Beständigkeit und ihre Geheimnisse

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Beständigkeit und ihre Geheimnisse

2026-06-12T12:33:35+02:0012. Juni 2026|

Ein Auf und Ab, ein Aufleuchten in der Dunkelheit oder ähnliche Bilder können unser Leben treffend beschreiben. Gesundheit, Finanzen, soziale Beziehungen und andere Lebensumstände verändern sich und wir lernen, damit umzugehen. Doch leider müssen wir manchmal feststellen, dass auch unser Glaube ins Wanken geraten kann.

 

Jakobus 1,6–8 betont die Gefahr mangelnder Beständigkeit und zeigt, dass unsere Zweifel verhindern, etwas von Gott zu empfangen. Wenn wir uns von der Quelle der Weisheit abwenden, bleiben Gebet und Hoffnung oft ohne Antwort, und unser Glaube wird geschwächt. Die Gnade Gottes ist so mächtig, dass der Herr Jesus die Menschen immer wieder zu sich ruft, um sie aufzubauen. Doch gerade wenn wir Ihn aus dem Blick verlieren, wiegen wir uns durch diese Gewissheit in trügerischer Sicherheit. Die Furcht Gottes nimmt ab, und wir sagen uns, dass ja noch immer Zeit zur Umkehr bleibt.

„Der Weg des Lebens führt den Klugen aufwärts, dass er meide die Tiefen des Todes“ (Spr 15,24/LUT). So sagte es der weise Salomo. Es ist ein stetig ansteigender Weg, gewiss nicht leicht, aber der einzig richtige. Er ist ein Sinnbild der Beständigkeit, ohne Zweifel oder Umkehr. Dem Herrn Jesus nachzufolgen bedeutet, dass es in der Nachfolge keinen Stillstand gibt. Täglich müssen wir Versuchungen durch eigene Begierden widerstehen, geraten unter Spott und müssen im geistlichen Kampf standhaft bleiben. All dies zehrt an unseren Kräften und will uns zum Stillstand oder zur Umkehr bewegen.

Doch die Heilige Schrift offenbart uns die Geheimnisse der Beständigkeit. Eine dieser Schatztruhen finden wir in Kolosser 2,6-7:
„Wie ihr nun Christus Jesus, den Herrn, angenommen habt, so wandelt auch in ihm, gewurzelt und auferbaut in ihm und gefestigt im Glauben, so wie ihr gelehrt worden seid, und seid darin überfließend mit Danksagung.“ Paulus zeigt hier, wie fest der Glaube in der Nachfolge Christi stehen soll. Lasst uns diese Verse Schritt für Schritt betrachten.

 

„Wie ihr nun Christus angenommen habt …“

Mit diesen Worten fordert uns der Apostel Paulus auf, im Herrn Jesus zu wandeln – so, wie wir Ihn angenommen haben. Warum erinnert Paulus die Gemeinde hier an die Anfänge ihres Glaubens? Hier zeigt sich die Handschrift des Heiligen Geistes. „Am Anfang schuf Gott …, der von Anfang an …“
und ähnliche Formulierungen machen deutlich, dass Gottes Wort und Handeln von Anfang an Bestand haben und beständig sind.

Wie war nun diese Anfangszeit und wie tief prägt sie uns in der Nachfolge Christi? Rückblickend auf den Beginn der Gemeinde in Galatien schrieb Paulus einst: „Wie wart ihr dazumal selig zu preisen!“ (Gal 4,15/ LUT).
Für jeden Christen ist es wichtig, sich immer wieder an diese Anfangszeit zu erinnern: die Gemeinschaft mit dem persönlichen Erlöser, die Vergebung der Sünden, die spürbaren Veränderungen nach der Bekehrung, die Taufe mit dem Heiligen Geist und schließlich der Bund mit dem Herrn durch die Wassertaufe. Die Heilige Schrift nennt dies „die erste Liebe“ (vgl. Offb 2,4), die im Laufe der Zeit oft in den Hintergrund rückt.

 

Als König David Buße tat, flehte er: „Gib mir wieder die Freude an deinem Heil“ (Ps 51,14).
Die Erinnerung bewegte ihn und gab ihm zugleich Hoffnung, die Gnade Gottes erneut zu erfahren. Er kannte den Zustand der Gewissheit seines Heils und flehte, bis diese Gewissheit wieder wie einst einkehrte. Besonders in schwierigen Lebenssituationen schenkt uns dies Hoffnung und Mut, im Glauben auszuharren und auf Hilfe sowie Vergebung zu hoffen.

