Jugend am Scheidepunkt

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Jugend am Scheidepunkt

2020-09-25T13:05:29+00:0012. September 2020|

 Jesus spricht zu ihm: So lange Zeit bin ich bei euch, und du hast mich noch nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, der hat den Vater gesehen“ (Joh 14,9).                                                                                                                                                          

 

Liebe Jugend,

da ich bereits viele Jahre mit der Jugend arbeite und mich ebenso als Teil der Jugend sehe, fallen mir seit einiger Zeit besorgniserregende Tendenzen bezüglich der Gotteserkenntnis und der Wertschätzung der Gemeinde und der Bruderschaft auf. Ich erinnere mich noch gut an die Aussagen einiger einheimischer Pastorenaus unserer Gegend, die sagten: „Wartet nur ab, in fünf oder zehn Jahren seid ihr so wie wir, wir waren früher auch wie ihr.“ Aber Gott sei Dank, der Herr hat uns bis hierher geholfen, Seinem Evangelium treu zu bleiben.

In diesem Text möchte ich darauf zu sprechen kommen, warum es sich lohnt, am Evangelium festzuhalten und nicht jedem Wind einer anderen Lehre nachzulaufen. Ich möchte jedoch betonen, dass es nicht das Ziel ist, andere christliche Gruppen zu richten oder zu verurteilen, sondern ich möchte den Fokus auf das Verhalten der Jugend bezüglich der oben genannten Themen lenken.

 

Eine denkwürdige Erfahrung

Im Jahre 2012 organisierte die CDH Stephanus eine Missionsreise nach Bulgarien, um zu Weihnachten Hilfspakete an die Armen und Hilfsbedürftigen zu verteilen. Während dieser Aktion trafen wir auf verschiedene kleine christliche Gruppen, die sich in Hauskreisen versammelten, um Gottesdienste zu feiern. Daraus entwickelte sich eine enge Zusammenarbeit der CDH Stephanus mit einigen Christen in Bulgarien. Einige Merkmale fielen uns sofort auf. Wir trafen meist ältere Männer und Frauen sowie einige Kinder. Mehrere dieser Christen besuchten unsere Gemeinden in Deutschland und stellten ebenfalls gewisse Unterschiede fest. Sie sahen Gemeinden mit festen christlich fundierten Strukturen, großen Familien und vor allem vielen aktiven Jugendlichen.

Beim Gespräch mit einigen bulgarischen Geschwistern erzählten sie uns davon, dass sie, bevor der Eiserne Vorhang fiel, auch solch robuste und starke Gemeinden hatten. Als jedoch die Freiheit kam, strömten viele liberale Verkündiger in das Land, die mit offenen Armen aufgenommen wurden. Diese nun begannen, ein sogenanntes „freies Evangelium“ zu verkündigen. Die Folgen des verwässerten Evangeliums machten sich bemerkbar:

  1. Die Fußwaschung beim Abendmahl wurde nach und nach in Frage gestellt.
  2. Die Mitgliedschaft in der Gemeinde wurde abgeschafft.
  3. Gemeindezucht existiert praktisch fast gar nicht mehr.
  4. Es gibt in den Gemeinden viele Ehescheidungen.
  5. Die Familien wiederum haben in der Regel nur wenige Kinder.
  6. Das äußere Erscheinungsbild vieler Christen ist von der Welt nicht zu unterscheiden.
  7. Es gibt kaum Jugendliche in der Gemeinde.
  8. Frauenordination.

 

Ein Pastor einer Gemeinde in Bulgarien erzählte uns von einem Traum, den er hatte: Er träumte, dass er in der Gemeinde an der Kanzel stand und den Gottesdienst führte. Plötzlich stand die Jugend der Gemeinde auf und verließ den Raum, um nach draußen zu gehen. Der Pastor folgte ihnen und beobachtete, wie die Jugend begann, die Zäune, die als Schutz des Gemeindehauses dienten, niederzureißen und auf einem Haufen zu sammeln.

