Kommt Er oder kommt Er nicht?

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Kommt Er oder kommt Er nicht?

2020-09-25T13:04:56+00:0012. September 2020|

Es gibt im Christentum Wahrheiten, die jedem von Anfang an bekannt sind. Das betrifft vor allem Glaubensfragen über Heiligkeit, Gerechtigkeit, biblische Gebote und Verheißungen. An diese Grundkenntnisse gewöhnt man sich im Laufe der Zeit. Welche Bedeutung und Tragweite diese Wahrheiten jedoch haben, muss uns immer wieder vor Augen geführt werden. Zu den bedeutendsten Aussagen Jesu gehört in diesem Kontext Seine Wiederkunft. Wie gehen wir mit der Tatsache um, dass Jesus wiederkommen wird und dass dies jederzeit geschehen kann?

 

Jesu nahe Wiederkunft war eine Selbstverständlichkeit

Die ersten Christen waren beseelt von der nahen Wiederkunft des Herrn. Gerade in der Zeit der Verfolgung war dieser Gedanke etwas Hoffnungsvolles und Faszinierendes. Die Menschen waren überzeugt davon und es half ihnen über alle Schwierigkeiten hinweg: Bald ist alles vorbei. Aber je länger es dauerte, desto mehr nagten die Fragen: „Warum kommt Er nicht? Kommt Er überhaupt?“ Langsam kamen Zweifel auf und es fanden sich sogar Menschen, die das Ganze als Anlass zum Spott nahmen. Sie stellten die Frage: „Wo ist die Verheißung seiner Wiederkunft? Denn seitdem die Väter entschlafen sind, bleibt alles so, wie es von Anfang der Schöpfung an gewesen ist!“ (2.Petr 3,4). Dennoch behauptet Petrus, dass diese Menschen tief im Inneren wussten, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis Jesus wiederkommt. Sie versuchten dies bewusst zu verdrängen: „Dabei übersehen sie aber absichtlich“ (2.Petr 3,5).

Die Menschen müssen nicht uns, sondern unsere guten Werke sehen. Es ist oft viel einfacher, sich selbst zu zeigen.

 

Was sagte Jesus über Sein zweites Kommen?

Bezogen auf Seine Wiederkunft war Jesus sehr eindeutig: „Denn der Sohn des Menschen wird in der Herrlichkeit seines Vaters mit seinen Engeln kommen, und dann wird er jedem Einzelnen vergelten nach seinem Tun“ (Mt 16,27). Im historischen Kontext der Erwartung des Messias betrachtet bewegte dieser Gedanke die Menschen bereits damals enorm. Es ging nicht darum, ob der Messias überhaupt kommt, sondern wann genau dies geschieht. Es war und ist bis heute die Sehnsucht und der Traum des jüdischen Volkes.

 

Gibt es Anzeichen, an denen man sich orientieren kann?

Im Grunde genommen waren es gleich mehrere Fragen, die als Reaktion auf die Aussagen Jesu gestellt wurden: „Als er aber auf dem Ölberg saß, traten die Jünger allein zu ihm und sprachen: Sage uns, wann wird dies geschehen [1], und was wird das Zeichen deiner Wiederkunft [2] und des Endes der Weltzeit [3] sein?“ (Mt 24,3). In der darauffolgenden Ansprache sagt Jesus, was alles geschehen wird. Er ruft sie zur Wachsamkeit auf, damit sie fähig sind, die Zeichen der Zeit zu erkennen und nicht auf Verführungen und damit einhergehende Wunder reagieren.

 

Weise oder töricht in der Erwartung

Um die Sache zu verdeutlichen, benutzt Jesus ein Beispiel, welches in die Geschichte als „Das Gleichnis der zehn Jungfrauen“ (vgl. Mt 25,1-13) eingegangen ist. Jesus macht damit deutlich: Es reicht nicht aus, allein an Seine Wiederkunft zu glauben. Es geht auch darum, wie man mit dieser Tatsache umgeht und wie diese sich im Alltag auswirkt.

