Genügsamkeit ist eine Zier

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  • Du bist wertvoll, auch ohne dem äußeren Schein. Konzentriere dich vielmehr auf das wirklich Wichtige. Bildquelle: AdobeStock_336803564 © Iriana Shiyan

Genügsamkeit ist eine Zier

2020-12-12T10:29:03+01:004. Dezember 2020|

„Genügsamkeit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr.“ Dieses spöttische deutsche Sprichwort wurde früher auf junge Brautpaare angewandt, besonders auf solche, die aus „bürgerlichen“ Verhältnissen kamen und es mit ihren Anschaffungen der (damaligen) adligen Oberschicht gleichtun wollten. Aus der gleichen Epoche stammt auch die Redewendung „Nach außen mehr Schein als Sein“. Entstanden sind solche Sprichworte in Preußen, dessen natürliche Ressourcen gering und die Bevölkerung trotz harter Arbeit relativ arm (und doch glücklich) war. „Preußische Sparsamkeit und deutscher Fleiß“ war damals das Schlagwort, mit dem der Charakter der Deutschen im Ausland bezeichnet wurde. Ja, ja, lang ist es her…

Mittlerweile ist die Nachkriegszeit (1946-1966) längst Vergangenheit und die drei großen „Wellen“ – Fresswelle, Konsum-Welle und Reisewelle – haben das deutsche Volk dauerhaft derartig überrollt, dass genau diese Haltungen zum Allgemeingut der Bevölkerung geworden sind. Man nennt es „Lebensqualität“ und es gilt als „Grundrecht“, auf welches selbstverständlich auch ein Sozialhilfe-Empfänger ein Anrecht hat. (Diejenigen Leser, die in ihrem Herzen diese Auffassung angenommen haben, sollten um ihres Seelenfriedens willen jetzt nicht weiterlesen, sondern sich rasch auf Youtube einen schönen Film anschauen.)

Als der kommende König und Weltenrichter die berühmten (und wenig befolgten) Worte aussprach: „Trachtet vielmehr zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit“ (Mt 6,33), sah Er bereits die letzte Generation vor Seinen Augen. Als Sein auserwählter Knecht und Diener Paulus die weniger bekannten Worte formulierte „Wenn wir aber Nahrung und Kleidung haben, soll uns das genügen“ (1.Tim 6,8), wusste der Ewige bereits, wie vielen der letzten Generation ihr Wohlstand als Fesseln dienen würde, die der Antichrist ausnutzen möchte. Und Er kannte bereits die durchaus ehrlich gemeinte Entgegnung vieler, die jetzt diese Zeilen lesen, dass sie weder Luxusgüter besitzen, noch das Essen, Reisen oder andere Status-Symbole in ihrem Leben eine bedeutende Rolle spielen.

 

Liebe Glaubensgeschwister, was bedeutet das Wort „Luxus“ und der Ausdruck „eine Rolle spielen“? In einem Land, in welchem fast alles irgendwie erschwinglich ist, ist eben auch fast alles „selbstverständlich“ oder normal. Die Wohnungseinrichtung, die vor 30 Jahren als luxuriös und vornehm galt, ist heute eher „ärmlich“ oder „bescheiden“! Vergleichendes Beispiel: Kurz nach der Wiedervereinigung des westlichen mit dem mittleren Teil Deutschlands erschien den Menschen in der DDR das westliche Warenangebot, besonders die Lebensmittel, als „reich“ und sogar „überladen“.

Die gleichen Menschen, nur 30 Jahre älter, meckern heute, wenn diese oder jene Sorte Wurst nicht mehr lieferbar ist. Ein chilenischer Asylant (der selbst von Sozialhilfe gelebt hatte) sagte mir einmal: „In Deutschland gibt es keine wirklich Armen.“ Tatsächlich: Für Menschen, welche von der Hand in den Mund leben, ist es bereits ein Zeichen von Reichtum, wenn ausreichend Brot, Reis/Kartoffeln und Milch vorhanden sind. Für uns verwöhnte Wohlstandsgeschöpfe (der Schreiber dieser Zeilen inbegriffen) fängt die Armut an, wenn Schokolade- und Vanilleshampoo fehlen.