Auf seine Frage, warum sie das täten, sagten sie: „Wir brauchen keine Grenzen.“ Er entgegnete, dass es eine Tür gäbe, durch die jeder eintreten könne. Die Jugendlichen aber führten ihr Werk fort. Dann sah er, dass sie die Zäune anzündeten, um sie zu verbrennen. Als Nächstes begannen die Jugendlichen, sich gegenseitig ins Feuer zu werfen und ebenso selbst hineinzuspringen.

Diese Beobachtungen und Erzählungen regten mich dazu an, über unsere Gemeinden und Jugendlichen nachzudenken. Denn immer wieder werden wir mit den „Warum ist das so…?“ – Fragen in vielerlei Hinsicht konfrontiert. Es ist natürlich absolut in Ordnung, Fragen zu stellen, wenn sie ehrlich gemeint sind und auch eine Antwort erwartet wird. Es fällt jedoch immer wieder auf, dass Fragen gestellt werden, obwohl man für sich längst eine Antwort parat hat, die nicht immer mit dem biblischen Glaubensverständnis unserer Bruderschaft übereinstimmt. Die Ursache liegt oft darin, dass „im Trüben“ gefischt wurde und diese Person längst eine vorgefertigte Antwort hat.

 

Gründe, die zu Differenzen führen

1. Internet

Heute gibt es dank YouTube und Co. eine Vielzahl an Angeboten, Predigten und Lektionen zu hören oder auch anzuschauen. Ist der Redner eine begabte und begeisternde Persönlichkeit, der es versteht, Leute zu unterhalten und mitzureißen, werden schnell alle Bedenken und Vorsicht über Bord geworfen. Insgeheim wächst die Meinung, in der eigenen Gemeinde würde vieles besser laufen, wenn dieser Mensch Pastor der Gemeinde wäre. Allzu oft wird vergessen zu prüfen, ob das volle Evangelium verkündigt oder etwas weggelassen oder hinzugefügt wird (vgl. Offb 22,18-19).

Allzu oft vergessen wir zu prüfen, ob das volle Evangelium verkündigt oder etwas weggelassen oder hinzugefügt wird.

 

2. Umfeld

Durch den Kontakt mit Kollegen oder Mitschülern macht die Jugend Bekanntschaften mit anderen christlichen Gruppen und wird auch zu Gottesdiensten eingeladen. Dort erleben sie häufig eine herzliche und liebevolle Aufnahme. Die Jugendlichen werden oft umworben, häufiger zu kommen und aktiv mitzumachen. Wir dienen doch alle demselben Gott, heißt es dann. Auch hier wird oft ausgeblendet, ob das volle Evangelium ausgelebt wird oder nicht. Die Problematik vieler christlicher Gruppierungen ist der fehlende Zuwachs durch die Jugend. Bibeltreue Christen dagegen, die alle Kinder als eine Gabe Gottes (vgl. Ps 127,3) annehmen, sind reichlich durch Jugendliche gesegnet. Daher ist es nur allzu verständlich, dass man versucht, die Jugend für sich zu gewinnen.

 

3. Persönliche Beziehung zu Gott

Einer der wichtigsten Faktoren, die zu Differenzen mit der Gemeinde führen können, ist die persönliche Beziehung zu Gott. Dazu ein kleines Beispiel: Ein junger Bruder hatte eine sündige Neigung, die nicht mit dem Evangelium vereinbar ist. Eine längere Zeit kämpfte er auch dagegen an, da er wusste, dass sie ihn von Gott trennt. Nach einiger Zeit begann er jedoch, die Sünde zu tolerieren, er hörte auf, dagegen anzukämpfen. Es verging etwas Zeit und er fing an, die Sünde zu akzeptieren und sogar gutzuheißen.