Es waren zehn Jungfrauen, die alle dem Bräutigam begegnen und anschließend mit ihm das Hochzeitsmahl feiern wollten. Sie unternahmen zwei Dinge: Sie nahmen ihre Lampen mit und sie gingen hinaus, um den Bräutigam zu treffen. Es wird nicht erwähnt, wie lange sie schon gewartet hatten, sondern nur, dass sich die Ankunft des Bräutigams verzog. Er kam später, als die Frauen es erwartet hatten. Sie warteten, aber er kam nicht. Langes Warten fällt uns Menschen schwer. Da ist wirklich Geduld gefragt, die uns oft fehlt. Man möchte alles sofort und gleich haben, ohne warten zu müssen. Vielleicht waren die Jungfrauen am Anfang auch so ungeduldig. Die Zeit verging, doch der Bräutigam kam nicht.

 

Wachsam in der Erwartung

Wir alle wissen, dass Jesus kommen wird – zumindest theoretisch. Wir warten auf Den, Der sagte: „Siehe, ich komme bald!“ (Offb 22,7).

Einige wartende Christen fühlen vielleicht: Es kann nicht mehr so lange dauern. Andere sind bereits hinausgegangen, um dem Bräutigam zu begegnen. Wie warten wir? In welchem Zustand sind wir? Vielleicht waren wir anfangs in ständiger Erwartung: Er kommt bald. Und weil es nicht zeitnah geschah, wurden wir langsam schläfrig.

Bevor die Jungfrauen rausgingen, hatte jede von ihnen an eine Lampe gedacht. Es gehörte einfach dazu, dass eine Jungfrau, die den Bräutigam erwartete, eine Lampe trug. Es war durchaus möglich, dass der Bräutigam erst spät abends oder nachts kommen würde. Es gab keinen festen Zeitpunkt. Die Lampen waren für die Erwartung wichtig. Sie gehörten aber nicht zum Schmuck einer Jungfrau. Die Lampen waren vor allem dazu da, um zu leuchten! Das ist der eigentliche Sinn der Sache! Gut möglich, dass die Lampen erst später, als es dunkel wurde, angezündet wurden.

Gott sagt in Seinem Wort: „Der Geist des Menschen ist eine Leuchte des Herrn“ (Spr 20,27). An dem Tage, an dem der Geist eines Menschen vom Geiste Gottes geboren wird, wird er zu einer Leuchte, einer Lampe des Herrn! Gott braucht aber nur solche Leuchten, die auch wirklich brennen!

Alle Jungfrauen hatten also ihre Lampe dabei. Vermutlich hatten auch alle anfangs geleuchtet. Dennoch stimmte zumindest bei der Hälfte etwas nicht. Jesus sagte, dass fünf von ihnen weise und fünf töricht waren. Wieso war das so? Es war doch alles da. Sie warteten alle mit brennenden Lampen. Was sollte da nicht stimmen? Als der Bräutigam kam, offenbarte sich der Unterschied. Es war der Brennstoff – also das Öl!

 

Eine brennende Lampe verbraucht Öl

Jesus sagt: „Die törichten nahmen zwar ihre Lampen, aber sie nahmen kein Öl mit sich. Die klugen aber nahmen Öl in ihren Gefäßen mitsamt ihren Lampen“ (Mt 25,3-4). Brennende Öllampen haben die Eigenschaft, Öl zu verbrauchen. Die weisen Jungfrauen haben diesen Verbrauch berücksichtigt und nahmen daher auch noch Brennstoff zum Nachfüllen mit. Darin lag ihre Weisheit. Ihre Gedankengänge kann man sich ungefähr so vorstellen: „Wir wissen nicht, wann der Bräutigam kommt. Vielleicht wird es länger dauern. Auch darauf müssen wir uns einstellen und bereit sein.“ Sie nahmen daher noch zusätzliches Öl in ihren Gefäßen mit.

Sie nahmen daher noch zusätzliches Öl in ihren Gefäßen mit. Und das ist eigentlich das Wichtigste in dem Gleichnis. Als der Bräutigam kam, fragte er nicht danach, wer auf ihn wartete und eine Lampe dabei hatte. Nur diejenigen, die bis zum Schluss leuchtende Lampen hatten, waren auch wirklich bereit!

