Ein Leben in Genügsamkeit

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  • Genügsamkeit ist eine Folge der Gnade in unserem Leben. Bildquelle: AdobeStock_201628358 © komokvm

Ein Leben in Genügsamkeit

2020-12-12T10:26:34+01:004. Dezember 2020|

„Es ist allerdings die Gottesfurcht eine große Bereicherung, wenn sie mit Genügsamkeit verbunden wird. Denn wir haben nichts in die Welt hineingebracht, und es ist klar, dass wir auch nichts hinausbringen können. Wenn wir aber Nahrung und Kleidung haben, soll uns das genügen!“ (1.Tim 6,6-8).

Der Mensch, einst von Gott geschaffen, um über die Erde zu herrschen, wird von vielen Unternehmen häufig nur noch als Zielgruppe, als Kunde, als Konsument eingestuft. Er ist jemand, der verbraucht und gebraucht. Also verschreiben sich die Unternehmen der Aufgabe, die Bedürfnisse des Menschen zu erforschen, um die richtige Werbung und das richtige Produkt zum perfekten Zeitpunkt zu platzieren. Außerdem kümmern sie sich nicht nur um das Produkt, sondern auch um die richtige Finanzierung und stürzen die Menschen immer weiter in Verschuldung und Abhängigkeit.

Menschen, die es gelernt haben, genügsam zu leben, entwickeln als Folge der Gnade Gottes eine tiefe Ehrfurcht vor Gott.

Der Mensch gerät schnell in einen Kreislauf von Bedürfniserweckung, Arbeit, Konsum zur Bedürfnisstillung, um dann wieder zu neuer Bedürfniserweckung zu kommen. Was sagt die Bibel zu diesem Zeitgeist des Konsums? Gott befreit uns von aller Knechtschaft der Sünde in dieser Welt und von allen Abhängigkeiten. Seine Antwort auf eine Welt voller Konsum- und Luxusdenken ist Genügsamkeit!

 

Der Mensch mit seinen Bedürfnissen

Jeder Mensch auf dieser Welt hat von Geburt an Bedürfnisse, die gestillt werden müssen. So braucht ein kleines Kind Kleidung, Nahrung und ganz viel Liebe. Diese Bedürfnisse werden täglich von vielen Eltern auf der ganzen Welt gestillt. Kinder, die in solchen Verhältnissen aufwachsen, sind glücklich und haben keinen Mangel. Die Bedürfnisse der Kinder sind klar, eindeutig und relativ einfach zu erfüllen.

Die Bibel lehrt uns, fleißig zu sein und arbeiten zu gehen, um die täglichen Bedürfnisse unseres Lebens und die unserer Familie zu stillen und ein Dach über dem Kopf zu haben. Fleiß betrachtet die Bibel als kostbaren Reichtum, wie wir in den Sprüchen Salomos lesen können (vgl. Spr 12,27).

Wenn der Mensch heranwächst und älter wird, macht er jedoch neue Entdeckungen. Er entdeckt die Lust der Augen und des Fleisches. Es entstehen absolut neue, teilweise unerreichbare Bedürfnisse im Herzen des Menschen. Er bekommt Träume, Wünsche und Begierden, die durch unsere mediale Umwelt, die Werbung und reiche Menschen in unserer Umgebung geweckt und gefördert werden.

Die Bibel beschreibt diese Bedürfnisse so: „Denn alles, was in der Welt ist, die Fleischeslust, die Augenlust und der Hochmut des Lebens, ist nicht von dem Vater, sondern von der Welt“ (1.Joh 2,16). In diesem Zustand geht es dem Menschen in erster Linie um sich selbst, um seine Bedürfnisse und um die Stillung genau dieser Bedürfnisse. Der Mensch sieht sich selbst als Zentrum und Mittelpunkt seines Lebens und hat die große Aufgabe, seine Wünsche und Interessen zu befriedigen.

 

Der Betrug der Welt – Reichtum als Lösung aller Bedürfnisse

Dem Menschen wird im Reichtum ein Leben voller Glück vorgetäuscht, stark beeinflusst durch die Medien und die Werbung um uns herum. Dadurch wird eine starke Sehnsucht nach Reichtum geweckt. Jeder von uns hatte sicherlich schon einmal den Traum, sich alles kaufen zu können, was er sich wünscht. Das schnellste Auto der Welt zu fahren oder in einer schönen Villa mit Pool zu wohnen.

