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Auch an unseren freiwilligen Helfern ging die Hochwasserkatastrophe nicht spurlos vorüber. Nachfolgende Berichte geben einen kurzen Einblick in das Geschehen vor Ort im Gebiet Ahrweiler.
Interview mit Jona
Was hat dich motiviert, unbekannten Menschen zu helfen?
Ich wurde am Freitagabend gefragt, ob ich am Samstag mit ins Katastrophengebiet fahren möchet, um zu helfen. Erst sagte ich ab, denn eigentlich hatte ich geplant, zu einer Hochzeit zu fahren. Doch dann fiel mir der Bibelvers aus Jakobus 4,17 ein: „Wer nun Gutes zu tun weiß und es nicht tut, für den ist es Sünde.“
Was war dein erster Eindruck, als du die Zerstörung sahst? Was hast du vor Ort erwartet und was ging dir durch den Kopf?
In Ahrweiler erwartete uns ein anderes Bild als wir zuvor in den Medien gesehen hatten: zerstörte Häuser, Straßen, Autos und Bäume, überall Schlamm und Dreck. Für mich war es unfassbar, dass so etwas in Deutschland passiert war.
In den ersten Tagen standen wir bis zu den Knien im Schlamm. Besonders anstrengend war es, aus vollgestellten Kellern, in denen alles komplett durcheinandergeworfen war, alles nach draußen zu bringen. Am meisten Kraft kostete es, die von Schlamm und Wasser vollgesaugten Teppiche nach draußen zu „tragen“.
Positiv überrascht hat mich der Zusammenhalt der Menschen – jeder half jedem. Brauchte jemand zum Beispiel eine Pumpe, stellte der Nachbar seine eigene gerne zur Verfügung. Viele Einwohner aus dem Umkreis versorgten uns mit Kaffee, Kuchen und Herzhaftem.
Hattet ihr die Möglichkeit, über Gott zu sprechen?
Ja, ein Gespräch mit einem älteren Mann traf mich sehr. Er fuhr uns sehr grob an, weil wir unser Auto direkt vor seinem Haus geparkt hatten. Dieser Platz musste freibleiben, weil hier der Wendeplatz für die LKWs mit den Containern war. Wir parkten das Auto um und entschuldigten uns. Als er merkte, dass wir helfen wollten und keine Schaulustigen waren, entschuldigte er sich für seine Grobheit.
Unter Tränen erzählte er uns, dass er in den Fluten seine Frau verloren habe. Ich war so schockiert, dass ich nicht wusste, wie ich reagieren sollte – ein erwachsener Mann, der weinte – diese Situation war mir unbekannt. Wie tröstet man jemanden, der alles verloren hat? Wir erzählten ihm von Jesus und der Hoffnung, die nur Er allein geben kann.
Ein Sinnbild für Gottes Kraft, Seine Herrlichkeit, Seine Liebe und Seine Gnade fand ich in dem von der Flutkatastrophe unversehrten Kreuz in Ahrbrück. Der ganze Dreck lag vor dem Kreuz. Da ist mir einmal mehr bewusst geworden, wie vergänglich alles ist und IHM, dem Herrn aller Herren, alles zu Füßen liegt. Später las ich einen Facebook-Beitrag zu diesem Kreuz:
„Dieses Kreuz steht auf dem Mühlenauel in Ahrbrück. Mein ehemaliger Volksschullehrer Herr Fox, ein sehr gläubiger Mensch, hat es dort hingestellt. Dieses Kreuz hat die Jahrtausendflut überstanden, ihr standgehalten, es steht noch kerzengerade. Es stand fast bis zum Querbalken im Wasser, inmitten der Flut. Es grenzt an ein Wunder. Kein Baum, kein Auto, kein Gastank hat dem Kreuz geschadet. Ich war eben an diesem Ort. Keiner hier versteht, dass dieses Kreuz noch so steht wie vor der Flut. Vor und hinter dem Kreuz standen Gartenhäuser, sie wurden von der Flut mitgerissen. Ich werde in Zukunft wohl öfters an diesen Ort gehen, um jemandem da oben zu danken, dass meine Familie, Freunde und Bekannte diese schlimme Flut überlebt haben.“

Wie ein Fels in der Brandung steht dieses Kreuz, umgeben von der Verwüstung, unbeschadet in unmittelbarer Nähe der Ahr. Ein sichtbares Zeugnis für Gottes Souveränität – selbst in der größten Tragödie.
Das kann kein Zufall sein. Selbst Menschen aus der Welt erkennen, dass es „jemanden da oben“ gibt.
