Wie vor 3000 Jahren

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  • Eine Schulklasse während des Unterrichts in New Glencoe

Wie vor 3000 Jahren

2020-12-01T20:14:15+01:0029. Mai 2020|
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Bericht über die Reise nach Bihar (Indien)

Nach fast 15 Jahren besuche ich Indien wieder. Ich war sehr gespannt, ob sich in diesen Jahren viel verändert hatte oder ob die Zeit dort stehen geblieben war. Dieses Mal war es die Bergregion rund um Darjeeling und der Bundesstaat Bihar (GEMS – Jebakumar), die wir auf unserer Reise besuchten.

Was jedem in der Reisegruppe sofort auffiel, waren die vielen Menschen, die sich auf den Straßen Indiens bewegen. Da wir kurz vor Weihnachten unterwegs waren, musste ich immer wieder an die Weihnachtsmärkte in Deutschland denken. Ähnlich voll sind die Straßen in Indien, und dass von morgens bis abends, sieben Tage in der Woche, 365 Tage im Jahr. Es ist noch alles, wie es war: Menschen, Menschen, Menschen. Dazwischen die heiligen Kühe und viel Müll, den die Menschen in Indien einfach nicht in der Lage sind zu entsorgen.

Bruder Ernst Fischer mit der Reisegruppe zu Besuch bei Bruder Jebakumar

In New Glencoe besuchten wir eine Schule, in der mehr als 300 Kinder in christlicher Atmosphäre schulische Bildung bekommen. Es sind ausschließlich Kinder aus den Teeplantagen der Bergregion. Nach dem Besuch dieser Schule hatten wir den Gedanken, neue Testamente zu kaufen, damit jedes Kind, welches diese Schule verlässt, wenigstens ein Neues Testament als Wegbegleiter mitnehmen kann. Diese Idee setzten wir auch gleich um.

Auf unserem Trip durch die Berge Darjeelings musste ich weinend daran denken, mit wie wenig Kosten und Aufwand wir den Menschen im bevölkerungsreichsten Land der Welt doch ein Segen sein können, wenn wir es nur wollen. Wie viel Gutes könnte getan werden, wenn jeder Christ auf der Welt mit dem brennenden Wunsch, irgendwo ein Segen zu sein, durchs Leben gehen und mithelfen würde, das Evangelium in diese Welt hinaus zu tragen.

In der freien Zeit wurde viel mit den Kindern unternommen

In Bihar leben auf einer Fläche von 94.163 km² – das ist wesentlich kleiner als unsere neuen Bundesländer – 104 Mio. Menschen. Etwa die Hälfte von ihnen kann nicht einmal lesen und schreiben. Bei den Frauen liegt der Anteil sogar bei 60%. Der Bundesstaat Bihar ist der ärmste Indiens und die Menschen dort leben hauptsächlich vom Ackerbau. Reis, Reis und nochmals Reis wohin das Auge reicht. Geerntet wird dieser noch genau wie vor 3000 Jahren, nämlich mit der Sichel.

Als wir durch das Land fuhren und sahen, wie Menschen mit der Sichel die Ernte einbringen, danach die Garben auf dem Kopf nach Hause trugen und schließlich auf „Holzbetten“ den Reis aus den Ären schlugen, musste ich immer wieder an Ruth aus der Bibel denken, die Ähren vom Acker auflas.

Ein paar Lehmhütten,
genauso wie vor 3000 Jahren

Wir besuchten einige Dorfprojekte von GEMS und fühlten uns dabei in die Steinzeit zurückversetzt. Wir sahen Lehmhütten mit Strohdach, das Essen wird dort auf einer Feuerstelle gekocht und weil es in Bihar kaum Wälder gibt, wird Kuhmist als Brennmaterial verwendet. Die Menschen ernten alles mit der Hand, Maschinen und andere Technik sind dort kaum zu sehen.

Doch viel schlimmer als die Rückständigkeit der Menschen in Bihar ist der Götzenglauben, in dem die Menschen gefangen sind. Die Menschen dort leben in geistlicher Finsternis. Bruder Jebakumar erzählte uns, dass die Hindus glauben, sie können bis zu 64.000-mal wiedergeboren werden und darum machen sie sich keine Gedanken über die Ewigkeit, denn keiner weiß, in welcher Wiedergeburt (in welchem Leben) er sich gerade befindet.