Viele glauben der Lüge, Reichtum könne viele Sorgen, vor allem die vor Armut, nehmen und dadurch ein Leben voller Glück bescheren. Das wiederum führt letztlich zur Liebe von Geld und Reichtum. Wenn Menschen an dieser Stelle nicht wachsam und vorsichtig sind, wird diese Liebe zum Geld irgendwann alle menschlichen Beziehungen und vor allem die Verbindung zu Gott zerstören.

Das Ziel, mehr von unseren Bedürfnissen zu befriedigen, verleitet den Menschen dazu, seine Arbeit und das dadurch erwirtschaftete Einkommen zu hoch zu priorisieren und jeden angebotenen Job mitzunehmen. Manchmal verleitet es sogar dazu, bis tief in die Nacht zu arbeiten. Dieser Teufelskreis scheint nie zu enden, denn die Wirtschaft um uns herum bringt immer wieder neue Produkte hervor und sorgt stetig für die Weckung neuer Bedürfnisse.

Doch genau davor warnt uns die Bibel und zeigt uns ganz klar, wohin dieser Weg führt, nämlich zum Fall und zum Untergang (vgl. Spr 11,28). Reichtum bringt jeden Menschen zu Fall. Die Sorgen, die entstanden sind, um den Reichtum zu bekommen, um dadurch sorglos zu werden, werden in neue Sorgen umgewandelt, wie man den Reichtum erhalten und vermehren kann. Die Geldliebe ist ein Verlangen, dass niemals gestillt werden kann.

In einem Interview mit einem der reichsten Männer der Welt fragte der Journalist, wann man genug Geld habe. Daraufhin antwortete der reiche Mensch, dass es genug sei, wenn man ein bisschen mehr hat als gerade. Wir sehen, dass Reichtum und das Streben danach den Menschen immer wieder auf falsche Wege führt und sie vom richtigen Ziel abbringt.

Fleiß betrachtet die Bibel als kostbaren Reichtum, wie wir in den Sprüchen Salomos lesen können.

Jesus warnte Seine Jünger und Nachfolger davor, indem Er sprach: „Da sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wahrlich, ich sage euch: Ein Reicher hat es schwer, in das Reich der Himmel hineinzukommen! Und wiederum sage ich euch: Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr geht, als dass ein Reicher in das Reich Gottes hineinkommt!“ (Mt 19,23-24).

 

Die Veränderung eines neuen Denkens durch Gott

Gott lässt uns niemals im Stich und hat für jede Verführung, jeden neuen Zeitgeist und für jedes Problem auf dieser Erde einen Ausweg. Er bietet jedem Menschen an, seine Gedanken, seine Ziele und seine Bedürfnisse klar zu strukturieren und diese auf richtige Weise zu priorisieren und zur richtigen Zeit zu erfüllen. Er bietet den Menschen ein neues Leben in Unabhängigkeit vom Konsum und vom Zeitgeist dieser Welt an. Er möchte jeden Menschen von der Lust der Augen, des Fleisches und dem Hochmut des Lebens befreien. Dazu lädt Er jeden Menschen persönlich ein: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, so will ich euch erquicken!“ (Mt 11,28).

Jesus bietet an dieser Stelle an, uns von allen Lasten dieser Welt zu befreien. Dies geschieht, indem wir anfangen, an Jesus Christus zu glauben und Ihn zum Mittelpunkt unseres Herzens zu machen. Wenn wir Jesus Freiraum in unserem Leben geben, wird Er anfangen, Ordnung und Struktur in unser Herz und unser Denken zu bringen. Dabei wird Er vielleicht sogar hart und radikal vorgehen, wie Er es damals im Tempel von Jerusalem tat (vgl. Mt 21,12-13). Die Garantie besteht jedoch darin, dass in unserem Leben anschließend wie im Tempel von Jerusalem große Taten Gottes geschehen können und den Menschen viel Gutes wiederfahren wird.

