GOTT erkennen heißt Gott LIEBEN

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GOTT erkennen heißt Gott LIEBEN

2023-11-30T15:57:08+01:0030. November 2023|

Jemand sagte einmal: „Wer danach trachtet, Gott über alles zu lieben, der muss danach streben, Gott bestmöglich zu erkennen.“ Jeder Mensch wird früher oder später mit der Frage konfrontiert, ob es einen Gott gibt. Und wenn ja, wie Er eigentlich ist. Das sind existenzielle Fragen des Lebens! Wie sieht es mit deiner Gotteserkenntnis aus?

 

Gotteserkenntnis ist der Wille Gottes

Um auf die Frage nach Gottes Wesen eine befriedigende Antwort finden zu können, ist es unbedingt notwendig, Gott so gut wie irgend möglich kennenzulernen. Von der wahren Gotteserkenntnis hängt das Heil eines jeden Menschen ab. Doch Gott ist Geist. Und deshalb kann Er nur durch den Glauben erkannt werden: „Ohne Glauben aber ist es unmöglich, ihm wohlzugefallen; denn wer zu Gott kommt, muss glauben, dass er ist, und dass er die belohnen wird, welche ihn suchen“ (Hebr 11,6).

 

Die richtige Gotteserkenntnis erhalten wir nur, wenn wir in dem wahrhaftigen, lebendigen Glauben an den Herrn stehen. Mit menschlichem Denkvermögen ist es einfach nicht möglich, Ihn zu erkennen! Zophar, der Freund Hiobs, drückte es einst so aus: „Kannst du die Tiefe Gottes ergründen oder zur Vollkommenheit des Allmächtigen gelangen?“ (Hiob 11,7). Der Apostel Paulus greift diese Worte auf und versucht seinerseits, die Majestät Gottes zu beschreiben. „O welche Tiefe des Reichtums sowohl der Weisheit als auch der Erkenntnis Gottes! Wie unergründlich sind seine Gerichte, und wie unausforschlich seine Wege!“ (Röm 11,33).

Welch unendliche Tiefe liegt in der Majestät Gottes! Und doch – der ewige, der unbegreifliche, der unendliche Gott lässt uns begrenzte Wesen Ihn, der grenzenlos ist, erkennen. Mehr noch, es ist sogar der souveräne Wille Gottes, dass Seine Kinder Ihn, den wahren Gott, erkennen und in Seiner Erkenntnis wachsen und stetig zunehmen (vgl. 2.Petr 3,18). Der allmächtige und liebende Gott lässt uns nicht im Dunkeln stehen. Er offenbart Sich uns Menschen durch Sein heiliges Wort: „Nachdem Gott in vergangenen Zeiten vielfältig und auf vielerlei Weise zu den Vätern geredet hat durch die Propheten, hat er in diesen letzten Tagen zu uns geredet durch den Sohn, […] dieser ist die Ausstrahlung seiner Herrlichkeit und der Ausdruck seines Wesens“ (Hebr 1,1-3). Im Evangelium nach Johannes wird erklärt: „Niemand hat Gott je gesehen; der eingeborene Sohn, der im Schoß des Vaters ist, der hat Aufschluss [über ihn] gegeben“ (Joh 1,18).

 

Nach dieser herrlichen Offenbarung ist die Erkenntnis Gottes zu einer unabdingbaren Voraussetzung geworden, um das Heil und das ewige Leben zu ergreifen: „Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, den allein wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen“ (Joh 17,3). Jesus Christus kam auf die Erde und wurde Mensch, damit wir Gott erkennen können: „Wir wissen aber, dass der Sohn Gottes gekommen ist und uns Verständnis gegeben hat, damit wir den Wahrhaftigen erkennen. Und wir sind in dem Wahrhaftigen, in seinem Sohn Jesus Christus. Dieser ist der wahrhaftige Gott und das ewige Leben“ (1.Joh 5,20).

Solange wir Pilger auf dieser Erde sind, ist es unsere Aufgabe, den Ewigen mehr und mehr zu erkennen, geistlich zu wachsen und zu reifen. Das ist Sein Wille für uns. Der Tag wird sehr bald kommen, an dem die Gläubigen ihren Herrn vollkommen erkennen werden. Sie werden vor Ihm stehen und Ihn klar sehen: „Denn wir sehen jetzt mittels eines Spiegels wie im Rätsel, dann aber von Angesicht zu Angesicht; jetzt erkenne ich stückweise, dann aber werde ich erkennen, gleichwie ich erkannt bin“ (1.Kor 13,12).

