Mit Liebe leiten

Mit Liebe leiten

2026-08-17T10:29:26+02:0017. August 2026|

Die Bibel beschreibt die größte Liebesgeschichte, die jemals erzählt wurde – die Bibel ist das Buch der Liebe schlechthin. Genau aus diesem Grund ist es wichtig zu verstehen, wie unentbehrlich die Liebe für eine christliche Leiterschaft ist und wie diese liebevolle Leitung erreicht werden kann.

 

Die Liebe – die begehrenswerteste Eigenschaft der Welt

Warum ist das Thema der Liebe so eng mit christlicher Leiterschaft verbunden? Ein zentraler Punkt beim Thema Liebe ist, dass sie der wesentlichste Teil des Christentums ist, der jedoch in der Lehre über christliche Führung wenig Aufmerksamkeit erhält. Dabei lassen sich in 1. Korinther 13 deutliche Worte darüber finden, dass jegliches Handeln ohne Liebe zum Scheitern verurteilt ist.

 

Des Weiteren geben Leiter mit ihrem Verhalten und ihrer geistlichen Ausrichtung den Ton einer Gemeinde an. Wenn sie Gott und die Menschen lieben, werden höchstwahrscheinlich auch ihre Gemeindemitglieder Gott und die Menschen lieben. Wenn sie jedoch egozentrisch, kritiksüchtig, stolz und herzlos sind, werden die Gläubigen diese Eigenschaften wahrscheinlich auch annehmen. Dass der Mangel an Liebe weit verbreitet ist und viele Probleme verursacht, beweist ebenso die vom Streit geplagte Gemeinde in Korinth. Darum besteht die Heilige Schrift darauf, dass Leiter und Lehrer Vorbilder in der Liebe sein sollen: „Niemand verachte dich wegen deiner Jugend, sondern sei den Gläubigen ein Vorbild im Wort, im Wandel, in der Liebe, im Geist, im Glauben, in der Keuschheit“ (1.Tim 4,12)!

 

Auch die enge Zusammenarbeit in der Gemeindefamilie als Brüder und Schwestern in Christus macht die Liebe so unentbehrlich. Je länger wir zusammenarbeiten, desto mehr lernen wir die Fehler und unangenehmen Eigenschaften der anderen kennen. Allein durch die Liebe können wir dennoch in Eintracht miteinander leben und arbeiten, wenn wir das neutestamentliche Prinzip der Liebe verstehen.

Außerdem müssen auch viele falsche Vorstellungen von der Liebe korrigiert werden. Im Namen der Liebe haben Christen bereits viele Sünden begangen, Gemeindezucht abgelegt und das Wesen Gottes und die Erlösung, entsprechend ihrer zeitgemäßen Vorstellung von Liebe und Toleranz neu ausgelegt. Obwohl die Liebe die „Erfüllung des Gesetzes“ ist, wurde sie zum Feind des Gesetzes gemacht (vgl. Röm 13,8-10).

So würde sich der Umgang mit Menschen und dem Gemeindedienst für Älteste und Lehrer deutlich verbessern, wenn sie verstehen würden, was die Bibel wirklich über die Liebe sagt. Sinnlose Streitereien könnten vermieden werden und geistlich gesunde Gemeinden wären die Folge. Aber am meisten würde es den Herrn freuen.

 

Dieses Thema betrifft geistliche Leiter und Lehrer in verschiedenen Diensten. Egal, in welchem Bereich man eingesetzt ist, die Liebe ist für jeden Mitarbeiter Christi unentbehrlich. Michael Green drückt es wunderbar aus: „Die Liebe ist die begehrenswerteste Eigenschaft in der Welt. Und sie ist das Herzstück der Christenheit.“

 

Charakter und Verhalten eines liebevollen Leiters

Die Eigenschaften der Liebe aus 1. Korinther 13 lassen sich sehr gut auf das Leben eines christlichen Leiters übertragen.

Unter anderem gehören dazu die Langmut und Güte, die vermutlich aufgrund ihrer Bedeutung an erster Stelle im Bibeltext genannt werden. Das griechische Wort für Langmut bedeutet „duldsam“ oder „nachsichtig“, was sich auf persönliche Verletzungen oder ungerechte Behandlung beziehen kann. Gott selbst ist das allergrößte Vorbild für Langmut. An Seine Geduld und Barmherzigkeit uns gegenüber sollten wir immer denken, wenn wir versucht sind, ungeduldig mit anderen zu sein.

Langmut ist notwendig, weil wir im Dienst sowohl mit Enttäuschungen und Verletzungen konfrontiert werden als auch mit menschlichen Schwächen. Diese Eigenschaft bestimmt, wie wir im Dienst mit Problemen umgehen – so wie Paulus auf die Kritik der Korinther einging, ihnen ihre Sünden zeigte und sie warnte, anstatt sich einfach von ihnen abzuwenden.

