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Ein paar Tage nach der Katastrophe rief das Missionswerk zu einer Spendenaktion auf: Viele der Betroffenen verloren ihre gesamte Existenz und standen vor einer aussichtslosen Situation. Neben all dem Leid waren ihre Häuser, ebenso das darin befindliche Inventar nicht versichert und somit müssen sie für alle Kosten selbst aufkommen. Dank zahlreicher Anteilnahmen wurden bisher ca. 501.000€ (Stand 04.09.2021) gespendet.
Welche Kriterien gibt es bei der Verteilung der finanziellen Hilfe?
Als betroffen gilt jemand, der sein Hab und Gut verloren und dabei keine Elementarschadensversicherung hat. Wir sind durch das Hochwassergebiet gereist, vor allem in der Gegend Ahrbrück und Swisttal, und haben die einzelnen Schäden begutachtet. Einige Familien hatten keinen großen Schaden am Haus, bei anderen wurden die Häuser und Höfe komplett zerstört.
Diese Familien haben in der Regel keine Elementarschadensversicherung und müssen die Reparaturkosten selbst tragen. In den meisten Fällen können sie dies nicht finanzieren. Nach einer offiziellen Absprache mit dem Finanzamt wurde speziell für die Katastrophenhilfe eine Verfügung erlassen, mit der Spenden bis 5.000 Euro pro Person steuerfrei sind.
Wie genau wird das Geld verteilt?
Etwa 20 Prozent der knapp über 500.000 Euro wurden bereits ausgegeben. Für knapp 11.000 Euro wurde das Elektromaterial und für 3.000 Euro Gaswassermaterial eingekauft. Momentan befinden sich noch fast alle Baustellen in der Trocknungsphase. Erst nach erteilter Baugenehmigung kann mit den Bauarbeiten begonnen werden. In welchen Mengen dann Baumaterial zum Verputzen genau gebraucht wird, lässt sich zurzeit noch nicht abschätzen.
Bereits in den ersten Wochen wurden um die 2.000 Euro für Mahlzeiten ausgegeben. Es wurden sowohl Frühstück als auch warme Mahlzeiten zubereitet und finanziert. Wir erhielten zahlreiche Sachspenden in Form von Fleisch, Tiefkühlkost, Gemüse und vor allem Brötchen.
Für den Winter haben wir uns auch um unsere Köche gesorgt und die Anschaffung von zwei speziell ausgerüsteten Containern für die Winterküche mit einem Betrag in Höhe von 5.000 Euro finanziert.
Die größte Summe, die wir verwendeten, ging an die Familien, bei denen die Hilfsbedürftigkeit festgestellt wurde.

Vor der Flut: Das frisch renovierte Haus der Familie Wieland.
Wie wurden die Geldspenden bisher verteilt?
Zu Beginn haben wir die Bürgermeister von Ahrbrück, Liers und Hönningen angefragt, bei wem die Hilfsbedürftigkeit festgestellt wurde. Wir sind dann diese Adressen abgefahren. In Ahrbrück halfen wir drei Familien mit Baumaterial in Höhe von 2000 Euro pro Familie und unterstützten auch praktisch: unsere Geschwister arbeiteten vor Ort mit.
Familie Wieland aus Ahrbrück verlor ihr Haus komplett. Das Haus war kurz vor der Katastrophe renoviert worden. Nun muss es komplett abgerissen werden, auch der schöne gepflegte Garten wurde zerstört. Die Familie stand plötzlich vor dem Nichts. Sie sind froh, dass alle überlebt haben, denn sie waren im Haus gefangen, als das Wasser zu schnell stieg. Wir sagten dieser Familie Hilfe in Höhe von zwei Maximal-Spende-Beiträgen zu. Sie wissen noch nicht, ob und wo sie anfangen werden zu bauen, aber unsere zugesagte Hilfe steht.
Den Familien Wolff und Huth haben wir mit Baumaterialien geholfen. In einem anderen Haus, das auch schwer betroffen ist, trafen wir eine privat organisierte Bautruppe von Fachleuten an, deren Ziel es ist, das Haus, dass sie übernehmen, komplett wiederherzustellen. Sie verfügen über bestimmte Finanzen, die aber oft nicht ausreichen, um die Bauarbeiten zu Ende zu führen. Diese Bautruppe hat auch eine maximale Spende bekommen.
Im Swisttal gibt es Familien, die ebenfalls schwer betroffen sind und keine Elementarschadensversicherung haben. Insgesamt sind Schäden von ca. 30.000 - 40.000 Euro entstanden. Dort sind es acht Familien, denen wir abhängig von der Größe des Schadens und der gesamten Familiensituation finanziell mit 2.000 - 10.000 Euro geholfen haben. Zum Beispiel sind da Familien mit fünf und mit sieben Kindern, deren Häuser sehr starke Schäden hatten.
Unsere Geschwister sind auch viel privat als Fachleute bei den Baustellen aktiv. Zum Beispiel hatte Willi Horn aus der Gemeinde Gifhorn die Möglichkeit, nach Dernau zu fahren und dort im Fachbereich Heizung und Sanitär zu helfen. Beschädigte Wasserleitungen wurden repariert und eine Behelfsküche für ein Generationenhaushalt wurde installiert (Spülmaschinen- und Waschmaschinenanschluss).
Die benötigten Baumaterialien wurden ebenfalls von der Mission finanziert. Zudem gelang es, eine Heizungsanlage wieder in Betrieb zu nehmen. Dabei sind elektronische Bauteile ausgetauscht und so ein neuer Ölbrenner verbaut worden. Obwohl das Hochwasser in diesem Haus bis in das Obergeschoß vorgedrungen ist, blieb das Öl im Tank. Die Freude der betroffenen Anwohner war riesig, als nach ca. fünf Wochen aus dem Duschkopf und Wasserhahn wieder warmes Wasser lief.