 

Die richtige Gotteserkenntnis erhalten wir nur, wenn wir in dem wahrhaftigen, lebendigen Glauben an den Herrn stehen.

 

Die Herzenshaltung ist entscheidend

Unsere Gotteserkenntnis soll jedoch nicht in beliebiger Weise geschehen. Es kommt darauf an, die richtige Vorstellung von Gott zu erlangen. Eine Gotteserkenntnis, die Ihm würdig ist. Dies kann nur durch den richtigen Wandel vor Ihm gelingen. Gott ist ein eifernder Gott und wird Seine Ehre mit niemandem teilen. Es ist unmöglich, zwei Herren zu dienen (vgl. Mt 6,24). Die Anbetung Gottes soll im Geist und in der Wahrheit erfolgen. Irdische Komponenten oder gar leblose Gegenstände haben hier keinen Platz. Wir lesen in den zehn Geboten, dass es dem Volk Israel streng verboten war, irgendwelche Dinge in ihrem Leben zu Nebengöttern zu erheben und ihnen zu dienen (vgl. 2.Mo 30,3-4).

Weil Gott Geist ist, kann nichts Materielles oder gar von Menschenhand Gemachtes Ihm gleich sein. Er eifert und achtet sehr darauf, dass Sein Volk Ihn mit Würde und Ehrerbietung anbetet. Die Einzigartigkeit Gottes bedingt auch eine einzigartige Hingabe an Ihn. Das Fehlen völliger Hingabe und geistlichen Eifers ist eine Sünde in Gottes Augen und zieht ernste Konsequenzen nach sich (vgl. 2.Mo 30,5). Indes erweist Er denen, die Ihm durch ihren Gehorsam Treue erweisen, Barmherzigkeit: „Denn das ist die Liebe zu Gott, dass wir seine Gebote halten“ (1.Joh 5,3).

 

Um nicht irgendeine, sondern die richtige, angemessene Vorstellung von Gott zu erlangen, braucht es die Gesinnung, wie sie einst Johannes hatte: „Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen“ (Joh 3,30). Die Erkenntnis in Gott kann also nur dann zunehmen, wenn wir die menschliche Nichtigkeit erkennen und akzeptieren. Es muss uns klar vor Augen stehen, wie abhängig wir von dem sind, der in uns das Leben bewirkt. König David befand sich einst in einer Situation, wo er vor den Herrn treten musste. Er wusste bereits aus Erfahrung, worauf es dabei ankommt. Als er von dem Propheten Gad aufgefordert wurde, für sein Verschulden einen Altar zu bauen, um dem Herrn darauf ein Opfer zu bringen, damit die Plage von dem Volk abgewandt würde, sprach er: „Denn ich will dem Herrn, meinem Gott, kein Brandopfer darbringen, das mich nichts kostet!“ (2.Sam 24,24).

Diese Aussage zeigt Davids Herzenshaltung und Gotteserkenntnis. Er verstand, dass er dem Herrn nicht irgendetwas bringen konnte. Es musste etwas Wertvolles sein, etwas, dass ihn etwas kostete. Nur wenn es das Beste ist, ist es eine seiner Erhabenheit würdige und wohlgefällige Gabe.

 

Gott ist unbeschreiblich und unvergleichlich

Vor ihrem Einzug in das gelobte Land belehrte und ermahnte Mose das Volk Israel eindringlich. Dabei sprach er einen wichtigen Punkt aus ihren Erfahrungen während der Wüstenwanderung an (vgl. 5.Mo 4,14ff). Als der Herr am Berg Horeb aus dem Feuer heraus sprach, sah das Volk keinerlei Gestalt (vgl. 5.Mo 4,12). Deshalb sollten sie niemals versuchen, Gott mittels irgendeines Bildnisses oder Abbildes darzustellen.

Die Israeliten sahen, dass die Völker um sie herum eine Religion der Verehrung von Götzenbildern aller Art praktizierten. Ihnen hingegen war es damals genau wie uns heute verboten, Gott in irgendein Bildnis zu kleiden, Ihm eine begrenzende Form zu geben und dadurch Seine geheimnisvolle „Transzendenz“ infrage zu stellen. Das Ergebnis einer solchen Handlung und heidnischer Vorstellungen über die Gottheit wäre ein geistlicher Bankrott.