 

Objektiv, lieber Leser, kannst Du Dich prüfen, inwieweit Du an Deinen Lebensstandard gebunden bist, wenn Du Dir vorstellst: Was wäre, wenn plötzlich kein Fleisch mehr in den Geschäften erhältlich wäre (weil, sagen wir mal, irgendein böser Virus sämtliche Schlachthäuser befallen hätte)? Das wäre für den Normal-Deutschen geradezu eine Horror-Vision! Aber für viele Millionen unserer Glaubensgeschwister ist das normal.

Was wäre, wenn es plötzlich keine qualitativ gute Kleidung mehr zu kaufen gäbe (weil aus Umweltgründen nur noch recycelbare Synthetik-Stoffe verwendet werden dürfen)? Was wäre, wenn plötzlich Treibstoff rationiert werden würde und es ein Sonntagsfahrverbot gäbe (wie z.B. während der großen Öl-Krise in den Siebzigerjahren)? Merken wir, wie wir gebunden sind, weil wir uns einfach an viele bequeme Dinge gewöhnt haben?

In den vergangenen Monaten haben uns die staatlichen Maßnahmen einen Vorgeschmack gegeben, wie schwer es sein kann, auf Selbstverständlichkeiten zu verzichten. Solange uns die Engpässe nicht persönlich berühren (z.B. ein bestimmtes Arzneimittel ist nicht lieferbar) berührt es uns nicht. Was aber, wenn elementare Bestandteile unseres Konsumverhaltens eingeschränkt werden (müssen)?

 

Die gläubigen Christen in unserem Land kann man in 2 Gruppen einteilen: Die einen sagen zu sich selber: „Wozu mich einschränken? Wenn es notwendig wird, dann werde ich mich schon dran gewöhnen und mir Gedanken machen.“ Der Schreiber dieser Zeilen kennt Zeitgenossen, welche sagen: „Ich esse so viel, wieviel ich brauche. Wenn ich an Diabetes, Übergewicht, Atherosklerose oder einer anderen Wohlstandskrankheit erkranken sollte, dann werde ich meinen Ernährungsstil schon ändern.“ Und ich kenne dann auch diejenigen, die es tatsächlich so tun – nur leider haben sie dann bereits ihren Schlaganfall, Herzinfarkt und zerstörte Kniegelenke und quälen sich mit dem Rollator zum Arzt.

Die anderen, nur eine kleine Minderheit, üben sich schon jetzt: „Ich muss mal ausprobieren, auf dies oder jenes zu verzichten – vielleicht wird es ja mal aktuell.“ Der Schreiber dieser Zeilen kennt auch einige Zeitgenossen, die einen anderen Ernährungsstil verfolgen – aus Gründen, die durchaus nicht wirklich „geistlich“ sind. Da spielt Mode und sicherlich auch eine gewisse „überspannte“ Zivilisationsmüdigkeit eine Rolle. Aber immerhin: Sie fahren noch im Alter von 85 Jahren mit dem Fahrrad an der Apotheke vorbei und betreten sie (leider) nur, um eine Apothekerzeitung mit Kreuzworträtseln zu holen.

 

Es ist geradezu traurig, dass in mancherlei Hinsicht Menschen, die nicht an Gott glauben, weiser und vorausschauender sind als Gotteskinder! Gerade wir kennen zur Genüge die Ermahnungen, dass wir geistlich und nicht fleischlich gesinnt sein sollen – gerade wir hören oft Predigten (wie z.B. über den „Reichen Jüngling“), dass persönlicher, übermäßiger Besitz die geistige Kraft zur echten Nachfolge Jesu auffrisst.

Und trotzdem: Die Überwindung zur freiwilligen Selbstdisziplin schaffen nur wenige, die meisten streben nicht einmal danach.

Dieser Gruppe meiner Leser erzähle ich folgende wahre Begebenheit:

Ich hatte einmal das zweifelhafte „Vergnügen“, bei einer älteren wohlstandsverwöhnten Dame mitzuhelfen, die Wohnung aufzulösen (sie musste ins Altenheim). Vor ihren Augen wurde ihre gesamte, qualitativ hochwertige Wohnzimmereinrichtung durch die Müllpresse gejagt. Niemand wollte diese Möbel auch nur geschenkt haben – allen, die wir angefragt hatten, war sie nicht gut genug.