Jesus muss in unserem Leben das Zentrum sein, während wir anfangen, unser ich und unsere Bedürfnisse Ihm neu unterzuordnen. Dadurch entsteht ein völlig neues Denken und unsere eigenen Bedürfnisse rücken weit in den Hintergrund. Jesus vermittelt Seinen Jüngern dieses Thema im Matthäusevangelium: „Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen?, oder: Was werden wir trinken?, oder: Womit werden wir uns kleiden? Denn nach allen diesen Dingen trachten die Heiden, aber euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles benötigt. Trachtet vielmehr zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch dies alles hinzugefügt werden!
Darum sollt ihr euch nicht sorgen um den morgigen Tag; denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Jedem Tag genügt seine eigene Plage“
(Mt 6,31-34).

 

Hier sehen wir die Veränderung von Menschen, die Jesus Christus als ihren Erretter annehmen und Ihn zu ihrem Zentrum machen. Die Sorge um die Stillung der täglichen Bedürfnisse, die einen Menschen gelenkt und getrieben haben, rücken in den Hintergrund. Nicht Reichtum und Geld nehmen uns unsere Sorgen, sondern allein Jesus Christus. Er gibt hier klar zu verstehen, dass Er unsere Bedürfnisse kennt und uns niemals damit alleine lassen wird.

Er geht sogar so weit, dass Er uns diese Sorgen völlig abnehmen möchte. Doch warum will Er das tun? Damit jeder Mensch – DU und ICH – sich mit der wichtigsten Lebensfrage auseinandersetzen und die richtige Entscheidung jeden Tag aufs Neue treffen kann. Das Trachten nach dem Reich Gottes und Seiner Gerechtigkeit muss unser Hauptbedürfnis werden. Das Verlangen, dieses Bedürfnis zu stillen, befreit uns schließlich von allen irdischen Bedürfnissen. Wir werden damit soweit eingespannt und beschäftigt sein, dass uns keine Zeit für Pläne über große Anschaffungen oder Projekte, Reichtum zu erlangen, bleibt. Unser Herz wird voll damit beschäftigt sein, Menschen zu Jesus zu führen.

 

Genügsamkeit – eine Frucht der Gnade Gottes

Wenn wir unser Leben Jesus übergeben haben, werden wir schnell feststellen, dass Jesus eine andere Auffassung und ein total anderes Verständnis davon hat, wie unsere Bedürfnisse gestillt werden können, weil Er unsere täglichen Sorgen und Bedürfnisse stillen möchte. Wir müssen lernen, diesen Weg zu akzeptieren und dankbar aus Seiner Hand anzunehmen. Paulus beschreibt diese neue Tugend seines Lebens in 2. Korinther 12,9 als Frucht der Gnade: „Und er hat zu mir gesagt: Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft wird in der Schwachheit vollkommen! Darum will ich mich am liebsten vielmehr meiner Schwachheiten rühmen, damit die Kraft des Christus bei mir wohne.“

Dreimal in seinem Leben rief Paulus Gott an, ihm den Dorn aus seinem Leben zu nehmen. Einige Theologen sprechen hier von einer Krankheit, andere von dem schweren Lebensweg des Paulus. Doch die Antwort Gottes ist hier eindeutig und klar: Lass dir an Meiner Gnade genügen. Anders formuliert sagt Gott hier zu Paulus, dass er Gnade bekommen hat. Diese Gnade reicht aus, um ihn in seinem Leben zu segnen, zu salben und zu gebrauchen.

Die Gnade Gottes ist das größte Geschenk, das Gott den Menschen gibt, sie ist unbezahlbar und unersetzbar. Weil Paulus dieses Geschenk der Gnade ohne Verdienst und ohne jegliche Leistung bekommen hat, muss er genügsam das hinnehmen, was Gott ihm gibt. Gott konnte Paulus natürlich von diesem Dorn befreien, aber in diesem Moment lässt Er Paulus in Genügsamkeit leben.

