Besuch im Libanon

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  • Ehemalige Hühnerställe dienen als Flüchtlingsunterkünfte

Besuch im Libanon

2020-12-01T21:52:23+01:001. Dezember 2020|

In den letzten Monaten haben wir immer wieder Berichte und Bilder aus dem Libanon in den Nachrichten hören und sehen können. Eine große Explosion im Hafengebiet der Stadt Beirut hat große Teile der Stadt in ein Trümmerfeld verwandelt – ähnlich wie in einem Krieg. Es kursieren auch mittlerweile Verschwörungstheorien im Netz, dass Israel diese Explosion mit Raketen verursacht haben soll. Aber das ist auch nicht befremdlich, da diese beiden Staaten einander schon lange feindlich gegenüberstehen.

Außerdem ist Libanon ein Land, welches weltweit die meisten Flüchtlinge (pro Kopf gesehen) beherbergt, obwohl es flächenmäßig nur der Größe des Bundeslandes Niedersachsen entspricht.

In der Gemeinde Molbergen haben wir einen Mann aus Syrien, der sich in der Stadt Beirut zu Jesus bekehrt hat und später dann nach Deutschland immigriert ist. Heute ist er Mitglied der Gemeinde und ist ein eifriger Evangelist unter seinen Landsleuten. Durch seine Verbindung zu der kurdischen Gemeinde in Beirut war es möglich, mit den Glaubensgeschwistern in diesem Land einen gemeinsamen Hilfseinsatz zu organisieren.

Mit dem Leiter des Stephanus Hilfswerkes, Nikolai Wall, sind wir in den Libanon gereist, um zu sehen, wo Hilfe nötig ist und wie wir der Not leidenden Bevölkerung eine Unterstützung sein können. Was wir gesehen haben, hat uns sehr mitgenommen. Ein großer Teil der Stadt rings um den Hafen herum sieht auch zwei Monate nach der Explosion aus wie in einem Krieg. In einem Umkreis von bis zu fünf Kilometern sind Scheiben in den Wohnungen herausgerissen worden und zerschlagen.

Zerstörung am Hafen nach der Explosion

Direkt im Hafengebiet liegen immer noch Container übereinander und große Schutthaufen lassen das Ausmaß der Zerstörung noch sehr deutlich erkennen. Von staatlicher Seite haben die Menschen keine Hilfe zu erwarten und so muss jeder selbst sehen, wie er seine Wohnung, sein Haus usw. wieder instand setzt. So leben immer noch Menschen in Wohnungen ohne Türen und Fenster und warten auf Hilfe von irgendwo. Das Land ist im Moment führungslos, doch die Hisbollah versucht, die Führung des Landes in ihre Hand zu bekommen.

In den ersten zwei Tagen nach unserer Ankunft verschafften wir uns mit den Christen vor Ort ein Bild von der gesamten Lage. Wir waren am Hafen und sahen uns an, welche Verwüstung die Explosion in dem Gebiet angerichtet hat. Anschließend besuchten wir einige Familien, die dort in der Nähe wohnen und darum auch von diesem Unglück betroffen sind. Ihnen fehlen bis heute noch Fensterscheiben und einige Kinder haben durch die laute Explosion und deren Zerstörung bis heute Schlafstörungen und sind von diesem Schrecken gekennzeichnet.

Viele Tote gab es nach der Explosion in dieser Straße

Wir suchten auch Flüchtlingslager auf und konnten uns ein Bild davon machen, wie Mneschen in diesem Land als Flüchtlinge aufgenommen werden. In zwei der Lager sahen wir Hühnerställe, die zu Flüchtlingsheimen umfunktioniert wurden. Ein langer Stall wurde freigemacht, dann hat man dort Abtrennungen eingebaut und 30 Familien in so einem Stall einquartiert. Die Menschen leben in sehr unschönen Behausungen und werden zumeist von UN-Flüchtlingsorganisationen oder Christen versorgt.

