche und direkte Art gewann er auch die Herzen der Jugendlichen. Vor allem den jungen Brüdern im Dienst vermittelte er deutlich, dass er ihnen sein Vertrauen schenkte. Er besaß die besondere Fähigkeit, mit seinen Worten zu den Herzen der Menschen zu sprechen und konnte sie so erreichen und bewegen. Trotz seiner Funktion als Pastor und später als Verantwortlicher für eine ganze Region in Kirgisien blieb er für die Jugend stets nahbar.

An seinem Dienst spürte man deutlich, dass er von Gott gebraucht wurde. Manchmal waren es Träume, oft aber auch rein „zufällige“ Begegnungen mit verschiedensten Personen aus der Gemeinde. Gott zeigte ihm, wie er mit ihnen arbeiten sollte und wo es Probleme gab.

Einmal hatte er nachts einen Traum, in dem drei Gräber mit Grabsteinen auf einem Friedhof zu sehen waren. Am nächsten Tag begegnete er drei Frauen aus der Gemeinde, die meinten, dass die Lehre des Unitarismus die Wahrheit sei. (Die Kernlehre des Unitarismus besteht darin, dass Gott nur in einer Person existiert und die Dreieinigkeit abgelehnt wird.) Durch den Traum erinnert, wusste er, welchen Ansatz er wählen sollte, um sie wieder von der Lehre der Dreieinigkeit zu überzeugen.

 

Er war Gemeindeleiter in Kasachstan und Kirgisien und hat auch in Deutschland in der
Gemeinde gedient.

 

Gedenkt an eure Leiter

David kämpfte als Gemeindeleiter auch mit gesundheitlichen Problemen, die ihn jedoch nicht von seinem hingebungsvollen Dienst abhielten. Sein Gesundheitszustand verbesserte sich auch nach der Einreise nach Deutschland nicht. Trotz der Beschwerden war er vor allem in der Gemeinde Speyer in der Taufvorbereitung aktiv und für seine Kinder, die bereits eigene Familien gegründet hatten, eine große Unterstützung.

Schließlich ging David Gesswein 1999 in die Ewigkeit zu seinem geliebten Jesus heim. Die Auswirkungen seines Dienstes reichten über seinen Tod hinaus. Die Schrift fordert uns auf: „Gedenkt an eure Führer, die euch das Wort Gottes gesagt haben; schaut das Ende ihres Wandels an und ahmt ihren Glauben nach“ (Hebr 13,7).

Doch was machte Davids Wandel im Glauben konkret aus? Zum einen seine Hingabe: Er lebte nicht für sich selbst, sondern allein für den, der für ihn gestorben und auferstanden war. Ein wesentlicher Punkt war zudem sein Fokus auf die Einheit unter Gläubigen. Es war stets seine oberste Priorität, dass die Gemeinde in Einheit lebt und wächst. Um diese zu wahren und zu festigen, gab er alles und scheute keine Mühe. Er verstand, dass es in der Gemeinde keine Hauptdarsteller gibt, sondern sie ein ganzer Leib ist, der aus vielen Gliedern besteht.

Rückblickend können wir vieles aus Davids Leben lernen – aber auch von vielen anderen Dienern Gottes. Gott beruft, befähigt und fordert uns auf, für unsere geistlichen Leiter zu beten, denn zur völligen Hingabe ist jeder von uns berufen.

Philipp Diwold

Gemeinde Speyer