Die Kraft zum Danken

/, Hilfe zum Dienst/Die Kraft zum Danken
  • Paulus lobte und dankte Gott sogar im Gefängnis. Bildquelle: 1859663879 Olga Ко (c) AdobeStock

Die Kraft zum Danken

2026-06-15T08:08:28+02:0012. Juni 2026|

Das neue Jahr wurde in unserer Gemeinde mit einer Fastenwoche eingeläutet. Am Ende dieser Woche feierten wir einen Dankgottesdienst, in dem wir Gott von ganzem Herzen für die Segnungen und Gebetserhörungen dankten. Ich hatte mich darauf vorbereitet, in diesem Gottesdienst zu predigen. Doch was Gott mir dabei offenbarte, brachte mich persönlich zum Nachdenken, und ich stellte mir die Frage: „Wofür danken wir eigentlich am meisten?“

 

Es gibt unzählige Dinge, die wir vielen Menschen auf dieser Welt voraus haben – zum Beispiel einen Lebensstandard, der zu den höchsten weltweit gehört. Doch beim Lesen der Bibel fiel mir ein Text auf, der zeigt, wofür die Apostel dankten und was ihnen dabei in erster Linie wichtig war.

Im ersten Korintherbrief lesen wir ein Dankgebet des Apostels Paulus. Dieses machte mir deutlich, wofür wir in erster Linie danken sollen und welchen Blick auf das Leben eine solche Dankbarkeit erfordert. Gerade für uns Mitarbeiter und Diener in der Gemeinde ist es wichtig, die wirklich wichtigen Dinge im Blick zu behalten und Gott dafür stets dankbar zu sein.

 

„Ich danke meinem Gott allezeit euretwegen für die Gnade Gottes, die euch gegeben ist in Christus Jesus, dass ihr durch ihn in allen Stücken reich gemacht seid, in allem Wort und in aller Erkenntnis. Denn die Predigt von Christus ist unter euch kräftig geworden, sodass ihr keinen Mangel habt an irgendeiner Gabe und wartet nur auf die Offenbarung unseres Herrn Jesus Christus. Der wird euch auch fest machen bis ans Ende, dass ihr untadelig seid am Tag unseres Herrn Jesus Christus. Denn Gott ist treu, durch den ihr berufen seid zur Gemeinschaft seines Sohnes Jesus Christus, unseres Herrn“ (1.Kor 1,4-9).

 

Dank für die Gemeinde und für Gottes rettende Gnade

Das Erste, wofür Paulus in fast allen Briefen dankt, ist die Gemeinde – dass es Menschen gibt, die von Gott wiedergeboren worden sind und zu Seinem Volk gehören. Es ist ein großer Segen, zu einer Gemeinde zu gehören, in der das Evangelium in rechter Weise verkündigt wird und wir den Weg durch das Leben nicht allein gehen müssen. Dann dankt er Gott für die Gnade, die der Gemeinde in Christus Jesus gegeben ist. Der Segen Gottes, den wir durch Jesus Christus empfangen haben, ist das kostbarste Geschenk des Himmels. Alle Segnungen resultieren aus der Gnade Gottes und machen unser Leben so wertvoll, dass es sich wirklich lohnt, dafür zu leben. Wir waren einst Kinder des Zorns und hätten von Gott Strafe und Gericht empfangen müssen.

Doch der Gott aller Gnade hat sich über uns erbarmt und uns durch Jesus zu Seinen Kindern gemacht. Das ist etwas, worüber wir oft nicht mehr nachdenken und was wir nicht mehr in der Tiefe als Anlass zum Dank empfinden, weil es für uns selbstverständlich geworden ist und wir es nicht mehr als etwas besonders Wertvolles achten.

 

Der Segen Gottes, den wir durch Jesus Christus haben, ist das kostbarste Geschenk des Himmels.

 

Dank für Gottes Wort statt irdischer Reichtümer

Das Nächste, was Paulus erwähnt, ist der Reichtum, den die Christen aus dem Wort und aus der Erkenntnis empfangen. Dass sie das Wort Gottes hören durften und durch die Erkenntnis zum ewigen Leben gelangen können, ist für Paulus erneut ein Grund zum Danken – ein Wunder, das er sein Leben lang mit dankbarem Herzen erwähnt. Viele Menschen auf dieser Welt haben nicht das Privileg, Gottes Wort als frohe Botschaft hören zu können. Dabei denke ich besonders an muslimische Länder, wie zum Beispiel Saudi-Arabien.