Aber ihr brach es fast das Herz (diese Schrankwand hat 6.500 DM gekostet!), als genüsslich die Stahlpresse ihre Möbel zermalmte („Vom Sägespan bist Du genommen und zum Sägespan wirst Du werden – auch wenn du antikes Gold-Mahagoni bist!“). Was blieb der alten Dame im Altenheim? Ich weiß es nicht. Sie starb wenige Monate später.

An eine andere Gruppe richte ich folgende Worte: Brauchst Du die alljährliche Reise nach Mallorca, Kroatien oder Chicago, um die schönen Fotos Deinen Verwandten zu zeigen? Brauchst Du die goldumrandeten, schneeweißen IKEA-Möbel, weil Du Dich nur in ihnen wohlfühlst? Musst Du das Beste haben, egal zu welchem Preis (da für Dich ja nur das Beste gut genug ist?). Musst Du diese oder jene first-class-Kosmetik für Dein Gesicht haben? Ja, schaffe Dir ruhig alles an. Du hast es eben nötig.

An die kleine, geistlich gesinnte Minderheit richte ich keine Worte. Sie haben derartige Dinge nicht nötig. Sie wissen selbst, dass sie wertvoll sind! Auch ohne all jenen Schnickschnack!

 

Herbert Richter
Gemeinde Braunschweig

 


Eine wertvolle Hosentasche…

Was hat man doch als Kind an Schätzen besessen! Man schaue sich nur die Hosentaschen eines achtjährigen Buben an. Ich weiß noch genau, wie die meinigen damals eines Abends ausgeräumt wurden; ein Stück Kupferdraht, ein glatt geschliffener Stein, ein aus Rinde halbfertig geschnitztes Schifflein. Alles Dinge, die mir hoch wert waren und von den Eltern doch nur als Plunder taxiert wurden, der die Hosentaschen zerreißt, besonders der so wertvolle Kupferdraht! Das gab Tränen, als die Mutter mit dem Aufräumen begann und ihr Wertmaßstab ins Kinderherz schnitt.

Später korrigiert man ja dann selber fortgesetzt den Wert der Güter, an denen unser Herz hängt, und bleibt doch mit allen Fasern ein Mensch, der „Schätze sammelt, die der Rost und die Motten fressen“.

Wir tun gar oft wie Achtjährige, denen die Mutter die Hosentaschen ausräumt, wenn uns Gott einmal Werte nimmt, an denen unser Herz hängt. Wir erkennen zunächst in Riesengröße nur den Verlust. Wir müssen es aber lernen, oft geht es ganz langsam, zu erkennen, was Gott uns geben will an Stelle dessen, was er uns genommen hat. Ist denn unsere Gottesvorstellung so kläglich heidnisch, daß wir, abergläubisch, wie die Heiden, die keine Hoffnung haben, nur „den Neid der Götter“ kennen, also glauben, Gott habe Freude und ein Interesse, uns Dinge zu zerschlagen und zu nehmen, um uns arm zu machen und zu lassen? Hat er uns nicht durch seinen Sohn, Jesus Christus, von „Leben und vollem Genüge“ gesprochen?

Wohlverstanden, wir denken nicht einmal an die gewaltigen, rätselvollen Führungen, die uns treffen können; wir denken an den Kleinkram des Alltags, an Flitter und Tand, der unsere Augen glänzen macht, ohne uns etwas zu geben.

Wollen wir die Kraft des Heiligen Geistes zur Auswirkung kommen lassen, müssen wir Raum schaffen. Manchmal kann man eine Türe nicht recht öffnen, weil ein Stück Möbel vorsteht. Es ist unsere Sache, zu prüfen, was im Wege steht, wenn Gottes Geist nicht richtig zum Durchbruch kommt. Wenn wir diese Mahnung ernst nehmen und uns nicht abwenden, als wüßten wir alles, so kann aus solcher Räumungsarbeit ein großer Segen erwachsen. Und die Freude kommt in unser Leben hinein.

 

Ferdinand Sigg, 1902-1965
Aus „In Bildern reden“, Christliches Verlagshaus Stuttgart