Hoffnung zwischen Trümmern

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Hoffnung zwischen Trümmern

2026-08-17T10:47:38+02:0017. August 2026|

Im Februar 2023 erschütterte ein sehr schweres Erdbeben die Türkei und forderte mehr als 75.000 Menschenleben. Die immense Zerstörung wirkt bis heute nach, aber auch in dieser Tragödie wirkt Gott und rettet Menschen.

 

Ankunft und Planung

Am 2. Dezember 2025 machte sich unsere 14-köpfige Gruppe auf den Weg nach Antakya. Einen Tag später kamen wir dort an und wurden herzlich von der Gemeinde empfangen, bei der wir untergebracht waren. Inmitten der Tragödie sind in dieser Region vor zwei Jahren drei neue christliche Gemeinden entstanden – kleine, junge Gemeinschaften, organisiert von Menschen, die selbst alles verloren haben und dennoch Hoffnung weitergeben. Genau diesen Menschen wollten wir zur Weihnachtszeit Nächstenliebe bringen: Licht und Zuversicht für Kinder und Familien, die noch immer mit Verlusten und schweren psychischen Belastungen leben.

 

Hausbesuch bei den siamenischen Zwillingen und den geschenkten Gitarren. Der rechte Junge ist nach 1,5 Monaten leider verstorben

 

Schon am nächsten Morgen begannen wir damit, Weihnachtstüten zu packen. Diese Tüten wurden von Kindern aus der Gemeinde Lage gestaltet – auf der einen Seite mit Noah und der Arche, auf der anderen mit dem türkischen Schriftzug: „Jesus liebt dich“. Gefüllt wurden sie mit Malbüchern, Buntstiften, Anspitzern, Haarspangen, Zahnbürsten und Zahnpasta, Schokolade, kleinen Geschenken sowie dringend benötigter Winterkleidung. Insgesamt entstanden 99 liebevoll zusammengestellte Tüten. Am Abend durften wir an der Bibelstunde der Gemeinde teilnehmen und auch mit dem Wort dienen.

 

Einkauf von den Grundnahrungsmitteln für christliche Familie

 

Wiederaufbau

Ein weiterer Programmpunkt führte uns nach Samandağ. Dort besuchten wir wiederaufgebaute Häuser, an deren Fertigstellung sich das Missionswerk Stephanus beteiligt hatte. Bereits am 26. April 2024 waren neun Helferinnen und Helfer angereist, um diese Häuser fertigzustellen. Heute lebt dort eine sechsköpfige Familie sowie eine weitere Familie aus Korea. Die Lebensumstände der Menschen im Erdbebengebiet sind weiterhin von Armut, beschädigten Häusern und dem Verlust von Angehörigen geprägt – Traumata, die kaum verarbeitet werden können.

 

Hausbesuch, bei der Familie, bei dem sich eine Frau vom muslimischen Glauben zu Jesus bekehrt hat

 

Vertrauen auf Gott

Einige Begegnungen sind mir dabei besonders im Gedächtnis geblieben:

  1. Fünf Schwestern leben gemeinsam in einem Container, nachdem ihr Zuhause vollständig verschüttet wurde. Küche und Toilette befinden sich im selben Raum – Privatsphäre gibt es kaum.
  2. Eine andere Familie, die ebenfalls mit schweren Erdbebenschäden lebt, nutzt ihre Erfahrungen und ihren Glauben, um anderen von Jesus zu erzählen. Sie leitet inzwischen einen wachsenden Hauskreis. Als wir erfuhren, dass dringend etwa 30 Stühle benötigt wurden, konnten wir diese organisieren.
  3. Besonders bewegend war der Besuch bei einer Familie mit siamesischen Zwillingen. Die achtjährigen Jungen wurden nach der Geburt operiert und leben seitdem mit geistigen Einschränkungen. Einer von ihnen wünschte sich sehnlichst eine Gitarre, da seine beim Erdbeben zerstört worden war. Am 25. Januar 2026 erhielten wir die Nachricht, dass einer der beiden Jungen plötzlich verstorben war.
  4. Wir besuchten auch ein älteres Ehepaar, das in den Überresten einer Ruine lebt. Der Großvater ist an Krebs erkrankt und sucht trotz allem nach Gott.
  5. Mehrere Familien haben schwer erkrankte Väter: Einer von ihnen leidet an schweren Lungenproblemen, ein anderer kämpft gegen Magenkrebs und ist so geschwächt, dass er kaum sprechen kann. Die Stille in diesen Räumen war oft schwer auszuhalten – und doch begegneten uns Dankbarkeit und Würde.
  6. Eine weitere Familie lebt in einem selbstgebauten Haus, nachdem ihr ursprüngliches Zuhause zerstört wurde. Der taubstumme Sohn leidet seit dem Erdbeben an Darmkrebs, der Vater ist psychisch und geistig stark beeinträchtigt. Trotz aller Not beeindruckten uns ihr Mut und ihre Hoffnung.

 

Die seit dem Erdbeben von Stephanus unterstützte 5 Schwestern. Hausbesuch

 

Gott schenkt Hoffnung

Jede Familie hatte ihr Zuhause durch das Erdbeben verloren. Wir beteten mit ihnen, übergaben Lebensmittelpakete und Bibeln sowie finanzielle Unterstützung. Zum Abschluss besuchten wir alle drei Gemeinden. Mit Liedern, Predigt und Gemeinschaft durften wir zur Erbauung dienen. Am 9. Dezember traten wir die Heimreise an – dankbar für Gottes Führung und für alles, was durch Seine Gnade möglich wurde. Diese Reise hat uns gelehrt, wie viel Grund zur Dankbarkeit wir selbst haben und wie kraftvoll gelebte Nächstenliebe sein kann.

 

Simon Eichhorn

Gemeinde Lage

 

Verteilung der Kinderweihnachtstüten in Samandag