In den Psalmen wird darauf aufmerksam gemacht, wie man den Weg unsträflich gehen kann: wenn man sich an Gottes Wort hält (vgl. Ps 119,9). Wenn aber die Abhängigkeit oder zumindest die Toleranz zur Sünde im Herzen der Jugendlichen überhand gewinnt, gebiert diese unweigerlich eine bittere Wurzel, die zum geistlichen Tode des Jugendlichen führt, wenn er sich nicht wieder zu unserem Herrn Jesus wendet, um sich erneuern zu lassen (vgl. Jak 1,13-15).

Ferner führt die Sünde den Jugendlichen in einen Zustand des Hochmuts und der Rebellion. Und gerade in diesem Zustand wird es sehr gefährlich, wenn aus verschiedenen Quellen getrunken wird.

Ferner führt die Sünde den Jugendlichen in einen Zustand des Hochmuts (vgl. Spr 16,18) und der Rebellion. Und gerade in diesem Zustand wird es sehr gefährlich, wenn aus verschiedenen Quellen getrunken wird. Wenn die Sünde plötzlich gutgeheißen wird und das Gewissen langsam verbrennt, kommt es zu kuriosen geistlichen Zuständen. Auf der einen Seite meint der Jugendliche, Gott zu erleben, auf der anderen aber rebelliert er gegen alles, was Autorität in der Gemeinde und Familie ist.

Dieses Phänomen ist immer wieder zu beobachten. Gerade bei Jugendlichen, die von irgendwelchen anderen christlichen Gruppen schwärmen, aber über die eigene Gemeinde nur Negatives zu berichten haben.

 

4. Das Generationenproblem

Ein weiterer Grund ist das Generationenproblem. Einige Jugendliche können die Art und Weise, wie die ältere Generation Gott dient, nicht nachvollziehen. Es heißt oft, sie würden sich an russischen Traditionen festhalten, wären lieblos und streng. Sie würden auf keine Kompromisse eingehen und wollten, dass alles so bliebe wie früher. Von einigen Jugendlichen kommt immer wieder der Wunsch, etwas zu verändern, sich von alten Mustern loszulösen.

Die junge Generation vergisst oft, dass gerade diese kompromisslose Haltung zur Welt die Gemeinde bis jetzt bewahrt hat. Diese Gesinnung wiederum birgt ein gewaltiges Spannungspotential. Auffällig ist, dass die älteren Geschwister der Gemeinde und der Familie einen hohen Stellenwert einräumen. Die höchste Priorität ist das hingegebene, heilige Leben. Lieber auf etwas verzichten, als sich in die Gefahr begeben, sich von Gott abzuwenden.

Diese Grundeinstellung fehlt der Jugend oft. Der Zeitgeist preist den Aktionismus an –etwas bewegen wollen, Neues ausprobieren. Allzu oft werden die mahnenden Worte aus dem Petrusbrief vergessen: „Ebenso ihr Jüngeren, ordnet euch den Ältesten unter; ihr alle sollt euch gegenseitig unterordnen und mit Demut bekleiden! Denn ‚Gott widersteht den Hochmütigen; den Demütigen aber gibt er Gnade‘“ (1.Petr 5,5).

Ich habe nur einige auffällige Probleme der Jugend aufgeführt, um zu zeigen, dass in Teilen unserer Jugend Veränderungen sichtbar werden, die in der Zukunft zu großen Missverständnissen und Zerwürfnissen führen können.

 

Folgen der ungelösten Differenzen

Es macht mich immer wieder traurig, beobachten zu müssen, wie einige Jugendliche ohne Rücksicht auf die Folgen ihres Handelns beginnen, in der Jugend Experimente durchzuführen. Die Jugendgottesdienste bekommen plötzlich einen ganz anderen Charakter, es muss alles lockerer werden. Dominiert denn eigentlich der Grundsatz, die Jugend in Demut und Gottesfurcht zum Kreuze zu führen, um dort in tiefer Buße sein Leben Jesus zu weihen und in dieser gottgeweihten Haltung voll des Heiligen Geistes Gott zu dienen?

So fällt auf, dass die Priorität weg vom heiligen Leben hin zu einer Glaubenshaltung führt, in der nicht mehr das wörtliche Evangelium im Zentrum steht, sondern der Drang, modern und zeitgemäß zu werden. Hauptsache, wir verkündigen Jesus, heißt es dann.