Ein weiterer Grund dafür, dass Israel jede Form des Götzendienstes ablehnen musste, war die Tatsache, dass sie aus Ägypten herausgeführt worden waren. Aus einem heidnischen Land, in dem dutzende falscher Götter durch Bildnisse verehrt wurden. Ihr Aufenthalt in Ägypten als Sklaven unter Götzendienern wird mit dem Aufenthalt in einem „Eisenschmelzofen“ verglichen (vgl. 5.Mo 4,20). Jetzt aber waren sie Gottes Eigentum geworden, befreit von dem Joch und von Ihm für eine besondere Berufung bestimmt.

 

Jesus Christus kam auf die Erde und wurde Mensch, damit wir Gott erkennen können. Bildquelle: AdobeStock_624366164 @ MAXSHOT_PL

 

Der Mensch kann Gott nicht völlig begreifen

In ähnlicher Weise beschreibt der Apostel Petrus auch unsere Berufung: „Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, […] damit ihr die Tugenden dessen verkündet, der euch aus der Finsternis berufen hat zu seinem wunderbaren Licht […]. Enthaltet euch der fleischlichen Begierden, die gegen die Seele streiten; und führt einen guten Wandel unter den Heiden, […] damit sie Gott preisen“ (1.Petr 2,9-12). Der souveräne Gotteswille ist, „dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen“ (1.Tim 2,4).

Gott möchte, dass wir Menschen erkennen, wie Er ist. „Mitten im Leben muss Gott erkannt werden; im Leben und nicht erst im Sterben, in Gesundheit und Kraft und nicht erst im Leiden, im Handeln und nicht erst in der Sünde will Gott erkannt werden“, so formulierte es einst Dietrich Bonhoeffer. Und Er lässt sich erkennen. Durch die Heilige Schrift wird uns Sein göttliches Wesen vorgestellt.

Apostel Paulus beginnt seinen Brief an die Römer mit den folgenden Worten: „Das er zuvor verheißen hat in heiligen Schriften durch seine Propheten [nämlich das Evangelium] von seinem Sohn, der hervorgegangen ist aus dem Samen Davids nach dem Fleisch und erwiesen ist als Sohn Gottes in Kraft nach dem Geist der Heiligkeit durch die Auferstehung von den Toten, Jesus Christus, unseren Herrn“ (Röm 1,2-4). „Erwiesen“ bedeutet „wurde vorgestellt und ist auch heute gegenwärtig“. Für uns bleibt nur noch die Aufgabe, dem Geist Gottes zu erlauben, in uns Seine Wohnung zu errichten und alles uns Mögliche zu tun, damit dies geschehen kann.

 

Gegen Ende seiner Unterweisung über die Gerechtigkeit Gottes, die sich in seiner souveränen Erwählung erweist, lobt und verherrlicht Apostel Paulus den Allmächtigen. Er ruft aus: „O welche Tiefe des Reichtums sowohl der Weisheit als auch der Erkenntnis Gottes!“ (Röm 11,33). Gottes Plan zur Errettung der Menschheit zeugt von der Allwissenheit und der Allmacht des Schöpfers. Gott offenbart die Bedeutung Seiner Gerichte und Wege, damit die Menschen erkennen und wohl verstehen, dass Gott sie alle liebt und erretten will. Aber auch, dass ein Mensch nie in der Lage ist und sein wird, Ihn völlig zu begreifen. Und dennoch lässt Er Sich von denen finden, die Ihn von ganzem Herzen suchen.

 

Gott teilt Sich durch Sein Wort mit

Gottes Wille ist es, Sich durch Seine Schöpfung zu verherrlichen. Dazu hat Er auf eine wunderbare Art und Weise den Menschen geschaffen, der diese Aufgabe in besonderem Maße erfüllen soll. Der demütige Mensch erkennt dieses Wunderwerk Gottes und spricht: „Ich danke dir dafür, dass ich erstaunlich und wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke, und meine Seele erkennt das wohl!“ (Ps 139,14).