 

Die Liebe „beneidet nicht, die Liebe prahlt nicht“ (1.Kor 13,4).

Die Liebe ist weder neidisch noch prahlerisch. Korinth wird als blühendes Handelszentrum beschrieben, deren Einwohner nach Reichtum, Ansehen und Leistung strebten. Dieser Geist hatte zu großen Einfluss auf die Gemeinde. Nachfolgend entstanden große Probleme, deren Wurzel in der weltlichen Einstellung und Glaubenshaltung der Gemeinde lagen. Neid und Eifersucht spalten Gemeinden und zerstören Beziehungen, sie sind vollkommen unvereinbar mit der Liebe. Wie man sich als Diener Anfechtungen des Neids stellen kann, zeigt ein Beispiel von Georg Müller, dem bekannten Gründer einer Waisenanstalt. Als seine Gemeindemitglieder einem anderen Prediger lieber zuhörten als ihm, bekannte er seinen wachsenden Neid im Gebet und beschloss, sich in der Kraft Gottes über den Erfolg des Nächsten zu freuen.

Auch die Prahlerei ist eine sündige Beschäftigung mit dem eigenen Ich und hilft keinem Menschen. Die eigenen Fähigkeiten, das Wissen oder sogar das eigene Leiden für Gott vor Menschen zur Schau zu stellen, ist hohles Gerede und gibt nicht Christus die Ehre.

 

Die Liebe „bläht sich nicht auf; sie ist nicht unanständig“ (1.Kor 13,4-5).

Arrogante Selbstgefälligkeit ist mit der Botschaft von Kreuz und christlicher Liebe unvereinbar. Alle unsere Gaben sowie unser Dienst sind uns von Gott geschenkt worden, und so sollte uns vor allem die besondere Demut Christi ein Vorbild sein. Arroganz ist das Gegenteil von Liebe, weil es sich mehr auf die eigene Person konzentriert als auf andere Menschen. Im Gegensatz dazu sagt die Bibel: „Der Größte aber unter euch soll euer Diener sein. Wer sich aber selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden“ (Mt 23,11-12). Demut gehört zur Geisteshaltung eines Dieners, macht lernfähig, teamfähig und umgänglich mit dem Versagen anderer Menschen.

 

Ebenso ist die Liebe nicht unanständig. Unter dem Begriff „unanständig“ versteht man ein Verhalten, das mit den bestehenden Verhaltensnormen nicht übereinstimmt. Daher ist es ein Mangel an Liebe, wenn man sich unpassend kleidet, rücksichtslos redet, andere Menschen ausnutzt, taktlos ist, die Mitarbeit und Ideen anderer ignoriert oder sich allgemein nicht an die geltenden sozialen Verhaltensregeln hält. Liebevolle Menschen wissen, welche Auswirkungen ihr Benehmen auf andere hat und sind sensibel für anständiges Verhalten. Dieses Thema ist besonders relevant für Missionare, die sich im Ausland auch auf die unterschiedlichen gesellschaftlichen Bräuche einlassen müssen.

 

Die Liebe „sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern“ (1.Kor 13,5).

Selbstsucht ist die Ursache vieler Probleme, weil sie eigene Interessen befriedigen will und auf den eigenen Vorteil bedacht ist. Dadurch stellt der Mensch sich selbst in den Mittelpunkt und nimmt den rechtmäßigen Platz Gottes ein, was ganz im Gegensatz zur christlichen Liebe steht. Christliche Leiter sollten eine dienende Rolle einnehmen, keine mächtige oder herrschende Haltung. Liebevolle Leiter schenken ihre Zeit und ihren Besitz anderen, kümmern sich um Menschen in Not und opfern sich selbst auf, ohne etwas zurückzufordern.

 

„Sie lässt sich nicht erbittern.“

Die Liebe lässt sich nicht leicht provozieren. Als christlicher Leiter ist man ständig Gründen ausgesetzt, sich zu ärgern, aggressiv, bitter oder zornig zu werden. Unkontrollierter Zorn aufgrund falscher Motive ist mit der Liebe unvereinbar und stellt eine zerstörerische Macht dar, die große Konflikte in Gemeinden verursachen kann. Probleme werden übertrieben, es mangelt an Kommunikation und Vernunft. Dem gegenüber stehen die erstrebenswerten Eigenschaften der Selbstbeherrschung und Geduld. Wer seinen Zorn kontrollieren kann, versteht es, verletzte Gefühle zu heilen: „Ein Langmütiger stillt den Zank“ (Spr 15,18).