Ein Mensch, der als Jugendlicher vom Glauben abgefallen war, erzählte mir in einem Gespräch: „Egal was ich tat, ich wusste, dass es Gott gibt und dass ich zu Ihm zurückfinden muss.“ Diese Überzeugung entsprang seiner Erfahrung mit Gott in der Bekehrung. Natürlich müssen wir verstehen, dass nicht alles so bleiben darf wie am Anfang. Anfängliche Fehler, mangelnde Gotteserkenntnis und Ähnliches dürfen uns nicht dauerhaft begleiten. Vielmehr soll uns der Wunsch nach Erfüllung mit dem Heiligen Geist und nach innerem Frieden mit unserem Schöpfer – wie einst – zu guten Veränderungen drängen.

 

„… so wandelt auch in ihm“

Von der Kanzel hören wir diesen Zuruf oft, doch wie sieht es in unserem Alltag tatsächlich aus? Ohne Jesus geht es uns nicht anders als den Jüngern damals am Berg der Verklärung. Kaum war Er fort, gerieten Seine Jünger in einen Streit mit den Pharisäern (vgl. Mk 9,14). Jesus selbst sagte während des letzten Abendmahls zu seinen Jüngern: „Getrennt von mir könnt ihr nichts tun“ (Joh 15,5/ELB). Er erklärte ihnen außerdem, dass es bedeutet, in Seiner Liebe zu bleiben, wenn wir Seine Gebote halten (vgl. Joh 15,10; 1.Joh 4,8).

Eine praktische Nachfolge Jesu zeigt sich somit in der Einhaltung Seiner Gebote. Eine oberflächliche Erfüllung religiöser Pflichten kann jedoch leicht ins Gegenteil umschlagen und pharisäische Züge annehmen.

 

Wie zu Jesu Zeiten gibt es auch heute Menschen, die sich auf ihre „christlichen Wurzeln“ berufen, aber keine wirkliche Erkenntnis Gottes haben. Sie werden in das Glaubensleben ihrer Eltern hineingeboren, erfüllen äußere Pflichten und belassen es dabei. Letztlich folgen sie aus Gewohnheit oder anderen Motiven der Masse oder wenden sich irgendwann ganz ab. So lassen sie das kleine Licht, das an Gott und Glauben erinnert, erlöschen und versuchen, den Drang nach Wahrheit und Reinheit zu unterdrücken.

Ist es also ausreichend, bloß seine Pflichten zu erfüllen? Als Jesus gefragt wurde, wie man Gottes Werke tun könne, antwortete Er: „Glaubt an den, den er gesandt hat“ (Joh 6,29). Sicher kann die Überzeugung, alles Notwendige für die Ewigkeit getan zu haben, uns eine Zeit lang beruhigen. Doch als die Juden Jesus hörten, entbrannte in ihnen die Frage: „Wie können wir Gottes Werke tun?“ Sie erkannten den Unterschied zwischen ihrem Leben und dem Leben Jesu. Er sah sowohl ihren Eifer und ihre Opferbereitschaft als auch ihre Oberflächlichkeit und Sünden. Doch Er forderte vor allem den Glauben. Der Glaube bewegt uns dazu, Glaubenswerke zu tun (vgl. Jak 2,14-23), und ohne Glauben können wir Gott nicht gefallen (vgl. Hebr 11,6).
Im Herrn Jesus zu wandeln bedeutet also, durch den Glauben Seinen Willen zu erkennen und Seine Gebote zu halten.

 

„… gewurzelt und auferbaut in ihm und gefestigt im Glauben“

Aufbau und stetiges Wachstum sind möglich, wenn sie aus unserem innigen Verhältnis zu Gott entstehen. Unsere Motivation entspringt dann nicht kurzfristigem Aktionismus, sondern dem Wunsch, den Willen Gottes zu erfüllen. Dabei übernimmt das Gewissen eine wichtige Kontrollfunktion. Innere Veränderungen, die zunächst als gute Vorsätze erscheinen, wecken den Drang, auch langfristig entsprechend zu handeln – etwa ein regelmäßiges und stabiles Gebetsleben zu führen. Mit der Zeit werden diese Veränderungen Teil unseres Alltags und prägen unsere Gewohnheiten sowie unseren Charakter.

Anfangs kämpft man vielleicht noch mit sich selbst um Zeit für das Gebet. Doch durch Beständigkeit wird es selbstverständlich – ähnlich wie Schlafens- oder Arbeitszeiten. Vorsätze werden durch Übung zur Gewohnheit und gelebte Gewohnheiten formen die Eigenschaften unseres Wesens. Jesus vergleicht den Glauben mit einem Samen. Warum nicht mit einem Felsen oder etwas anderem, das auf den ersten Blick mächtig und beständig erscheint? Ein Same mag klein sein und ist auf Umwelt und Umstände angewiesen. Doch ihn zeichnet etwas Entscheidendes aus: Er trägt Leben in sich. Ein solcher Glaube kann Berge versetzen.

