Podcast: Download (Duration: 8:25 — 5.8MB)
Viele Menschen wachsen in religiösen Traditionen auf, gehen regelmäßig in die Kirche – und doch bleibt ihr Herz leer. Die Bibel sagt: „Wenn du aber von dort den HERRN, deinen Gott, suchen wirst, so wirst du ihn finden“ (5.Mo 4,29). Ich fing an zu suchen – und fand viel mehr, als ich erwartet hatte: eine lebendige Beziehung zu Jesus Christus.
Ein Glaube ohne Tiefe
Ich wurde in eine deutsch-griechische Familie geboren. Meine gesamte Schulzeit verbrachte ich in Griechenland. Zu Hause hatten wir ein eher distanziertes Verhältnis zum Christentum: Die Feiertage waren etwas Soziales, Jesus nur eine historische Figur. Die Kirche in Griechenland kam einem eher wie etwas Politisches vor, man war auf Abstand. Wir beteten in der Schule jeden Morgen das Vaterunser, manchmal brachte man uns sogar in die orthodoxe Kirche. Leute wie ich bezeichneten sich als Christen, denn wir bekannten uns ja dazu – so der Gedanke.
Als ich im Jahr 1997 mit meinen Eltern nach Deutschland kam, war ich sofort ein vielbeschäftigter Student. Ich besaß ein Neues Testament und las es auch ganz, legte es dann aber zur Seite.

Die Suche nach Wahrheit
Durch gesundheitliche Probleme und der bitteren Erfahrung, in meiner damaligen Ehe verlassen zu werden, begann ich nach einem Jesus zu suchen, der zu mir sprach.
Meine damalige Lösung ging in Richtung Protestantismus und zwar in einer Staatskirche, weil es dort die Gottesdienste in deutscher Alltagssprache gab und nicht auf Altgriechisch. Ich konnte mir in der Not und Einsamkeit nur einen Jesus vorstellen, der sich mir zuwandte.
Die Jahre vergingen und ich lernte meine jetzige Frau kennen. Wir heirateten und sie kam nach Deutschland. Sie hatte noch weniger formelle Kenntnisse über die Bibel als ich, weil es in Russland keinen Religionsunterricht gab und ihre Familie – genau wie meine – orthodox gewesen ist. Sehr peinlich war mir, dass ich, der ich ihr das neu gefundene, vermeintlich echte Christentum, nahebringen wollte, wenig zu bieten hatte!
Unerwartete Begegnungen
Viele Fragen, die ohne Antwort blieben, beschäftigten mich. Doch da tat sich von ganz unerwarteter Seite eine Tür auf:
Meine Frau, die außer mir noch keine Kontakte hatte, berichtete mir froh, wie sie auf ganz wundersame Weise eine Frau kennengelernt hatte. Dies geschah im Wartezimmer einer Kinderarztpraxis, in dem sie mit unserer fast einjährigen Tochter war. Ich fragte meine Frau wiederholt – weil es mich überraschte – wie sie sich in ihrer Schüchternheit getraut hatte, jemanden kennenzulernen. Es stellte sich heraus, dass das Baby der anderen Frau meine Frau so lange anlächelte, dass sie ins Gespräch kamen. Außerdem sprach die Frau Russisch!
Sehr bald lernte ich auch die restliche Familie kennen: Ihr Mann half mir einmal in der Not, obwohl er mich nur vom Hörensagen kannte. Als sie uns zu sich einluden, fühlten wir uns sehr wohl. Sie boten uns an, zum Gottesdienst mitzukommen. Meine erste Reaktion war: „Ok, wir probieren das mal. Notfalls können wir sie dann auch einladen.“ Doch das war nur mein Stolz, der sprach.
So gingen wir in die Gemeinde Speyer, von der ich in den letzten 10 Jahren nicht einmal einen Kilometer weit entfernt gewohnt hatte. Das laute Beten überraschte mich nicht, denn die Apostelgeschichte hatte ich gelesen und konnte es einordnen. Damals stellte ich mir nicht sofort die Frage, warum das bei mir fehlte, weil ich mir so manch andere Frage auch nicht gestellt hatte. Die Predigten waren so bibelbezogen wie nichts, das ich bisher gehört oder gelesen hatte. Ich war auf alles gefasst, was ich hätte ablehnen können.