Doch das schlimmste für diese Menschen ist ihre ausweglose Situation und Perspektivlosigkeit. Die Kinder haben keine Schule und Familien wissen nicht, wohin sie gehen sollen. Nach Syrien zurückgehen können sie nicht, da dort Krieg herrscht. Im Land und auch in dem Rest der Welt will sie keiner haben. So leben sie in den Tag hinein und keiner weiß so recht, wie es weitergehen soll.

Kinder in Zeltbehausungen eines Flüchtlinglagers

In dieser Region haben wir eine kleine Frau mit einem großen Auftrag kennenlernen dürfen. Eine Frau aus China kam in den Libanon und kümmert sich um diese Flüchtlinge. Sie hat in fünf solcher Flüchtlingslager eine Schule eingerichtet. Bis zu 80 Kinder lernen in einem kleinen Raum Englisch und Arabisch (häufig sind die Flüchtlinge Kurden, die kein Arabisch verstehen) und gebrauchen dazu eine Bibel. Die Kinder lernen Bibelverse auswendig und hören biblische Geschichten – in der Hoffnung, dass das Wort Gottes ihr Leben verändert und Früchte tragen wird.

Diese mutige Frau hatte eine Schule in einem anderen Lager. Die Verantwortlichen wollten jedoch nicht, dass sie die Bibel als Lehrbuch verwendet. So hat sie diese Schule aufgelöst, da es ihr wichtig ist, dass die Kinder das Wort Gottes hören.

Verteilung der Hilfsgüter im Flüchtlingslager

Nach all den bedrückenden Bildern machten wir uns an die Arbeit und fuhren mit den Geschwistern vor Ort einkaufen. Hunderte von Lebensmittelpaketen durften wir packen und an die Menschen verteilen, die bedürftig sind. Die Geschwister baten uns auch um warme Kleidung für die Wintermonate. In den Monaten Dezember, Januar und Februar wird es auch in diesem Land oft spürbar kalt und die Menschen haben keine Heizungen in den Wohnungen. Darum können sie sich nur mit warmer Kleidung und Decken gegen die winterliche Kälte schützen. Auf den Bergen liegt oft Schnee und auch in den Küstenregionen spüren die Bewohner des Landes den Winter deutlich.

Der Pastor der kleinen kurdischen Gemeinde bat uns, auf unseren Fahrten für ein Fahrzeug zu beten, damit sie in der Region ihren Dienst besser verrichten können. Er betet schon lange für ein Fahrzeug und hofft, dass es doch irgendwann möglich wird, eins zu kaufen. Tatsächlich hatten die Geschwister für die ganze Woche, in der wir dort waren, ein Mietfahrzeug organisiert und zwischendurch musste immer noch ein Taxi oder Transport-Bulli gemietet werden, um die Pakete und Kleidung, die wir eingekauft hatten, auch transportieren zu können. Keiner in der Gemeinde besitzt ein Auto und somit war die Fortbewegung immer wieder eine große Hürde für uns.

Fahrzeug für die kurdische Gemeinde – finanziert von der Mission Stephanus

Nachdem wir uns ein Bild von der Situation gemacht hatten, war uns klar, was wir tun mussten. Gott sei Dank hatten wir genug Mittel dabei, um dieser Gemeinde zu einem Fahrzeug zu verhelfen: ein Siebensitzer, der auch noch genügend Kofferraum besitzt, um dort Gepäck und Koffer transportieren zu können.

Alles in allem war es für uns eine ungewöhnliche Fahrt, allein schon deshalb, weil wir in einem arabischen Land mit seiner fremden Kultur unterwegs waren. Aber Gott liebt die Kurden und will, dass auch die islamische Welt das Evangelium der Gnade und Liebe Gottes hört und viele Menschen gerettet werden. Auch die Menschen der Islamischen Welt sind durch ihre Religion betrogen und kennen die Wahrheit nicht. Lasst uns wirken, solange es Tag ist. Es kommt die Nacht, da niemand wirken kann.

 

Ernst Fischer
Gemeinde Cloppenburg