Genügsamkeit – Verlust oder Gewinn?

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  • Der Kern echter Freude liegt nicht in vergänglichen materiellen Dingen, sondern in unserer Beziehung mit dem Herrn. Hierauf basiert die Genügsamkeit. Bildquelle: AdobeStock_187596781 © Eisenhans

Genügsamkeit – Verlust oder Gewinn?

2020-12-12T10:31:25+01:004. Dezember 2020|

Üblicherweise knüpft der Mensch seine Zufriedenheit an das, was er erreicht hat. Gilt doch fast selbstverständlich derjenige als Gewinner, der es im Leben bereits zu sichtbarem Erfolg gebracht hat. Doch das Wort Gottes zeichnet uns das Bild, dass sich gerade ein genügsamer Mensch als Gewinner sehen darf: „Ein großer Gewinn aber ist die Frömmigkeit zusammen mit Genügsamkeit“ (1.Tim 6,6).

Ein genügsamer Mensch ist zufrieden und dankbar in den Umständen, in welchen er sich gerade befindet. Es betrifft alle Bereiche unseres Lebens und fängt bereits bei den Grundbedürfnissen wie z.B. Essen, Trinken oder der Gesundheit an. Auch die finanzielle Lage, der erreichte Lebenskomfort oder eigene Fähigkeiten wirken sich auf die persönliche Zufriedenheit aus.

Dennoch mahnt uns das Wort Gottes, in allen Bereichen des Lebens genügsam und bescheiden zu bleiben, und zwar mit den gegebenen Einschränkungen oder Umständen.

 

Unsere Umgebung und der aktuelle Zeitgeist prägen uns

In einer durch Konsum und Leistung geprägten Gesellschaft wird unweigerlich auch unser Verständnis von Zufriedenheit mitgeprägt. Schauen wir uns einige Einflüsse an, mit welchen auch ein Christ konfrontiert wird:

Die Denkweise, dass man nur dann glücklich ist, wenn besondere Bedürfnisse gedeckt sind: Nicht nur durch tägliche Werbebotschaften kann sich der Eindruck aufdrängen, dass man erst dann genug hat, wenn bestimmte fleischliche Bedürfnisse gedeckt sind. So entsteht manchmal unbemerkt ein Gefühl von Unzufriedenheit mit der aktuellen Lebenssituation.

 

Anspruch-Mentalität:

Apostel Paulus warnt davor, dass sich die Menschen in den letzten Tagen unter anderem durch Selbstsucht, Prahlerei und Unenthaltsamkeit hervortun werden (vgl. 2.Tim 3,2-3). Es ist eine Einstellung des Menschen, gern etwas für sich zu beanspruchen, aber ungern nachzugeben. Der moderne Mensch kennt sich mit seinen Rechten gut aus und lebt nach dem Motto „Ich habe Anspruch darauf“. Den Menschen wird es zunehmend schwerer fallen, auf das eigene Recht zu verzichten oder sich mit Wenigem zufriedenzugeben.

 

Gott als „Wunsch-Erfüller“:

Wir erleben die Einwirkung von Bewegungen wie „New Age“ auf die moderne Gesellschaft. Dabei wird unter anderem angenommen, dass der Mensch von Natur aus gut sei und im Mittelpunkt stehe. Es geht das wichtige Grundverständnis verloren, dass der Mensch nur eine Schöpfung ist und vollständig von Gott als dem allmächtigen Schöpfer abhängt. Es steht nicht mehr der Wille Gottes im Vordergrund, sondern der Mensch und seine Bedürfnisse. Gott nimmt in solchen Weltanschauungen die Rolle eines Wesens an, welches dafür zuständig ist, die Wünsche des Menschen zu erfüllen.

Das sind nur einige Tendenzen, die es heute einem Christen nicht gerade einfach machen, mit den gegebenen Umständen zufrieden zu sein. Dennoch zeigt uns das Wort Gottes, dass es sehr wohl möglich ist, genügsam zu sein und dass man gar nicht so viel dafür braucht.

 

Was kostet es, zufrieden zu sein?

Fehlt es an Genügsamkeit, sucht der Mensch in anderen Quellen nach persönlicher Zufriedenheit, um am Ende doch festzustellen, dass man unter dem Strich mehr verloren als gewonnen hat. So kann man Zufriedenheit in der Karriere suchen und dabei den Segen in der Familie verlieren oder nach Wohlstand streben und dabei die eigene Gesundheit einbüßen. Daher fordert Gott vom Menschen nicht umsonst, mit der aktuellen Lage zufrieden zu sein und das nicht nur dann, wenn bestimmte Erfolge erreicht sind.

Paulus schreibt in 1.Timotheus 6,8: „Wenn wir aber Nahrung und Kleidung haben, so wollen wir uns damit begnügen“ und zeigt damit auf, dass es eigentlich gar nicht viel braucht, um zufrieden zu sein.

Wenn die Grundbedürfnisse also gedeckt sind, sollte ein Christ damit zufrieden sein können. Weise Menschen haben dieses Prinzip erkannt und bezeugen, dass Zufriedenheit nicht vom aktuellen Wohlstand abhängen muss, wie auch im Buch Sprüche zu lesen ist: „Besser wenig mit der Furcht des Herrn als ein großer Schatz, bei dem Unruhe ist“ (Spr 15,16). Die Quelle für diese Zufriedenheit liegt jedoch nicht auf der Oberfläche, sondern geht viel weiter und reicht hinein bis in die Tiefe unserer Beziehung zu unserem Herrn.

 

Quelle und Weg zur Zufriedenheit: Unser Verhältnis zu Jesus Christus

Seid nicht geldgierig, und lasst euch genügen an dem, was da ist. Denn er hat gesagt (Josua 1,5): »Ich will dich nicht verlassen und nicht von dir weichen«“ (Hebr 13,5).