 

Die Liebe „rechnet das Böse nicht zu“

(1. Kor 13,5), sie ist weder nachtragend noch froh über das Böse. Robert Chapman sagte: „Vergeben, ohne zu tadeln, weder durch eine Reaktion noch durch einen tadelnden Blick, ist eine hohe Übung der Gnade – das ist Christus nachahmen.“ Das Böse nicht zuzurechnen bedeutet, keine Liste über erlittene Ungerechtigkeiten zu führen. Verletzte Gefühle loszulassen und sich um den Feind zu kümmern, statt es ihm heimzuzahlen, gibt uns die Möglichkeit, um Christi Willen zu leiden. Die Liebe zieht es vor, jedes Recht und Unrecht in den Schoß der Vergebung zu legen und sie hat auch die Macht, vergangenes Unrecht unwichtig werden zu lassen.

 

Die Liebe „freut sich nicht an der Ungerechtigkeit“ (1.Kor 13,6).

Die Liebe hat kein Verständnis für Ungerechtigkeit, liebende Menschen verabscheuen alles Böse und halten am Guten fest. Wie Graham Scroggie sagte: „Worüber sich ein Mensch freut, offenbart seinen echten Charakter. Freut man sich über den Sieg des Bösen oder am Unglück anderer Menschen, so ist dies ein Zeichen für eine große verdorbene Moral.“ Stattdessen freut sich die Liebe mit der Wahrheit. „Wahrheit“ wird hier im Sinne von Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit gebraucht und meint ein praktisches und aufrichtiges Leben, dass sich über jedes Verhalten freut, welches das Evangelium widerspiegelt.

 

Die Liebe „erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie erduldet alles“ (1.Kor 13,7).

Die Liebe erträgt alles – sie bleibt trotz Anfeindungen, Entbehrungen und harter Arbeit standhaft und stark. Liebevolle Leiter können anderen Menschen und dem Evangelium zuliebe Leid und Enttäuschungen ertragen.

Sie glaubt alles – Glaube und Hoffnung befähigen den Menschen, Leiden zu ertragen. Die Liebe ist nicht misstrauisch und hat eine positive Einstellung anderen gegenüber, sie glaubt, dass Menschen sich ändern und bessern können. Sie ist aber nicht leichtgläubig und blind, so wie auch Jesus Christus im Umgang mit Seinen Jüngern und ihren Schwächen liebevoll, aber niemals leichtgläubig war. Die Liebe vertraut dem Wort Gottes, und das beeinflusst die Art und Weise, wie jemand auf seine Mitmenschen und deren Schwächen reagiert. Der Glaube weiß, dass „denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen“ (Röm 8,28).

Sie hofft alles – der Glaube an Gottes endgültigen Sieg und an Gottes gute Absichten mit Seiner Gemeinde befähigt die Liebe, trotz Schwierigkeiten und Enttäuschungen einen realistischen Optimismus zu zeigen.

Sie duldet alles – die Liebe ist stark und belastbar. Weder Not noch Ablehnung lässt die Liebe aufhören, Liebe zu sein. Ohne Arbeit und Selbstaufopferung kann man Christus und Seiner Gemeinde nicht dienen, und so bleibt die Liebe im Angesicht von Feindschaft und Unfreundlichkeit immer noch die Liebe.

 

Letztlich ist uns allen natürlich bewusst, dass jeder noch so liebevolle Mensch hin und wieder lieblos ist. Die einzige Person dieser Erde, die vollkommene Liebe hatte, ist unser Herr Jesus Christus. Wir möchten darum kämpfen, so zu lieben, wie Er liebte.

 

Die Arbeit eines liebevollen christlichen Leiters

Zuletzt soll noch erwähnt werden, dass Liebe in Worten und Taten ausgedrückt werden muss. Dazu gehört das Äußern von Liebe und Mitgefühl, was durch das Zeigen von Dankbarkeit und gegenseitiges Lob praktiziert werden kann. Liebe zeigt sich auch in Gastfreundschaft, indem wir uns um die Bedürfnisse anderer kümmern, ganz wesentlich durch Gebetsarbeit und indem wir „den Hunger der Seelen stillen“ – durch das Verkündigen der frohen Botschaft. Zur praktischen Ausführung von Liebe gehört aber auch das Bewahren und Ermahnen der Seelen, die uns anvertraut sind, das Bestrafen und wieder Aufrichten und zuletzt auch das Lösen von Konflikten nach dem „besseren Weg“ der Liebe.

 

Wie wichtig ist es, all diese Dinge auf dem Fundament des Gehorsams zu tun: „Seid aber Täter des Wortes und nicht bloß Hörer, die sich selbst betrügen“ (Jak 1,22).

Es reicht nicht, die biblische Lehre der Liebe zu kennen – nur jene, die hören und auch tun, sind gesegnet: „Wenn ihr dies wisst, glückselig seid ihr, wenn ihr es tut“ (Joh 13,17)!

 

Eine Zusammenfassung des Buches

„Mit Liebe leiten“ von Alexander Strauch,

CV Dillenburg