Der Psalmist vergleicht hier seine gesamte innere Struktur in ihrer erstaunlichen Einheit und gegenseitigen Abhängigkeiten mit einem kunstvoll gewebten Stoff, in dem jeder Faden im Zusammenhang mit anderen die Vollständigkeit der Absicht des großen Künstlers zum Ausdruck bringt. Wohl dem, der seine Anhängigkeit als geschaffene Kreatur erkennt und als weiser Baumeister tief gräbt, um sein Leben auf einem festen Grund zu gründen. „Der ist wie ein Baum, gepflanzt an Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und seine Blätter verwelken nicht, und alles, was er tut, gerät wohl“ (Ps 1,3).

 

Wir müssen verstehen, dass wir getrennt von Ihm nichts vermögen und dass der Allmächtige bereits alles in Seinem Wort geoffenbart hat, was wir für Seine Erkenntnis benötigen. Jesus sprach einmal: „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und euch dazu bestimmt, dass ihr hingeht und Frucht bringt“ (Joh 15,16). Wie die Jünger damals so werden auch wir heute daran erinnert, dass sie entgegen der damaligen Praxis nicht selbst ihren Meister wählten, sondern dass Er sie erwählte, damit sie ständig Frucht trugen und somit dem Allmächtigen die Ehre erwiesen.

Denn was kann ein Mensch dem Schöpfer bieten, was Ihm nicht von Anfang an gehört? Schließlich hat Seine Hand alles geschaffen und aller Anfang gehört Ihm allein. Wie viel weniger kann der Mensch die Bedingungen vorgeben, unter denen Sich Gott finden und erfahren lässt.

 

Mit dem menschlichen Denkvermögen ist es einfach nicht möglich, Gott zu erkennen! Bildquelle: AdobeStock_209866700 @ kras99

 

Jesus Christus – die vollkommene Gottesoffenbarung

Im Johannesevangelium lesen wir: „Niemand hat Gott je gesehen; der eingeborene Sohn, der im Schoß des Vaters ist, der hat Aufschluss [über ihn] gegeben“ (Joh 1,18). Die Feststellung, niemand habe Gott jemals gesehen, scheint auf den ersten Blick für Verständnisschwierigkeiten zu sorgen. Schließlich finden wir doch in der Schrift auch andere Aussagen dazu, wie etwa einst Jesaja sprach: „Denn meine Augen haben den König, den HERRN der Heerscharen, gesehen!“ (Jes 6,5).

Und doch ist es so, dass Gott in Seinem Wesen und Seiner Fülle für das menschliche Auge unsichtbar bleibt. Tatsächlich sahen weder Jesaja noch Mose oder Elia noch sonst irgendein Mensch Gott persönlich. Das, was die Menschen manchmal zu sehen bekamen, war Seine Herrlichkeit. Manchmal erlebten sie das Erscheinen Gottes in Form eines Engels oder in Menschengestalt.

Als sich aber die Zeit erfüllte, wurde das innere Wesen Gottes den Menschen in Jesus Christus offenbart. „Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns; und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit“ (Joh 1,14). Das Bild des Sohnes im Schoß des Vaters zeugt von einer besonderen Nähe zwischen dem Vater und dem Sohn. Der Sohn offenbart den Vater im Sinne einer Offenbarung der väterlichen Liebe und der Absicht, die Menschheit zu erretten. Der Weg zum Vater ist uns durch Seinen Sohn Jesus Christus eröffnet worden.

Jesus spricht: „Ich bin der Weg“, der zum Vater führt, der auch die „Wahrheit und das Leben“ ist (vgl. Joh 14,6). Und weil Er in Sich die Gestalt „der Wahrheit und des Lebens“ Seines Vaters trägt, ist Er auch die einzige Verbindung, durch welche die Menschen den Zugang zum Vater, „der Wahrheit und des Lebens“ erlangen können. Mit den Worten „niemand kommt zum Vater, als nur durch mich!“ (Joh 14,6) betont Jesus, dass es entgegen der menschlichen Vorstellung nicht viele Wege gibt, die zur Erlösung führen. Es gibt nur einen einzigen Weg, der zum Vater führt und dieser ist der Herr Jesus Christus! Er allein, der mit dem Jubelruf am Kreuz „Es ist vollbracht!“ das Erlösungswerk vollendet und die einst verloren gegangene Verbindung zum Vater wiederhergestellt hat.