Jugendstunden, in denen offen über die Sünde gepredigt und zum Kampf dagegen aufgefordert wird, drohen ersetzt zu werden durch eine Verkündigung, die auf ganz andere Prioritäten Wert legt, auf die ich hier nicht näher eingehen möchte. Klar ist, dass, wenn die Heiligung die höchste Priorität verliert, unbedingt eine verzerrte Gottesvorstellung folgt (vgl. Spr 1,7). Dies wiederum führt den Jugendlichen auf einen sehr schlüpfrigen und gefährlichen Weg, da die ganze Bibel plötzlich aus einem ganz anderen Blickwinkel gesehen und auch beurteilt wird.

Das Niveau der Gottesverehrung wird niedriger und die natürliche Folge ist, dass der Fokus des Gottesdienstes mehr und mehr auf den äußeren Schein gelegt wird. Der innere Gottesdienst, damit meine ich meine persönliche Beziehung zu Gott, verliert nach und nach an Bedeutung. Das wird natürlich nicht zugegeben, da der Blickpunkt auf die Gottesvorstellung schon verzerrt ist.

 

Wie die Gottesvorstellung, so auch der Gottesdienst

„Eine richtige Gottesvorstellung ist nicht nur die Grundlage für die systematische Theologie, sondern auch für das praktische Glaubensleben. Sie ist das Fundament des Gottesdienstes.“ (A.W. Tozer).

„Eine richtige Gottesvorstellung ist nicht nur die Grundlage für die systematische Theologie, sondern auch für das praktische Glaubensleben. Sie ist das Fundament des Gottesdienstes.“ (A.W. Tozer)

Wenn wir verstehen wollen, woher der immer weiter grassierende Liberalismus und damit die niedrige Gottesvorstellung kommt, müssen wir uns unweigerlich mit der Geschichte der Christen beschäftigen. Im Nachkriegsdeutschland fanden gewaltige Erweckungsgottesdienste statt. Viele Menschen strömten in die Kirchen und bekehrten sich zum Herrn. Hört man sich die Predigten der Verkündiger dieser Zeit an, darunter Dmitri Bespalov, Wilhelm Busch usw., spürt man förmlich die Gottesfurcht dieser Männer, wenn sie über Gott sprachen.

Dann kam die Zeit der 68er, Deutschland erlebte das Wirtschaftswunder und den Menschen ging es nach und nach besser. Langsam erholten die Menschen sich von den Schrecken des Krieges. Eine neue Generation wuchs heran, die mit der Art der Lebensführung der „Alten“ nicht einverstanden war. Es galt, aus den strengen Regeln der Gesellschaft auszubrechen. Musikgruppen wie z.B. die Beatles oder Rolling Stones stachelten die junge Generation durch ihre rebellische Musik und Lebensweise dazu auf, sich gegen die ältere Generation zu erheben und selbstbestimmt zu leben, was auch getan wurde. Die Generation der 68er brachte die Kulturrevolution hervor, die zur Folge hatte, dass alles, was konservativ und auf christlichen Werten basierte, angeprangert und in Frage gestellt wurde.

Leider fand dieser rebellische Geist ebenso Platz in den Kirchen, was zur Folge hatte, dass auch Christen sich von der Kulturrevolution anstecken ließen. Themen wie Frauenordination, Familienplanung, Vermischung mit der Welt, fehlende Gemeindezucht und Abkehr vom Heiligungsleben bis hin zum Aktionismus führten viele Gemeinden dahin, dass heute kaum noch ein Unterschied besteht zwischen der Welt und der Gemeinde.

Das Wachstum vieler Gemeinden ist zum Erliegen gekommen. Es wird versucht, den Gottesdienst durch eine coole Art für die Jugend attraktiv zu machen, indem man immer neue Actions organisiert. Diese haben aber oftmals nur einen Placeboeffekt, weil nicht Jesus im Mittelpunkt der Verkündigung steht, sondern die Werkzeuge und Systeme, die genutzt werden, um Menschen zu den Veranstaltungen zu ziehen.

