Dankbar für schwere Zeiten

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  • Familie Spitzer. "Der Herr hat es zugelassen und uns schon einmal getragen. Er wird es wieder tun."

Dankbar für schwere Zeiten

2026-06-12T12:38:12+02:0012. Juni 2026|

Im Frühjahr 2022 sprach Gott durch eine  Offenbarung zu mir: „Gesegnet ist der Mensch, der annimmt, was ich gebe, drum vertraue mir, lege alles in meine Hände, ich bin der Herr. Ich habe alles in meiner Hand“ Wie sehr dies der Wahrheit entsprach und wie schnell uns dieses Wort einholen sollte, konnte ich damals noch nicht ahnen.

 

Komplikationen nach der Geburt unserer Tochter

Unsere Tochter Eunike kam im Herbst 2022 zur Welt. Bei der Geburt gab es Komplikationen. Dabei erlitt sie eine schwere Kopfverletzung. Am Tag nach der Geburt stand die Routineuntersuchung durch den Kinderarzt an. Beim Abhören vernahm er ein Herzgeräusch, das mich sofort verunsicherte. Doch der Arzt beruhigte mich und meinte, das komme in den ersten Lebenstagen häufiger vor – manchmal sei da ein kleines Loch im Herzen, das von selbst zuwächst. Ich solle mir also keine Sorgen machen.

Am selben Tag wurden wir in die Kinderklinik verlegt, da Eunike aufgrund ihrer Kopfverletzung genauer beobachtet werden musste. Etwa eine Woche später wurde dort die U2 durch eine Ärztin nachgeholt. Sie kam zur Untersuchung und schon beim Abhören merkte ich, dass etwas nicht stimmte. Sie meinte, sie wolle am nächsten Morgen gemeinsam mit der Oberärztin weitermachen. Ich ahnte bereits, dass etwas nicht in Ordnung war, schließlich war beim ersten Abhören nach der Geburt auch schon etwas aufgefallen.

 

Am Tag darauf kam die Oberärztin, hörte Eunike ab und bestätigte meinen Verdacht: Das Herzgeräusch war deutlich zu laut. Wir sollten auf eine Kardiologin warten, die das Herz genauer untersuchen würde. Als sie schließlich kam, begleitete ich Eunike zur Untersuchung. Dort stellte sich heraus, dass unsere Tochter einen schweren Herzfehler hat. Eine komplizierte, aber grundsätzlich operierbare Fehlbildung, bei der das Herz in der Mitte nicht richtig geteilt ist und dadurch die Herzklappen nicht so funktionieren, wie sie sollten. Für mich war es das Schlimmste. Was ich befürchtet hatte, wurde Wirklichkeit. Ich zog mein Kind nach der Untersuchung an, hielt es ganz fest in meinen Armen und konnte nur noch weinen.

Wir durften nach Hause, mussten aber am nächsten Tag zu einem anderen Kardiologen, der die Diagnose bestätigte: Atrioventrikulärer Septumdefekt (AVSD). Er erklärte uns, was das bedeutet, welche Risiken bestehen und dass wir wachsam sein müssen, falls sich Eunikes Zustand verschlechtert.

 

Eunike nach der OP, kurz vor ihrem dritten Lebensmonat.

 

Erste Verschlechterungen

Etwa eine Woche nach dem Besuch beim Kardiologen, an einem Sonntag, trank Eunike immer weniger – ein Anzeichen für eine Herzschwäche. Durch diese sogenannte Herzinsuffizienz kommt es zu einer Unterversorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen. Wir fuhren in die Notaufnahme. Dort wurde Eunike die ganze Nacht untersucht. Am nächsten Morgen kam sie auf die Herzstation, wo es zunächst kein freies Zimmer für uns gab. Ich saß mit ihr im Spielzimmer und machte mir große Sorgen. Sie trank kaum, spuckte viel und war sehr schwach.

Noch am selben Tag wurde eine Magensonde gelegt, und ich musste lernen, diese selbst zu legen und zu bedienen. Nach zwei Wochen durften wir nach Hause, die Medikamente waren eingestellt und unserer Tochter ging es besser.

 

Doch schon zwei Wochen später verschlechterte sich ihr Zustand erneut. Die Medikamente mussten angepasst werden und wir wurden wieder im Krankenhaus aufgenommen. Dort blieben wir für weitere zwei Wochen und wurden anschließend nach Hause entlassen. Dankbar, aber mit der Angst, dass sich alles wiederholen könnte.

Kurz darauf verschlechterte sich Eunikes Zustand drastisch. Der Kinderarzt ließ sie mit dem Rettungswagen in die Klinik bringen. Eunike bekam schwer Luft, ihre Lunge war voller Wasser und sie musste ständig erbrechen. Sie kam auf die Intensivstation. Nach einer Woche durfte sie zurück auf die normale Station und wir hofften erneut, dass es bergauf geht.

 

Wann wird operiert?

Die Ärzte zögerten den Zeitpunkt einer Operation hinaus, weil diese normalerweise erst bei vier bis fünf Monate alten Babys durchgeführt wird. Je größer nämlich das Kind, desto größer das Herz und damit umso bessere Operationsbedingungen. Eunike war jedoch erst zwei Monate alt.

Eunike wurde eingesegnet und am nächsten Tag verschlechterte sich ihr Zustand stark. Sie konnte nichts mehr bei sich behalten, hatte Atemaussetzer und nahm von Tag zu Tag weniger Flüssigkeit zu sich. Die Operation wurde immer wieder verschoben, doch wir wussten: Sie braucht sie dringend. Ich rief unseren Kardiologen an, schilderte die Situation und bat um Hilfe. Am nächsten Tag, ganz plötzlich und unerwartet, kamen mehrere Ärzte ins Krankenhauszimmer und teilten uns mit, dass in wenigen Tagen die Operation stattfinden sollte.