 

Neue Energie aus Nährstoffen zu gewinnen, ist eine Fähigkeit, die nur ein lebendiger Organismus besitzt. Selbst Verletzungen und Krankheiten führen nicht zwangsläufig zum Tod, sondern können geheilt werden. So soll auch unser Glaube durch die Erkenntnis Gottes an Kraft gewinnen und unsere Unvollkommenheiten überwinden (vgl. Eph. 4,13). Durch den Glauben erhalten wir das zurück, was wir täglich an Kraft und Überwindung einsetzen. So wird das, worauf wir hoffen, zur Wirklichkeit und wächst zur Überzeugung dessen, was wir nicht sehen (vgl. Hebr 11,1). Gefestigt im Glauben zu sein bedeutet, dass er alle Bereiche unseres Lebens durchdringt.

Er ist so fest verankert, dass er nicht mehr aus unserem Leben wegzudenken ist. Ob dies tatsächlich der Fall ist, zeigt sich allein an der Wirkung des Glaubens in unserem Leben. Paulus fordert uns auf, „darin überfließend“ zu sein („überreich“, Elberfelder Übersetzung). Der Einfluss des Glaubens soll keine Grenzen kennen, weder durch unsere Möglichkeiten noch durch Lebensumstände. Die Dankbarkeit für den Glauben und die Gotteserkenntnis zeigt, dass wir Gott als Ursache und Quelle des Erfolgs im Glaubensleben anerkennen. Diese Überzeugung bewahrt uns vor Stolz und Überheblichkeit, die bekanntlich vor dem Fall kommen.

Die Verwurzelung im Herrn geschieht im Verborgenen. Ein Gebet im Verborgenen, Fasten vor dem, der in das Verborgene sieht und das Festhalten in der evangelischen Lehre sind für den Herrn von unschätzbarem Wert (vgl. Mt 6,6;
Mt 6, 17-18; 1.Tim 4,16). Sich nach innen zu wenden und den Herrn zu suchen, zwingt uns, unsere Gesinnung im Sinne des Evangeliums und der Führung des Heiligen Geistes zu erneuern. Dadurch gewinnt der Glaube an Tiefe und unser Dienst für den Herrn wird vernünftig (vgl. Röm 12,1-2).

„… so wie ihr gelehrt worden seid“

Es ist leider weit verbreitet, die Erfahrungen von Glaubensgeschwistern oder bewährte Lehren infrage zu stellen. Unsere Glaubensgrundlage bildet zweifellos das Wort Gottes. Dennoch bewahrt uns die praktische Beachtung der Gebote, gestützt auf die Erfahrungen der Geschwister, oft vor eigenen Fehlern. Ein Bruder sagte einmal: „Die Erfahrung ist sehr teuer, doch gebraucht kann man sie günstiger haben.“ Die Strategie des Feindes bestand von Anfang an darin, alles zu hinterfragen. Schon im Garten Eden stellte er im Gespräch mit Eva die Frage, ob das, was Gott gesagt hatte, wirklich stimmen könne.

Die Lehre, die sich bewährt hat, durch die wir Frieden mit Gott fanden und die Taufe mit dem Heiligen Geist empfingen, stellen wir manches Mal infrage, um unseren Begierden nachzugeben oder unser Versagen zu rechtfertigen. Das bringt uns im Glaubenswandel nicht voran, sondern führt uns zurück zu den nichtigen Anfängen unserer sündigen Natur. Salomo sagte dazu: „Der Weg des Narren ist richtig in seinen Augen, aber ein Weiser hört auf guten Rat“ (Spr 12,15). Die Fähigkeit, Belehrung anzunehmen, offenbart nicht unsere Unvollkommenheit, sondern zeigt geistliche Reife und Weisheit.

 

Wir können also zusammenfassen, dass Beständigkeit kein frommer Wunsch, sondern die einzige Möglichkeit ist, dem Herrn treu zu dienen. Es ist durchaus möglich, ihre Geheimnisse zu verstehen und den Alltag danach auszurichten. Die Fähigkeiten und die notwendige Kraft dazu wurden uns bereits durch die Erkenntnis Gottes geschenkt (vgl. 2.Petr 1,3). Nun liegt es an jedem von uns, täglich die praktischen Schritte zu gehen.

 

Eugen Stach

Gemeinde Kempten