Doch es wurde von Jesus selbst gepredigt – das konnte ich nicht abstreiten. Auf die Frage meiner Frau an mich als Familienoberhaupt, ob wir am nächsten Sonntag wieder zur evangelischen Kirche gehen würden, antwortete ich ganz entschieden: „Nein, wir gehen ganz sicher nur noch in diese Gemeinde.“ So besuchten wir jeden Sonntag die Gottesdienste in Speyer.
Zu jener Zeit verursachte ich einen Autounfall, wobei Gott sei Dank niemand verletzt wurde. Es war mir sehr peinlich, dass ich das andere Auto durch meine Unaufmerksamkeit im Straßenverkehr schwer beschädigt hatte. Unsere Tochter schrie laut im Auto. Ich erwartete Ärger vom anderen Autofahrer, stattdessen stieg ein junger Mann aus dem Auto, der mich und meine Frau sogar tröstete und uns Mut zusprach. Man kann es kaum glauben, aber von den 50.000 Einwohnern unseres Städtchens war ich nicht nur einem Gemeindemitglied, sondern auch dem Cousin des Mannes, den ich zuerst kennengelernt hatte, ins Auto gefahren!
Umso unangenehmer war mir das im Nachhinein, aber beide Männer verloren nach dem Vorfall kein Wort darüber. Wir wurden nicht nur gute Freunde, sondern bald auch Brüder in Christus.
Der Moment der Entscheidung
Die Veränderung, die Jesus in mir bewirkte, kam erst durch ein tiefes Fühlen der eigenen Sündhaftigkeit und Verlorenheit – der Weg, der mich zur Bekehrung führte.
Es geschah in einem der Gottesdienste, als nicht nur die Predigten, ja sogar die Lieder wie direkt an mich adressiert zu sein schienen. Ich sang „Muss ich geh‘n mit leeren Händen“.
An das Lied „Bist du rein in dem Blute des Herrn?“ kann ich mich besonders gut erinnern. Ich weinte sehr, weil ich die Antworten über mich wusste und sie taten sehr weh. Meine Frau reichte mir die ganze Zeit Taschentücher. Keiner sah zu mir hinüber, was es mir leichter machte, so vor dem Herrn zu stehen. Ich hatte schon öfter gesehen, wie sich jemand bekehrte und für sich beten ließ. Doch ich wusste nicht, dass dies jederzeit möglich ist und so sagte ich zu meiner Frau: „Vielleicht ist das selten möglich, notfalls werde ich an Gottes Schwelle klopfend sterben.“
Umso erleichterter war ich, als sich die Möglichkeit ergab. Das laute Beten, mit dem alle beschäftigt waren, nahm mir auch die Schüchternheit. Es ging mir deutlich besser danach. Nach diesem Moment der Entscheidung bekam mein Glaube eine tiefe Wende.
Zum Bibelkurs für die Wassertaufe ging ich, weil ich gern mehr über die Bibel erfahren wollte. Denn meinen Ohren erklang die Mitteilung: „Letzte Möglichkeit zur Anmeldung für den Kurs“ wie eine letzte Warnung. Der Kurs war sehr lehrreich. Auch die Ringstunde, die ich schon bald besuchte, brachte mich Gott auf eine Weise nah, wie ich das nie gekannt hatte. Dass ich deutlich älter war als die meisten anderen, bekümmerte mich nicht. Es wurde schon mancher von seiner Lähmung mit genau 38 Jahren durch den Herrn geheilt (vgl. Joh 5,5).
Meine Geistestaufe am 2. Juli sowie die anschließende Wassertaufe am 2. September 2018 sind Tage, an die ich mich immer noch jedes Jahr mit großer Freude erinnere. Eine weitere riesige Freude war, dass meine Frau auch denselben Weg des Glaubens einschlug und wir jetzt zusammen dem Herrn dienen.
Alle Ehre sei Gott allein!
Christos Batzios
Gemeinde Speyer