 

Einflüsse der Welt – Gefahren für unsere Gottesvorstellung

Das Wort Gottes ermutigt uns, auf unseren Wandel zu achten und ermahnt jeden festzuhalten, was er hat. Es besteht also eine reelle Gefahr zu verlieren, was man einst erhalten hat. Es gibt heute sehr viele Möglichkeiten, schnell und einfach an verschiedenste Informationen zu gelangen. Dadurch öffnen sich auch viele Türen, hinter denen Gefahren lauern. Die Gefahr, verführt zu werden, ist heute so groß wie nie zuvor. Mithilfe des Internets steht dem Nutzer die Welt binnen Sekunden offen. Durch die aufgenommenen Informationen, sei es Audio oder Video, werden wir in unserem Bewusstsein beeinflusst. Das Gehörte und Gesehene hinterlässt Spuren.

Gott, der Herr, will Sein Volk aber bewahren, weil wir Ihm sehr kostbar sind. Durch Sein heiliges Wort hat Er für diejenigen, die es beachten und befolgen, einen besonderen Schutz zugesichert: „Und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen!“ (Joh 8,32). Gott ist die Wahrheit und je mehr wir in Seinem Wort, der Wahrheit, verbleiben, desto besser und klarer wird unsere Gotteserkenntnis.

Dieser besondere Schutz wirkt wie eine Immunität. Sie bewahrt von allerlei Versuchungen und Krankheiten und bietet jedem die echte Freiheit in Christus an. Die Menschen wollen heute frei sein. Sie wollen keine Verpflichtungen eingehen. Aber bewusst oder unbewusst geraten sie in die Netze der Verführer, wenn sie ohne festen Stand der wahren Gotteserkenntnis ungeschützt unterwegs sind.

 

Die Gefahr des Liberalismus

Eine weitere große Gefahr, die leider auch in unseren Gemeinden deutlich sichtbar wird, ist die liberale menschliche Gottesvorstellung. Dieser Einstellung liegt die Idee zugrunde, aufgeklärt zu sein und frei denken zu wollen. Das Prinzip lautet häufig: „Ich kann dem Herrn dienen, wie und wo ich will.“ Viele so genannte Christen möchten auf ihre eigene Art und Weise frei sein, wollen sich der Ortsgemeinde nicht mehr unterordnen und ziehen sich vom Gemeindeleben mehr und mehr zurück. „Ich lasse mir von der Gemeindeleitung nichts auferlegen“, sagen solche Menschen.

Der Herr Jesus Christus bietet uns einen Schutz vor solchen falschen Vorstellungen. Wir finden diesen Schutz in den Worten: „Und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten des Totenreiches sollen sie nicht überwältigen“ (Mt 16,18). Dem aufmerksamen Leser der Textpassage im Kapitel 16 entgeht nicht, in welchem Kontext diese Aussage steht. Zuvor wird nämlich beschrieben, wie der Jünger Petrus zur richtigen Gotteserkenntnis kam, die ihm zur Seligkeit und Garantie besonderer Segnungen wurde.

Der Herr stellte heraus, dass Petrus nicht aus eigenem Antrieb zu seiner Schlussfolgerung kam, sondern dass der Vater im Himmel ihm diese offenbart hatte. Wäre Petrus nicht in der engen Gemeinschaft mit Jesus Christus, hätte er dann diese Offenbarung bekommen? Ich denke nicht! Jesus betont weiterhin, dass selbst die Pforten des Totenreiches nicht in der Lage sein werden, die Gemeinde zu überwältigen, in der Er selbst als Baumeister fungiert. Die Gemeinde Jesu – welch ein sicherer Ort der Begegnung mit Gott!

 

Gott lässt sich von denen finden, die Ihn von ganzem Herzen suchen.

 

Die Gefahr der „billigen Gnade“

Eine falsche Gotteserkenntnis kann auch dann entstehen, wenn mit der Gnade Gottes leichtfertig umgegangen wird. Wenn die echte Gnade mit einer „billige Gnade“ verwechselt wird, einer Gnade ohne Preis und ohne Kosten. Bei der die Majestät Gottes auf menschliche Ebene herabgestuft und der Mensch in die Sünde des Götzendienstes verfällt. Und bei der die Gnade Gottes versäumt werden kann. „Und achtet darauf, dass nicht jemand die Gnade Gottes versäumt, dass nicht etwa eine bittere Wurzel aufwächst und Unheil anrichtet und viele durch diese befleckt werden“ (Hebr 12,15).