 

Für Paulus waren die Reichtümer dieser Welt niemals von Bedeutung. Er besaß selbst wenig und trauerte dem Irdischen nicht nach. Im Gegenteil: Er sah sogar eine Gefahr im materiellen Reichtum, warnte davor und gab Belehrungen darüber, wie man mit irdischen Gütern sorgsam umgehen soll, damit sie einen nicht vom ewigen Leben abbringen (vgl. 1.Tim 6). Immer wieder gab es Zeiten, in denen das Wort Gottes nicht für jeden zugänglich war und Menschen bereit waren, große Summen für eine Bibel zu bezahlen. Heute besitzen wir sie in Hülle und Fülle – und schätzen sie gerade deshalb oft kaum oder gar nicht. Das sollten wir von den Aposteln lernen: Nicht die materiellen Dinge sind entscheidend und in erster Linie des Dankes wert, sondern Gottes Wort und die Erkenntnis des Sohnes Gottes, der für uns zur Erlösung geworden ist.

 

Dank für Gottes verändernde Kraft im Leben von Menschen

Als Nächstes dankt Paulus dafür, dass die Predigt von Christus in ihnen kraftvoll geworden ist. Paulus wusste, welche wunderbaren Veränderungen in den Menschen vor sich gegangen waren, die das Wort der Predigt angenommen und sich von ihm hatten verändern lassen. Aus Verbrechern und schweren Sündern waren Heilige geworden, die – von der Liebe Gottes getrieben – auch anderen Menschen zu einem großen Segen wurden.

Paulus erkannte, welch großen Einfluss die Predigt ausübte, und das erfüllte ihn mit tiefer Dankbarkeit Gott gegenüber. Er konnte sich sehr darüber freuen, dass sie keinen Mangel an geistlichen Gaben hatten und dass Gott unter ihnen dadurch wirkte, während sie auf die Ankunft des Herrn Jesus warteten. Zugleich war er gewiss, dass der Herr Jesus Christus die Gläubigen fest machen würde, damit sie am Tag Christi untadelig vor Ihm stehen können.

 

Gerade dann, wenn wir im Dienst für Gott müde und niedergeschlagen sind, lasst uns mit dankbarem Herzen auf das Kreuz von Golgatha blicken.

 

Dank für die Gemeinschaft mit Christus

Als Nächstes spricht Paulus hier etwas an, was den meisten von uns wohl auch nicht so wichtig erscheint: „Gott ist treu, durch den ihr berufen seid zur Gemeinschaft seines Sohnes Jesus Christus, unseres Herrn“ (1.Kor 1,9). Es ist mir nie zuvor so bewusst geworden, dass unsere Berufung darin besteht, Gemeinschaft mit dem Sohn Gottes zu haben und diese auch zu pflegen. Wie oft vernachlässigen wir diese Gemeinschaft?

 

Gott hat uns die Gnade geschenkt, dass wir zu jeder Zeit und an jedem Ort Gemeinschaft mit Ihm haben dürfen. Als Jesus am Kreuz ausrief: „Es ist vollbracht!“, zerriss der Vorhang im Tempel, und der Weg in das Allerheiligste – in die Gegenwart Gottes – ist seitdem für jeden Glaubenden offen. Während im Alten Bund nur einmal im Jahr der Hohepriester eintreten durfte, dürfen wir heute jederzeit hinzutreten und Gemeinschaft mit Gottes Sohn im Himmel haben. Dieses große Vorrecht schätzen wir oft viel zu wenig und nutzen es nicht so, wie Gott es uns als Berufung geschenkt hat. Für Paulus war es etwas, was große Dankbarkeit in ihm auslöste.