Am darauffolgenden Montag konnte ich auf der Arbeit nicht aufhören, über die Menschen an der Ahr nachzudenken. Deshalb ging ich am Dienstag zu meinem Vorgesetzten und fragte ihn, ob ich freigestellt werden könne, um die Menschen in Ahrweiler mit humanitärer Hilfe zu unterstützen. Er war begeistert von der Aktion und so durfte ich am Mittwochmorgen mit einem weiteren Arbeitskollegen aus der Gemeinde Mahndorf nach Ulmen fahren.
Was konntest du aus der Aktion lernen?
Ich durfte erleben, was eine Gemeinde im Großen und Ganzen wirklich ausmacht, nämlich das Miteinander! Nach unserer Arbeit im Flutkatastrophengebiet waren unsere Klamotten komplett verschmutzt und schlammig. Wir reinigten die Kleidung abends zwar mit dem Hochdruckreiniger, dachten allerdings nicht darüber nach, dass diese über Nacht nicht trocknen würde. Ohne ein Wort zu sagen, wusch unsere Gastgeberin die Klamotten und legte sie in den Trockner.
Am nächsten Tag waren wir überrascht, dass unsere Klamotten trocken, frisch gewaschen und sorgfältig gestapelt vor der Tür lagen. Oft vergisst man diejenigen, die im Hintergrund arbeiten, aber gerade ohne diese Menschen würde nichts funktionieren.
Was möchtest du unbedingt aus dieser Situation an andere weitergeben?
Ich bin Gott zutiefst dankbar, dass ich helfen konnte und die Möglichkeit nutzen durfte, nach Ahrweiler zu fahren. Ich bin Gott dankbar für die Erfahrungen und für die Hoffnung inmitten von Leid.
Ich möchte dich dazu ermutigen, deine Gaben und Talente miteinzubringen, um den Menschen zu helfen. Sie haben vieles – wenn nicht sogar alles – verloren.
Zwar wird dort nicht mehr die Arbeit benötigt, die in den ersten Tagen gemacht wurde (Schlamm ausschaufeln, Keller leerräumen etc.), aber umso mehr werden noch viele Hände benötigt, um den Wiederaufbau voranzubringen.
Gott segne dich und vergelte es dir.
Jona Baier,
Gemeinde Bremen

Es wurden private Fahrzeuge zur Verfügung gestellt. Auch 30 eigene Baufahrzeuge waren im Einsatz.
Daniel berichtet
Mich hat der Vers aus Jakobus 4,17 motiviert, bei der Hilfsaktion mitzuwirken.
Das Ausmaß der Zerstörung und Verwüstung hat mich zutiefst erschreckt. Mir war nicht bewusst, was mich erwarten würde. Unsere Hilfe war nur ein kleiner Beitrag, denn es gibt noch viel zu tun.
Beeindruckt hat mich dennoch der Zusammenhalt der Helfer und dass die Betroffenen ziemlich positiv gestimmt waren; bis dahin völlig fremde Menschen arbeiteten Hand in Hand. Ein überwältigendes Bild und Zeichen davon, dass Gott dem Menschen ein Füreinander und Miteinander in der Not ins Herz hineinlegte.
Der Einsatz hat mich sehr mitgenommen und wird mich auch im Nachhinein nicht so schnell loslassen. Ich bin sehr dankbar, dass ich dabei sein durfte.
Diese Situation hat mich gelehrt und auch wieder einmal daran erinnert, wie vergänglich das Leben und unsere materiellen Güter sind.
Ich fragte mich: Wie würde ich reagieren, wenn ich alles verlieren würde? Wäre mein Glaube so standhaft, dass ich mich von den ganzen materiellen Dingen lösen könnte?
Was ich vor Ort gesehen habe, hat mein Gottesverständnis auf jeden Fall bekräftigt; Seine Größe, Seine Allmacht, Seine Kraft, aber auch Seine Liebe zur verlorenen Menschheit. Ja, ER will, dass keiner verlorengeht, und dafür war Ihm sogar Sein eingeborener Sohn nicht zu schade. Das Erlebte begleitet mich auch heute noch und ist oft ein Anliegen in meinen Gebeten.
Was ich an andere weitergeben möchte, ist, dass wir Gott bewusster für alles danken sollten, denn es wird uns nicht immer gut gehen. Mein Wunsch ist es, dass unsere Gemeinden den Bedürftigen noch viel Segen bringen, was wir durch vielfältige Möglichkeiten tun können.
Daniel Moderau
Gemeinde Bremen