Der Anfang dieser Abwärtsspirale begann damit, dass die Menschen durch diverse Verlockungen von  sogenannten christlichen Verkündigern, eine andere Gottesvorstellung entwickelten, die unweigerlich dazu führte, die Lebensweise dieser niedrigen Gottesvorstellung anzupassen. Auf Dauer schafft es niemand, seine Gottesvorstellung zu verheimlichen. Das Produkt sehen wir heute in der westlich-christlichen Welt zu Genüge.

 

Liebt die Bruderschaft

„Verrücke die uralte Grenze nicht, die deine Väter gemacht haben“ (Spr 22,28).

Es ist immer wieder faszinierend, den älteren Brüdern zuzuhören, wie Gott sie auf besondere Weise in der ehemaligen Sowjetunion geführt und geprägt hat. Wer von der Jugend kennt diese Geschichten nicht, die immer wieder davon berichten, wie real Gott Seine Gemeinde unter der Christenverfolgung geführt und geleitet hat. Viele Männer Gottes gingen aufgrund ihrer Glaubensüberzeugung in die Verbannung. Nachdem sie freigelassen wurden, dienten sie Gott in der Gemeinde unbeirrt weiter.

Diese, durch Gefängnis erprobten Männer Gottes, hatten eine klare Gottesvorstellung und achteten sehr darauf, diese auch der Gemeinde zu vermitteln. In Deutschland angekommen breitete sich unsere Bruderschaft sehr schnell aus. Viele Gemeinden wuchsen dank der großen Familien und der Menschen, die sich aus der Welt zum Herrn bekehrten. Immer mehr Tätigkeitsfelder öffneten sich und es entstand die Möglichkeit, noch mehr Frucht auf dem Felde des Herrn zu bringen. Mit diesen Möglichkeiten gab es aber auch Herausforderungen bezüglich der christlichen Ethik und Kultur, die natürlich ebenso mit der Gottesvorstellung verbunden sind.

Der Stand heute ist der, dass viele Gemeinden eine starke Jugend haben, die einen großen Beitrag zum Segen und zur Erbauung der Gemeinde leistet. In vielen Projekten der Gemeinden und ebenso der CDH-Stephanus ist die Jugend sehr aktiv. Auch bei den Veranstaltungen, die auf Ebene der Bruderschaft organisiert werden, ist die Jugend präsent und erlebt viel Segen und Stärkung durch die Aufmunterung der Ältesten und Bischöfe und dafür gebührt alleine Gott die Ehre.

Liebe Jugend, liebt die Bruderschaft und hört auf eure Leiter!

„Gedenkt an eure Führer, die euch das Wort Gottes gesagt haben; schaut das Ende ihres Wandels an und ahmt ihren Glauben nach!“ (Hebr 13,7).

Als unser Bischof Bruder Hugo Janzen krank wurde und abzusehen war, dass er nicht mehr lange leben würde, besuchten ihn einige Brüder, um ihm Trost zu spenden. Sie trafen auf einen Bruder Hugo, der noch voll im Dienst und bemüht war, anderen zu helfen. Ein Bruder fragte ihn, was er sich von der Jugend für die Zukunft wünsche. Seine Antwort war ein Dreifaches: Gehorsam, Gehorsam, Gehorsam.

 

Deine Gottesvorstellung ist entscheidend

Nicht umsonst fragte Jesus Seinen Jünger Philippus: „So lange Zeit bin ich bei euch, und du hast mich noch nicht erkannt, Philippus?“ (Joh 14,9). Dieser Jünger sah das Wirken des Herrn Jesu und durfte sogar an Seinen Wundertaten teilnehmen. Und doch hatte er nicht alles verstanden. Jesus musste sein Gottesverständnis korrigieren.