 

Ein eindrucksvolles Beispiel finden wir in Apostelgeschichte 16: Als Paulus und Silas mit blutigen Rücken im Gefängnis von Philippi eingekerkert waren, begannen sie um Mitternacht, Gott Lob und Dank im Gebet darzubringen. Das Ergebnis waren geöffnete Türen und die Bekehrung des Kerkermeisters mit seiner ganzen Familie. Am nächsten Tag wurden die Apostel freigelassen und durften ihren Dienst weiterführen.

 

Die größte Kraftquelle unseres Glaubens: Das Wort des Kreuzes

„Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist es Gottes Kraft“ (1.Kor 1,18). Wir beklagen oft unsere Kraftlosigkeit, sind manchmal sogar so weit, unseren Dienst beenden zu wollen und wissen oft nicht, wie wir im Leben weitermachen sollen. Doch das Wort vom Kreuz ist Gottes Kraft für alle, die selig werden. Nichts zeigt uns die Liebe Gottes zu uns Menschen deutlicher und klarer als das Kreuz von Golgatha. Warum ist das Kreuz eine Kraftquelle für alle Gläubigen? Die Sünde, die so schrecklich und todbringend ist, hat Jesus am Kreuz gesühnt und Sein Blut dafür vergossen. Wir haben den Zorn Gottes verdient und wären unweigerlich verloren gewesen. Doch Jesus nahm diesen Zorn auf sich, um uns mit Gott zu versöhnen und Frieden zwischen uns und Gott zu stiften.

 

Die Begebenheit aus der Wüstenwanderung des Volkes Israel verdeutlicht dies besonders eindrücklich. Als das Volk wiederholt gegen Mose und gegen Gott murrte, sandte Gott feurige Schlangen in das Lager der Israeliten. Sie bissen das Volk, und das Gift brachte vielen den Tod. Da schrien sie zu Mose um Hilfe. Gott ließ Mose eine eherne Schlange aufrichten, damit jeder, der dem Tod geweiht war, nur auf sie zu schauen brauchte, um wieder gesund und damit gerettet zu werden. Das ist es, was Jesus meinte, als er im Gespräch mit Nikodemus diese Begebenheit erwähnte „Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, auf dass alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben“ (Joh. 3,14-15).

Was für eine unbegreifliche Liebe, dass Er für uns zur Sünde wurde und zum Lamm Gottes, das sich für uns schlachten ließ. In Jesaja spricht Gott diese wunderbare Wahrheit schon etwa 700 Jahre im Voraus aus. Es scheint fast, als hätte Gott es kaum erwarten können, diese atemberaubende Botschaft den Menschen anzukündigen, um ihnen Hoffnung zu schenken: „Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt“ (Jes. 53,5). Das ist einer meiner liebsten Verse in der Bibel. Gerade dann, wenn wir im Dienst für Gott müde und niedergeschlagen sind, lasst uns mit dankbarem Herzen auf das Kreuz von Golgatha blicken – es wird uns neue Kraft geben, dem Herrn weiter zu dienen. Paulus schien seine Kraft aus der Dankbarkeit und dem rechten Blick auf das Zukünftige zu schöpfen.

 

Ein Leben aus Dankbarkeit – Kraft für Ausdauer und Treue

Durch das Kreuz werden uns die kostbarsten Dinge geschenkt – umsonst, als Gabe Gottes. Durch den Glauben an Ihn empfangen wir Erlösung, Vergebung, Frieden, Rechtfertigung, Freude und alle weiteren Segnungen, die Gott für uns Menschen bereithält. Wenn wir uns dies immer wieder vor Augen führen, können wir nicht anders, als dankbar zu sein und Gott die Ehre zu erweisen.

Das ist auch der Grund, warum Paulus selbst im Gefängnis mit blutigem Rücken noch Loblieder zur Ehre Gottes singen konnte und trotz großer Verfolgung und vieler Schwierigkeiten immer wieder vor Dankbarkeit gegenüber Gott überströmte. Er hatte gelernt, in allem dankbar zu sein und Gottes weiser Führung zu vertrauen.

Das ist es, was auch wir unbedingt lernen müssen, wenn wir im Willen Gottes leben wollen. Nur der richtige Blick auf die unsichtbaren, ewigen Dinge kann uns diese Freude und die Kraft für alle Herausforderungen schenken und uns auf dem richtigen Weg bewahren.

 

Ernst Fischer

Gemeinde Cloppenburg