Diese Zusage Gottes ist Grund genug, bereits jetzt mit dem zufrieden zu sein, was da ist. Gott hat die Situation unter Kontrolle und versichert uns, dass „das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung [ist]“ (Lk 12,23).

Als liebender Vater sorgt Sich Gott um Seine Kinder, aber Er möchte der Mittelpunkt ihres Lebens bleiben. Das Wort Gottes zeigt eindeutig, dass der Kern echter Freude nicht in materiellen oder leiblichen Dingen liegt, sondern in unserer Beziehung zu dem Herrn. Wenn ein Christ dies aus dem Blick verliert, sucht er nach anderen Quellen für seine innere Zufriedenheit und wird dabei viel verlieren. Genau davor warnte Gott Israel: „Wenn du gegessen hast und satt bist und schöne Häuser erbaust und darin wohnst, […] dann hüte dich, dass dein Herz sich überhebt und du den Herrn, deinen Gott, vergisst, der dich aus dem Ägyptenland geführt hat, aus der Knechtschaft“ (5.Mo 8,12.14).

Das Wort Gottes zeigt eindeutig, dass der Kern echter Freude nicht in materiellen oder leiblichen Dingen liegt, sondern in unserer Beziehung zu dem Herrn.

Israels Erfolg und Zufriedenheit hingen direkt von ihrem Verhältnis zu Gott ab. Sobald es ihnen gut ging, wurden sie überheblich. Die Umstände waren ihnen trotz Wohlstand nicht mehr gut genug und sie hingen sich an fremde Götter. Das Buch Richter ist bezeichnend dafür, dass Gott Sein Volk deshalb immer wieder durch äußere Erschütterungen zur Besinnung führte, um im Endeffekt wieder ihr Herz zu gewinnen und sie zur Genügsamkeit zu führen.

Auch heute handelt Gott ähnlich an uns, wie im Leben des Paulus. Paulus schaffte es, genügsam zu sein. Er schrieb im Brief an die Philipper: „Denn ich habe gelernt, mir genügen zu lassen, wie’s mir auch geht. Ich kann niedrig sein und kann hoch sein; mir ist alles und jedes vertraut: beides, satt sein und hungern, beides, Überfluss haben und Mangel leiden; ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht
(Phil 4,11-13).

 

Paulus musste es erst lernen, denn Zufriedenheit ist ihm nicht einfach so in den Schoß gefallen. Der Kern seiner Zufriedenheit lag jedoch in seinem Verhältnis zu seinem Herrn Jesus Christus, der ihn mächtig machte.

Einerseits offenbarte Gott Paulus vieles. Gleichzeitig erzog Er ihn aber, dass er sich nicht überhob. Wir lesen in 2.Korinther 12,7-9: „Und damit ich mich wegen der hohen Offenbarungen nicht überhebe, ist mir gegeben ein Pfahl ins Fleisch, nämlich des Satans Engel, der mich mit Fäusten schlagen soll, damit ich mich nicht überhebe. Seinetwegen habe ich dreimal zum Herrn gefleht, dass er von mir weiche. Und er hat zu mir gesagt: Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft vollendet sich in der Schwachheit. Darum will ich mich am allerliebsten rühmen meiner Schwachheit, auf dass die Kraft Christi bei mir wohne.

Aus menschlicher Sicht war Paulus nicht erfreut über diese Erschütterung oder Einschränkung in seinem Leben, aber sie waren nötig. Gott hat die Umstände nicht gelockert und auch nicht geändert, aber Paulus lernte eine Lektion: Gottes Gnade genügt, denn die Kraft Christi wohnte trotz seiner Einschränkungen bei ihm.

 

Zufriedenheit in deiner Situation

Ähnlich wie Israel nahmen auch wir das Gute als selbstverständlich an oder konnten erst gar nicht genug davon bekommen. Erfolgsverwöhnt können auch wir überheblich geworden sein und unseren Herrn aus den Augen verloren haben. In diesem Fall ist es nicht verwunderlich, wenn Unzufriedenheit einkehrt und uns die Umstände nicht mehr als gut genug erscheinen.

Durch so manche Erschütterung wird auch die Gemeinde Jesu wie Paulus lernen, was es heißt, genügsam und zufrieden zu sein.

Nun, das vergangene Jahr hat deutlich unsere menschlichen Grenzen aufgezeigt, weil sich Umstände schnell ändern können und wir nicht die Macht haben, dagegen etwas auszurichten. Auch die Zukunft können wir nicht so verlässlich planen wie bisher. Darüber hinaus können unsere Sicherheiten erschüttert werden, sei es finanziell oder gesundheitlich.

Dies alles ist aber kein Anlass, den Mut sinken zu lassen. Es ist umso mehr ein wichtiges Zeichen Gottes, dass Er über Seine Gemeinde wacht. Durch so manche Erschütterung wird auch die Gemeinde Jesu wie Paulus lernen, was es heißt, genügsam und zufrieden zu sein, nicht nur im Überfluss, sondern auch im Mangel. Die gute Nachricht ist, dass wir dadurch wieder das prüfen können, was am wichtigsten ist, nämlich die Tiefe unserer Beziehung zu unserem Herrn Jesus Christus. Und nur das lässt mich und dich wieder genügsam und zufrieden auf unser Leben blicken, jetzt und auch in der Zukunft.

 

Alexander Goldnik
Gemeinde Bruchmühlbach

 

Bibelzitate folgen, wenn nicht anders gekennzeichnet, der Übersetzung von Martin Luther (rev. 1984).