In den Psalmen lesen wir: „Das hast du getan, und ich habe geschwiegen; da meintest du, ich sei gleich wie du. Aber ich will dich zurechtweisen und es dir vor Augen stellen!“ (Ps 50,21). Der Herr wirft dem gottlosen Menschen vor, gesetzlos zu handeln und zu meinen, dass Gott auf seiner Seite stehe. Dieser Mensch kannte die Gebote Gottes, wollte sie aber nicht ausleben. Augenscheinlich schien alles gut zu sein. Aber das Urteil Gottes war niederschmetternd: Ich werde dich zur Rechenschaft ziehen.

Ja, Gott kennt auch unsere tiefsten Gedanken und Gesinnungen des Herzens. Wenn wir Sünde in unserem Leben akzeptieren und dafür alle erdenklichen Gründe nennen, um das zu entschuldigen, müssen wir wissen, dass unsere Gottesvorstellung dadurch niedriger wird und wir in der Gefahr stehen, nicht mehr Gott, sondern einen Götzen anzubeten. Gott ist unveränderlich, lässt sich niemals personalisieren. Sich Gott aber falsch vorzustellen, ist eine tiefe Beleidigung unseres Herrn (vgl. Röm 1,21) und birgt die Gefahr, von Gott fortzugehen, meinend, dass Gott mit Einem sei.

„Als er aber auf dem Ölberg saß, traten die Jünger allein zu ihm und sprachen: Sage uns, wann wird dies geschehen, und was wird das Zeichen deiner Wiederkunft und des Endes der Weltzeit sein? Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Habt acht, daß euch niemand verführt!“ (Mt 24,3-4).

Unser Herr begann Seine Endzeitrede mit der Warnung, sich nicht verführen zu lassen, aus einem wichtigen Grund. Der Glaube an Gott bleibt, die Gottesvorstellung aber wird manipuliert und ist der Bibel nicht mehr gerecht. Heute gibt es viele Theologen, die behaupten, die Bibel sei nicht das Wort Gottes, sondern beinhalte bloß das Wort Gottes. Dadurch wiederum öffnen sie Tür und Tor für viele Verführungen und Irrlehren.

Tatsächlich befinden wir uns in einer sehr komplizierten Lage. Die Jugend bekommt von vielen Seiten alle möglichen theologischen Auslegungen, wie man zu leben habe und wie nicht. Und gerade in dieser Situation ist es wichtig, sich im Worte Gottes zu vertiefen, zu beten und vor allem wachsam zu sein. Der Herr Jesus sagt immer wieder: „Wachet und betet“ (vgl. Mt 26,41; Mk 13,33; Mk 14,38), von diesen genannten Faktoren hängt unsere Gottesvorstellung entscheidend ab.

Wir sehen aber auch das besondere Wirken durch den Heiligen Geist in der Jugend. Viele Jugendliche erleben Gottes Wirken durch die Geistesgaben in den Gebetsstunden so real, dass sie sagen, dass es nur Gottes Werk gewesen sein konnte, und werden dadurch fest und unerschütterlich in ihrem Glauben. Eine Schwester brachte es auf den Punkt, als sie sagte: „Hier habe ich Gott erlebt und deshalb will ich auch niemals die Gemeinde verlassen.“

Die richtige Gottesvorstellung führt uns immer in die Heiligung und tiefe Demut vor unserem lebendigen Gott.

Ich selbst bin Zeuge von vielen Geisteswirkungen, die zur Folge hatten, dass junge Brüder und Schwestern ihre Gottesvorstellung änderten, weil der Heilige Geist sie überführte und ihnen die Sünden in ihrem Leben offenbarte. Die richtige Gottesvorstellung führt uns immer in die Heiligung und tiefe Demut vor unserem lebendigen Gott. Die biblische Gottesvorstellung führt uns unweigerlich in die Abhängigkeit Gottes, was dazu führt, dass unser Ich immer kleiner wird und der Herr real und allmächtig im Mittelpunkt unseres Lebens steht.

Gott segne euch!

 

Walter Gesswein
Gemeinde Speyer

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