 

Genügsamkeit ist eine Folge der Gnade in unserem Leben. Viele Weltreligionen proklamieren ein Leben in Genügsamkeit als ein Leben in Frieden und innerer Ruhe. Es ist jedoch nichts mehr als eine menschliche Weisheit, Ideologie oder auch eine besondere Art der Selbstbeherrschung. Im christlichen Glauben ist Genügsamkeit eine Folge der Gnade, die Gott den Menschen gibt. In Seiner Allmacht könnte Gott den Christen alles Geld und allen Luxus dieser Erde geben. Er weiß jedoch, wie schlecht so ein Leben für Menschen ist, daher gibt Er ihnen das wichtigste im Leben: Gnade und die daraus resultierende Errettung. Er befreit von jeder Schuld und gibt einen neuen Lebensinhalt.

Durch diese Erkenntnis, dass Gott ihnen unermessliche Gnade geschenkt hat, können echte Christen genügsam leben. Sie verstehen, dass Gott ihnen das wichtigste im Leben geschenkt hat und akzeptieren die weiteren Lebensumstände mit dem Ziel, das echte Leben im neuen Jerusalem an der Seite des Herrn zu führen. Dadurch können sie ein Leben in Genügsamkeit und Zufriedenheit leben, immer mit dem obersten Ziel, nach dem Reich Gottes und Seiner Gerechtigkeit zu trachten.

 

Wie wirkt sich Genügsamkeit praktisch im Alltag aus?

Eines Abends saß ich nach einem Tag in der Bibelschule mit einem Freund, dem geschätzten Pastor, Bibelschullehrer und Doktor der Theologie, Igor Asanov, aus Weißrussland beim Abendessen zusammen. Ich stellte ihm die Frage, ob es schlimm für einen Christen sei, einen gutbezahlten Arbeitsplatz zu haben. Seine Antwort darauf war folgende: Arbeite und lebe, nimm das an, was Gott dir in deinem Leben geschenkt hat. Du hast eine große Familie von Gott bekommen, deine Kinder werden alle deine Hilfe in Anspruch nehmen, vor allem in finanzieller Form.

Nicht Reichtum und Geld nehmen uns unsere Sorgen, sondern allein Jesus Christus.

Eine wichtige Sache musst du immer in deinem Leben bedenken: Werde nicht blind und fokussiere dich nicht nur auf dein Leben und das deiner Familie. Achte auf die Not der Menschen um dich herum und sei bereit, ihnen zu helfen, vor allem den Menschen in deiner Gemeinde. Wenn du deinem Sohn ein Fahrrad kaufst, so schaue dich um, ob nicht noch jemand ein Fahrrad braucht, es sich aber nicht leisten kann.

Die Bibel fordert uns auf zu arbeiten und für unseren Lebensunterhalt zu sorgen. Paulus selbst hat es uns als Beispiel vorgelebt und uns im Brief an die Thessalonicher ermahnt, ein ordentliches Leben zu führen. „Ihr wisst ja selbst, wie ihr uns nachahmen sollt; denn wir haben nicht unordentlich unter euch gelebt, wir haben auch nicht umsonst bei jemand Brot gegessen, sondern mit Mühe und Anstrengung haben wir Tag und Nacht gearbeitet, um niemand von euch zur Last zu fallen. Nicht, dass wir kein Recht dazu hätten, sondern um euch an uns ein Vorbild zu geben, damit ihr uns nachahmt. Denn als wir bei euch waren, geboten wir euch dies: Wenn jemand nicht arbeiten will, so soll er auch nicht essen! Wir hören nämlich, dass etliche von euch unordentlich wandeln und nicht arbeiten, sondern unnütze Dinge treiben. Solchen gebieten wir und ermahnen sie im Auftrag unseres Herrn Jesus Christus, dass sie mit stiller Arbeit ihr eigenes Brot verdienen. Ihr aber, Brüder, werdet nicht müde, Gutes zu tun!“ (2.Thess 3,7-13).

„Gottes Gnade – das größte Geschenk – sollte uns genug sein.“

Daher ist es unsere Pflicht, für unser Leben und das unserer Familie zu sorgen. Die Sorge kann jedoch schnell überhandnehmen, denn wie am Anfang beschrieben, werden wir und vor allem unsere Kinder stark von Werbung beeinflusst, sodass die Sorgen schnell unendlich groß werden können. Die Bibel warnt uns daher, dass wir daran denken, von unserem Einkommen nicht nur unsere eigene Familie versorgen zu wollen, sondern dass wir immer auch einen Teil für das gute Werk des Herrn geben.