Und das ist eigentlich das Wichtigste in diesem Gleichnis. Als der Bräutigam kam, fragte er nicht danach, wer auf ihn wartete und eine Lampe dabei hatte. Nur diejenigen, die bis zum Schluss leuchtende Lampen hatten, waren auch wirklich bereit!

 

Die Lampen, das Licht, das Öl und die Bereitschaft

Wir haben gelesen, dass der Geist der Menschen die Leuchte ist. Welche Bedeutung hat das Öl? Öl symbolisiert in der Bibel den Heiligen Geist. Im Alten Testament lesen wir: „Da nahm Samuel das Ölhorn und salbte ihn mitten unter seinen Brüdern. Und der Geist des Herrn kam über David, von diesem Tag an und weiterhin“ (1.Sam 16,13). Durch diese Salbung begann der Geist Gottes in David zu wirken.

Jesus sagt: „Ihr seid das Licht der Welt“ (Mt 5,14). Gott hat Sein Feuer in unseren Herzen angezündet, damit wir leuchten können. Was heißt es eigentlich, Licht zu sein? Wie soll dies praktisch aussehen? Jesus erklärt: „So soll euer Licht leuchten vor den Leuten, dass sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen“ (Mt 5,16). Das ist die direkte Bedeutung, Licht zu sein. Die Menschen müssen nicht uns, sondern unsere guten Werke sehen.

Es ist oft viel einfacher, sich selbst zu zeigen – dies ist heute sogar populär geworden. Gott verlangt von Seinen Kindern jedoch, dass sie vor allem gute Werke haben. Gemeint ist hier wohl, nicht nur jemandem etwas Gutes zu tun, sondern dass unser ganzes Leben diese Prägung hat. Gleichzeitig ist es das Zeichen, dass wir unseren Herrn erwarten und bereit sind. Das ist das Ergebnis der Arbeit Gottes in uns durch Seinen Geist. Ein Erwarten der Wiederkunft Jesu ohne Vorbereitung ist vergleichbar mit dem Warten auf einen Zug, ohne sich eine Fahrkarte zu kaufen.

 

An das Öl denken, bevor es dunkel wird

Jeder, der ein Kind Gottes geworden ist, hat es bestimmt mehrmals erlebt: Wir wollen zwar Licht sein, doch es klappt irgendwie nicht. Oder es reicht nur von heute bis morgen. Wir geben uns Mühe und scheitern dennoch. Warum?

Denken wir an die Jungfrauen. Es kann die gleiche Ursache sein. Wenn wir zugleich bereit und ein Licht sein wollen, so müssen wir – wie eine brennende Lampe ständig mit Öl nachgefüllt wird –  mit dem Geist Gottes erfüllt sein. Die Bibel sagt: „Werdet voll Geistes“ (Eph 5,18). Die Erfüllung mit dem Geist Gottes soll uns in unserem Leben ständig begleiten. Es ist nicht die einmalige Erfahrung bei der Geistestaufe, sondern ein tägliches Bedürfnis.

 

Ein dienender und wartender Christ sucht nach der Fülle des Geistes

In diesem Kontext werden die Worte Jesu sehr verständlich: „Glückselig sind die geistlich Armen“ (Mt 5,3). Wie gewaltig ist es, wenn man nach einem Dienst leer und ausgelaugt dasteht und Gott den inneren Durst mit dem frischen Wasser Seines Geistes stillt. Da leuchtet die Lampe Gottes neu auf. Da sind die Sehnsucht nach der Wiederkunft des Herrn und die Freude auf Sein Kommen umso größer.

 

Liebes Kind Gottes, ist für dich die Wiederkunft des Herrn eine Realität oder nur ein Gedanke, an den du dich inzwischen längst gewöhnt hast? Wie gehst du damit um? Was fühlst du, wenn sich die Ereignisse weltweit überschlagen und alles immer mehr davon spricht, dass die Zeit sehr nahe ist? Jesus wird kommen! Mögen Seine Worte für uns heute neu an Wichtigkeit und Bedeutung gewinnen: „Glückselig sind jene Knechte, welche der Herr, wenn er kommt, wachend finden wird! Wahrlich, ich sage euch: Er wird sich schürzen und sie zu Tisch führen und hinzutreten und sie bedienen“ (Lk 12,37).

 

Peter Treu
Gemeinde Ilsede 

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