Aufgrund akuter Einsturzgefahr musste das Haus unmittelbar abgerissen werden.
Wie reagierten die Abgeordneten und Politiker vor Ort auf euren Einsatz?
Oft waren sie sehr überrascht. Heutzutage rechnet man selten mit solcher Unterstützung. Doch grundsätzlich freuen sie sich darüber, denn die Not ist wirklich sehr groß. Einige Politiker waren ein paar Wochen nach der Katastrophe in der Gemeinde Ulmen im Gottesdienst, um sich bei den Gläubigen für ihren Einsatz zu bedanken.
Vor Kurzem waren wir mit dem Abgeordneten der Kommunal-Gemeinde in Altenburg verabredet. Dabei haben wir besprochen, wie wir der Kommunal-Gemeinde helfen können. Dort sind 90 Prozent der Häuser beschädigt. Da von den insgesamt 600 Einwohnern viele miteinander verwandt sind, war es unmöglich, einzelne Familien auszuwählen. Um keine Streitigkeiten zu verursachen, haben wir uns entschieden, auf das gemeinsame Spendenkonto des Dorfes eine Summe zu überweisen. Die Spende pro Kopf in diesem Dorf berechnet sich nach einer Formel und bewegt sich zwischen 500 und 3.000 Euro pro Haushalt.
100.000 Euro haben wir auf dieses Konto überwiesen und der Bürgermeister hat uns versichert, dass das Geld an die Betroffenen fließen wird, die keine Elementarschadensversicherung haben und deren Häuser stark beschädigt wurden. Wir werden bei der Verteilung der Mittel dabei sein und die Häuser auch persönlich begutachten.

Nach dem Abriss ist nichts mehr von dem ehemaligen Haus zu sehen.
Was wird mit den Mittel passieren, die noch nicht verbraucht sind?
Nach Rücksprache mit dem Missionsvorstand und den Verantwortlichen aus den Gemeinden Deutschlands haben wir entschieden, weitere 100.000 Euro in den Topf der Ortsgemeinde Altenahr zu zahlen. Diese werden dann über einen Berechnungsschlüssel an die Betroffenen verteilt. Bei der Verteilung ist auch der örtliche Notar beteiligt, um die Ortsvorsteher zu entlasten.
Außerdem möchten wir uns an der Finanzierung eines öffentlichen Platzes wie z.B. eines Kinderspielplatzes in Altenburg beteiligen. Wir denken, dass dies ein guter öffentlicher Treffpunkt sein kann, an dem man sich über Gott und den Glauben unterhalten kann.
Nach aktuellen Informationen werden die betroffenen noch im Jahr 2021 die versprochene staatliche Hilfe erhalten. Jede betroffene Familie soll demnach 80% des entstandenen Schadens vom Staat ersetzt bekommen. Das würde die Situation und Bedürftigkeit nochmal enorm verändern. Wir als CDH-Stephanus möchten die bei uns eingegangen Spenden weise und bedacht einsetzen. Nach der staatlichen Auszahlung werden wir weitere bedürftige Haushalte ausfindig machen und diese unterstützen.
Auszüge aus den Gesprächen
mit Michael Akulenko
und Markus Klippel