Im Korintherbrief gibt uns Paulus dazu ein Beispiel: „In einer großen Prüfung der Bedrängnis hat ihre überfließende Freude und ihre tiefe Armut die Schätze ihrer Freigebigkeit zutage gefördert. Denn nach [ihrem] Vermögen, ja ich bezeuge es, über [ihr] Vermögen hinaus waren sie bereitwillig; und sie baten uns mit vielem Zureden, dass wir die Liebesgabe und [ihre] Gemeinschaft am Dienst für die Heiligen annehmen sollten“ (2.Kor 8,2-4).

 

Es ist also unsere Pflicht, mit einem bereitwilligen, fröhlichen Herzen sowohl Geld als auch Zeit für den Herrn zu geben. Das bedeutet nicht, dass wir nicht sparen dürfen, um beispielsweise ungeplanten Ausfällen im Haus vorzubeugen, was natürlich und notwendig ist. Jedoch sollte unser Ziel nicht ein volles Konto sein, sondern es sollte immer wieder dazu dienen zu geben, zu schenken und zu helfen. Das zieht den Segen Gottes auf unsere Häuser und wir werden die Liebe Gottes in unserem Leben durch helfende Hände in starker Intensität erfahren. „Jeder, wie er es sich im Herzen vornimmt; nicht widerwillig oder gezwungen, denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb!“ (2.Kor 9,7).

Gott liebt Menschen, die in Seinem Auftrag geben, spenden und immer wieder eines vor Augen haben: Gutes zu tun und alle gegebenen Möglichkeiten für den Herrn einsetzen.

 

Wie werde ich genügsam?

Ein genügsames Leben ist nicht zwangsläufig ein Leben in Armut. Gott schenkt jedem Menschen unterschiedlich viel und alle, die Seine Gnade verstanden und erlebt haben, werden in dem, was Gott ihnen schenkt, ein genügsames Leben führen können. Das unterstreicht Salomo im Buch Prediger: „Darum habe ich die Freude gepriesen, weil es für den Menschen nichts Besseres gibt unter der Sonne, als zu essen und zu trinken und fröhlich zu sein, dass ihn das begleiten soll bei seiner Mühe alle Tage seines Lebens, die Gott ihm gibt unter der Sonne“ (Pred 8,15).

Genügsamkeit zeichnet sich in erste Linie dadurch aus, dass ich zufrieden mit dem bin, was Gott mir gibt. Eifersucht und Neid nach dem Besitz anderer zerfrisst das Leben und erweckt starke Bedürfnisse in uns, die von dem Weg der Wahrheit ableiten. Bin ich bereit, Menschen zu segnen, obwohl sie ein schöneres Haus oder ein schöneres Auto besitzen? Erst, wenn ich fähig bin, mich für meine Mitmenschen zu freuen, lebe ich in echter Genügsamkeit. In meinem Herzen entsteht kein Neid, sondern Freude und Zuwendung zu meinen Mitmenschen.

Diese Freude habe ich auf einer Missionsreise in Moldawien erlebt, auf der mir der leitende Bischof Moldawiens, Bruder Peter Borsch, seine Freude über ein neues Auto von einem anderen Pastor mitteilte. Er war einfach riesig erfreut, dass dieser Pastor jetzt gut versorgt war.

 

Die Frage, wie ich genügsam werden kann, lässt sich in drei Punkten beantworten:

  1. Reicht mir mein monatliches Einkommen, um meine Ausgaben zu decken oder bin ich ständig auf Kredite der Bank oder auf andere Menschen angewiesen, die mir Geld leihen? Die Bibel fordert uns auf, unsere Bedürfnisse durch tägliche Arbeit zu decken (vgl. 2.Thess 3,7-13). Wenn also meine tägliche normale Arbeitszeit (in der BRD – 8 Std.) nicht ausreicht, um meine Bedürfnisse zu decken, muss ich mir eine neue Arbeit suchen oder an der Schraube meiner Bedürfnisse drehen.
  2. Kann ich jeden Monat einen Zehntel meiner Einkünfte dem Herrn in Form einer Spende an meine Gemeinde zur Verfügung stellen? Im Matthäusevangelium fordert uns Jesus auf, dieses zu tun (vgl. Mt 23,23). Wenn das durch meine Bedürfnisse nicht mehr gewährleistet ist, lebe ich nicht genügsam, sondern stark beeinflusst von meinen hohen Ansprüchen.
  3. Sehe ich die Not in armen Ländern und um mich herum? Bin ich bereit, für arme und hungernde Menschen zu spenden? In den Sprüche Salomos sehen wir den Segen, der aus solchen Taten entsteht: „Wer sich über den Armen erbarmt, der leiht dem HERRN, und Er wird ihm seine Wohltat vergelten“ (Spr 19,17). In unserer Bruderschaft haben wir über die Mission Stephanus wunderbare Möglichkeiten, Sach- und Geldspenden in arme Länder auf der ganzen Welt fließen zu lassen. Wir können auch selbst mit auf Reisen gehen und auf der ganzen Welt Gutes tun. Durch Patenschaften für Waisenkinder oder verlassene alte Menschen können wir monatlich einen Beitrag für ein gutes Werk leisten.

 

Genügsamkeit zeichnet sich dadurch aus, dass ich als guter Verwalter mit dem, was Gott mir gibt, gut umgehe und dabei noch genug Geld bleibt, um in die Gemeinde und den Armen zu geben. Von dem, was mir übrigbleibt, darf ich natürlich ein schönes Haus für meine Familie bauen, ein gutes Auto fahren und auch schöne Tage mit meiner Familie im Urlaub verbringen. Alle diese Dinge sind im gesunden Anteil gut. Es darf mich jedoch nichts von diesen Dingen einnehmen und zum größten und wichtigsten Teil meines Lebens werden, wie Paulus es im Brief an die Korinther schreibt (vgl. 1.Kor 6,12).

 

Echter Reichtum: Gottesfurcht verbunden mit Genügsamkeit!

Menschen, die es gelernt haben, genügsam zu leben, entwickeln als Folge der Gnade Gottes eine tiefe Ehrfurcht vor Gott. Sie verstehen die Worte, die Paulus an Timotheus richtet (vgl. 1.Tim 6,6-8). Ihr Leben ist nichts wert, denn sie haben nichts in diese Erde gebracht. Nackt und mittellos sind sie geboren und alles Hab und Gut, jede intellektuelle Erkenntnis kommt von dem Herrn. Sie verstehen, dass alles Können in ihrem Leben einen Ursprung hat: ihren Gott.

Der Teufelskreis der Bedürfnisbefriedigung scheint nie zu enden, denn die Wirtschaft bringt immer wieder neue Produkte hervor und sorgt stetig für die Weckung neuer Bedürfnisse.

Auf dieser Erde gibt es nichts, was sie mitnehmen können, denn alles ist zeitlich begrenzt. Dadurch konzentrieren sie sich in ihrem Leben nur auf das Ewige und nicht mehr auf das zeitlich Begrenzte. Dieses neue Denken zeichnet echte, wiedergeborene Christen aus und erhebt sie über alle Philosophen, Denker, Wissenschaftler und Gelehrte.

 

Jede ihrer Entscheidungen zum Umgang mit Geld und Zeit geschieht in der Frucht Gottes, sie stellen immer mehr dem Herrn ihre Mittel zur Verfügung. Gottesfurcht wird zum prägenden Element ihres Denkens, Handelns, ihrer Wünsche und Träume. Ihre Schätze befinden sich im Himmel, wo weder Motten und Rost sie fressen noch Diebe sie stehlen können (vgl. Mt 6,20).

Viele Männer Gottes, die mir auch noch heute als Beispiel dienen, sind diesen Weg gegangen und haben diesen Weg in Genügsamkeit und Gottesfurcht beendet. Ich wünsche es uns allen von Herzen, ein Leben in Genügsamkeit und Gottesfurcht zu leben und zu beenden.

 

Jakob Wassiljew
Gemeinde Molbergen