Wer die Gnade Gottes versäumt, wird mit einer bitteren Wurzel verglichen, einer Wurzel, die Gift und Wermut hervorbringt. Schon Mose warnte die Israeliten seinerzeit davor, dass sie immer wieder Menschen gegenüberstehen würden, die durch Abwendung von Gott zu Götzendienern wurden (vgl. 5.Mo 29,17-18). Sie hatten solche Erfahrungen schon in Ägypten gesammelt und sogar auf dem Weg ins verheißene Land waren sie in die Sünde des Götzendienstes gefallen. Sie hatten auch heidnische Götzen mit eigenen Augen gesehen und waren mit den Abscheulichkeiten, die mit dem Götzendienst einhergehen, vertraut.

Es sollte ihnen und auch uns heute jedoch klar sein, dass jemand, der sich im Herzen von Gott abwendet und damit beginnt, „falsche Götter“ anzubeten, einer bitteren Wurzel gleich ist. Eine Wurzel, die sich ausbreitet, aufwächst und Verderben bringt. Möge Gott jeden einzelnen von uns bewahren, in so einen blinden Zustand zu verfallen. Damit nicht auch uns ein schlechtes Zeugnis ausgestellt werden muss, wie es Paulus einst an einige in Korinth richtete: „Denn etliche haben keine Erkenntnis Gottes; das sage ich euch zur Beschämung“ (1.Kor 15,34).

 

Gute und schlechte Vorbilder

Wir finden viele Beispiele in der Heiligen Schrift, wie Gott, der Herr, Sich den Menschen geoffenbart hat. Viele Vorbilder laden uns durch ihren Lebenswandel dazu ein, ihrem Beispiel zu folgen. Nachdem der Apostel Paulus zuvor sein Lebensziel formuliert hatte, Christus ähnlicher zu werden, zögerte er nicht, die Philipper aufzufordern und zu bitten, ihm nachzuahmen. In seinem unermüdlichen Streben, Christus zu erkennen und Ihm ähnlicher zu werden, haben wir ein wunderbares Vorbild bekommen, Gott näher kennenzulernen.

Leider geschieht es aber auch, dass einige in der Nachfolge und auf der Suche, Gott zu erkennen, von dem wahren Weg abkommen. Dies war auch in der Gemeinde zu Phillipi der Fall: „Denn viele wandeln, wie ich euch oft gesagt habe und jetzt auch weinend sage, als Feinde des Kreuzes des Christus; ihr Ende ist das Verderben, ihr Gott ist der Bauch, sie rühmen sich ihrer Schande, sie sind irdisch gesinnt“ (Phil 3,18‑19).

Paulus war um das geistige Wohlergehen der Philipper so sehr besorgt, dass er sie oft vor der Gefahr warnte, die von den beschriebenen Menschen ausging. Er tat es sogar unter Tränen. Paulus sagt über sie: „Ihr Gott ist der Bauch“ und meint damit, dass sie sich nur von ihren körperlichen Wünschen leiten ließen und insbesondere ihrem Fleisch und ihrem Bauch auf jede erdenkliche Weise gefallen wollten. Anstatt Gott die Ehre zu geben, suchten sie nach Lob und Ruhm für sich selbst und waren stolz auf Dinge, für die sie sich eigentlich schämen sollten. Zuvor ruft der Apostel die Gemeinde auf, den guten Vorbildern zu folgen und ihre Nachahmer zu werden. Gläubige müssen lernen, Wahrheit von Irrtum zu unterscheiden und Gott gefällig zu leben.

Möge Gott uns beistehen und helfen, unserer Berufung gerecht zu werden. Unsere Berufung besteht darin, dem Evangelium Christi würdig zu leben. Ihn zu erkennen, ist die Pflicht eines jeden, der sich ein Kind Gottes nennt. Gott zu erkennen bedeutet, persönliche Erfahrungen mit Ihm zu sammeln. Während sich der Gläubige in der Erkenntnis Gottes im Geiste erneuert und Christus immer ähnlicher wird, wird er von einem immer größeren Wunsch erfasst, nicht nach seinem eigenen Willen, sondern nach dem Willen Gottes zu streben und zu leben. Schließlich wird jeder, der den Herrn erkennen will, verstehen, dass ihn die Gotteserkenntnis in Gottes Wohlgefallen bringen wird.

 

Vladimir Scheling

Gemeinde Bremen-Vahr