Mir ist wieder einmal bewusst geworden, mit welchen Lügen der Teufel die Menschen verführt und dadurch auch um das ewige Leben bringt. Die Bibel nennt den Teufel nicht umsonst „den Vater der Lüge“. Und doch tut Gott auch in dieser finsteren Region sein Werk. Wir kamen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus, als wir während unseres Aufenthalts bei GEMS sahen, was Gott durch diesen einen Missionar in dem Land, das man damals „den Friedhof der Missionare“ nannte, schon getan hat.

Doch als wir vor der Abreise noch zu einem Besuch in sein Haus eingeladen wurden und ihm staunend über die Größe seiner Arbeit Anmerkung zeigten, erwiderte er nur wehmütig und demütig: „Es ist schon so, aber im Verhältnis zu der Arbeit, die noch getan werden muss, ist es sehr wenig.“ In Indien gibt es 1,3 Mrd. Menschen und nur ein verschwindend geringer Anteil davon sind Christen. Doch Gott ist am Werk und auch in diesem rückständigen Land erleben die Christen Gottes Gegenwart und seine Wunder. Eine Geschichte, die uns Bruder Viktor auf dem Campus von GEMS erzählte, möchte ich hier berichten. Es ist eine von vielen, die uns begeistert hat.

Seit längerer Zeit hat Bruder Jebakumar auch Rahab-Projekte in Arbeit. Es gibt in Bihar Dörfer, in denen die Frauen ausschließlich von Prostitution leben und sich dabei gar nichts Böses denken. Es ist einfach ihre Lebensweise und sie sehen überhaupt keine schlimme Handlung dahinter. Wie man sich leicht denken kann, werden dadurch viele Kinder geboren, die dann Opfer dieses schrecklichen Lebenswandels sind.

Kinder die im Rahmen des Rahab-Projektes versorgt und unterrichtet werden.

In einem solchen Rahab-Projekt, in dem täglich etwa 100 Kinder betreut, gespeist und auch durch schulische und christliche Bildung aufgebaut werden, stellte man nach einer gründlichen ärztlichen Untersuchung fest, das 22 dieser Kinder HIV-positiv oder an Hepatitis-B erkrankt waren.

Der Arzt, der die Kinder untersucht hatte, sagte den Mitarbeitern, dass einige der Kinder nur noch wenige Monate zu leben hätten, weil die Krankheit bei ihnen schon sehr weit fortgeschritten war. Doch dann kam der Karfreitag und die Kinder hatten sich zu einem Fastingprayer-Meeting versammelt. Sie fasteten an diesem Tag und verbrachten den ganzen Tag im Gebet, Lobpreis und Gottes Wort.

Am Abend hatten sie ein besonderes Erlebnis; Gott hatte sie besucht. Die Kinder wurden auf besondere Weise vom Heiligen Geist erfüllt, freuten sich und lobten Gott auf wirklich übernatürliche Art und Weise. Einige Wochen nach diesem Erlebnis musste eines dieser erkrankten Kinder zum Arzt, weil es ihm gesundheitlich nicht gut ging.

Man sagte dem Arzt, dass dieser Junge HIV-positiv sei und dass er bei der Behandlung dieses Patienten besondere Vorsicht walten lassen sollte. Der Arzt stellte eine gründliche Untersuchung an und sagte den Verantwortlichen von GEMS dann, dass ein Irrtum vorliegen müsse, denn der Junge war gar nicht HIV-positiv.

Daraufhin wurden auch die anderen Kinder mit dieser Diagnose untersucht und man konnte diese Krankheit bei keinem dieser Kinder mehr feststellen. Um auf Nummer sicher zu gehen, verglich man die Untersuchungsmethoden der beiden Ärzte und stellte fest, dass sie in beiden Fällen die gleiche Methode angewandt hatten.

Gott hatte diese Kinder auf wunderbare Weise geheilt. Preis sei Gott dafür. Jesus Christus gestern, heute und in Ewigkeit derselbe.

 

Wie wichtig ist es doch, dass wir als Christen das große Arbeitsfeld sehen und mit allen Kräften, vereint dazu beitragen, dass das Evangelium die Menschen auch in solch rückständigen Gebieten wie Bihar erreicht. Noch haben wir gute Möglichkeiten, die Missionsarbeit beispielsweise durch die Intermission zu unterstützen.

Jesus hat seinen Jüngern den Auftrag gegeben: Gehet hin in alle Welt – bist du bereits dabei?

 

Ernst Fischer
Gemeinde Cloppenburg