 

Am 29. Dezember 2022 war es dann so weit. Um 7 Uhr früh wurde Eunike in den Operationssaal gebracht. Der Abschied fiel uns unglaublich schwer, aber wir wussten, dass Gott bei uns ist. Viele Geschwister aus verschiedenen Gemeinden beteten für uns, das gab uns Trost und Halt im Herrn.

Einige Stunden später kam der erlösende Anruf: Die Operation war erfolgreich! Wir durften bald zu unserem Kind auf die Intensivstation. Nach eineinhalb Wochen Krankenhausaufenthalt konnten wir endlich wieder nach Hause. Zwei Monate später, als Eunike vier Monate alt war, wurde auch die Magensonde entfernt.

 

Schon wieder schwere Zeiten?

Kurz nachdem wir mit unserer Tochter Eunike all das erlebt hatten, erfuhren wir, dass ich unser zweites Wunder unter dem Herzen trug. Natürlich kamen sofort Ängste in mir auf. Ich versuchte mich zu beruhigen, redete mir zu, dass diesmal sicher alles gut werden würde. Doch dann sprach Gott erneut durch eine Offenbarung zu mir: „Meine Tochter, ich sage dir, es wird Kummer geben in deinem Haus. Oh Tochter, komm zu mir und vertraue dich mir an, damit ich dich durchführen kann. Meine Tochter, alles ist in meiner Hand.“ Diese Worte trafen mich tief. Ich wusste, dass wieder eine schwere Zeit auf uns zukam.

 

Durch die Vorgeschichte mit Eunike bekam ich von meiner Frauenarztpraxis eine Überweisung zur Feindiagnostik. Dort fand die Untersuchung statt und als ich die Diagnose hörte, wollte ich sie zunächst nicht glauben:

Das zweite Kind hatte denselben Herzfehler wie Eunike: Wieder ein AVSD. In diesem Moment brach für mich eine Welt zusammen. Die Zeit mit Eunike war geprägt von Krankenhausaufenthalten, Operationen und Tränen. Die ersten Monate unseres Kindes konnten wir nicht so erleben, wie andere Eltern sie erleben dürfen. Ich hatte gehofft, dass diesmal alles anders werden würde. Noch einmal denselben Weg zu gehen, dieselbe Angst, dieselben Sorgen zu haben, war unvorstellbar.

Mein Mann und ich mussten beide die Diagnose erst einmal verarbeiten. Es war schwer, darüber zu reden. Wenn mich jemand darauf ansprach, wusste ich kaum, was ich sagen sollte. Aber tief in meinem Herzen wusste ich:

Der Herr hat es zugelassen und hat uns schon einmal getragen. Er wird es wieder tun.

 

Josiah direkt nach der OP, im Alter von fünf Monaten.

 

Gottes Gnade ist groß

In dieser Schwangerschaft wurde viel für uns gebetet – in der Gemeinde, in der Familie, unter Freunden. Es wurden Gebete mit Ölsalbung verrichtet und für das Kind Fürbitte gehalten. Ich wusste, Gott ist mit uns.

Unser Sohn Josiah kam in derselben Klinik zur Welt, in der Eunike operiert wurde. Die Geburt verlief gesegnet. Josiah wurde schon nach einer Woche medikamentös gut eingestellt, sodass wir nach etwa zweieinhalb Wochen nach Hause durften. Ich war so dankbar, Josiah ging es besser als Eunike zu jener Zeit. Erst da wurde mir bewusst, wie schwer es bei ihr eigentlich gewesen war und wie sehr Gott uns diesmal entgegenkam.

 

Mit fünf Monaten wurde Josiah operiert. Die Operation verlief gut, Gott sei Dank! Nach der Operation bekam er eine Sonde und es folgten schwere Tage. Genau wie Eunike durchlebte auch er einen starken Medikamentenentzug. Vier Tage und Nächte lang schrie er ununterbrochen. Es war kaum auszuhalten. Doch Gott führte uns auch durch diese Zeit.

Beide Kinder wurden zusätzlich auf das Downsyndrom getestet, da es häufig in Kombination mit diesem speziellen Herzfehler auftritt. Gott sei Dank war der Befund unauffällig, Eunike und Josiah sind beide nicht davon betroffen. In all dem zeigte uns Gott, dass Er allein über Leben und Tod bestimmt, dass Er Krankheit und Gesundheit in Seiner Hand hält. Wir sahen Eltern, die die Entscheidung treffen mussten, ob die lebenserhaltenden Geräte ihrer Kinder abgeschaltet werden sollten oder nicht, eine unvorstellbare Situation. Und wir erkannten, wie groß die Gnade Gottes ist, dass gerade unsere Kinder leben dürfen. Wenn man ihren Krankheitsverlauf nicht kennt, würde man nicht einmal ahnen, was sie durchgemacht haben.

 

Heute sind wir einfach nur dankbar:

Dankbar, dass unsere Kinder bei uns sind.

Dankbar, dass Gott uns durchgetragen hat.

Dankbar, dass so viele Menschen für uns gebetet und uns geistlich gestützt haben.

 

Es war keine leichte Zeit, aber mit Gottes Hilfe haben wir alles überstanden. Und heute wissen wir:

Nichts ist selbstverständlich.

Jedes Leben ist ein Geschenk.

Und Gottes Hand ist stärker als jede Angst.

 

Karina Spitzer,

Gemeinde Tostedt